Dienstag, 2. März 2010

Eine schöne Übung: Das Gewinnlos aufessen


Heute stolperte ich über folgende amüsante Nachricht: Ryanair spielt auf seinen Flügen per Rubbellos Gewinne aus. Ein Mann gewinnt 10.000 Euro, will sie sofort ausgezahlt haben, und weil das nicht geht, isst er aus Wut sein Los auf! Grandios! Daran lässt sich nämlich zeigen, welches Potential die buddhistische Lehre hat, wenn man sie nicht auf die herkömmliche Weise versteht.

Fall 1: Flieger A (wir wissen ja aus der Zwiebelfisch-Kolumne im Spiegel, dass der "Flieger" nur der Mensch und nicht das Flugzeug ist) ist Theravada-Buddhist. Er gewinnt beim Rubbeln (erlaubt, weil er nicht ordiniert ist) 10.000 Euro. In Gleichmut landet er, löst den Gewinn auf die vorgeschriebene Weise ein und lebt sein Leben weiter, als wäre nichts Besonderes gewesen.

Fall 2: Flieger B ist Choleriker. Ihm kann nichts schnell genug gehen. Da das Flugzeug auch abstürzen könnte, er mit den 10.000 Euro bei Sofortauszahlung aber vielleicht noch alle zwei Stewardessen (und den Steward) rumkriegen könnte, es mit ihm auf der Bordtoilette zu treiben (nacheinander), will er die Kohle sofort. Dies wird ihm verweigert. Aus Wut frisst er das Los. Einen Tag später stellt sich, auf seinem langweiligen Apartmentklo, heraus, dass die wutinduzierte überschüssige Magensäure das zu 50 Prozent aus Kunststoff bestehende Los unkenntlich machte und er seinen Gewinn nun nicht mehr reklamieren kann. Er beschließt, seine Wut abzulegen und wird Theravada-Mönch. Im Laufe der Zeit versteht er, dass er nicht viel braucht. Nach drei Jahren hat er es begriffen. Als er bei einem weiteren Ryanair-Flug zum Weltkongress der Religionen (auf Einladung) erneut einen 10.000 Euro-Gewinn ergattert, weil irgendein Unglücksrabe sein Los im Steckfach des Vordersitzes vergaß und er es nun findet, denkt er an eine Zen-Geschichte, die er einst hörte. Sie handelt vom Laien P'ang, der auf dem See all seine Habe versenkte, weil er nicht die armen Menschen am Ufer in Versuchung führen wollte. Es ist die einzige Zen-Geschichte, die dem Bettelmönch gefällt, und so isst er zum zweiten Mal in seinem Leben ein Los auf.

Fall 3: Der Zen-Buddhist G. rubbelt, um seine Flugangst zu vergessen, 50 Rubbellose frei und macht eine Riesensauerei unter seinem Sitz. Schließlich gewinnt er 10.000 Euro. Da ihm die Stewardessen nicht gefallen, ärgert er sich, nicht in einem Flugzeug der Singapore Airlines zu hocken. Wie er so die Reihen abgeht, erkennt er mit sicherem Blick ein Freudenmädchen unter den Passagieren, das hübscher ist als alle nicht-käuflichen Frauen, und beschließt, es endlich mal auf einer Bordtoilette zu treiben. Leider zahlt man ihm den Gewinn nicht gleich aus. Der Zen-Buddhist G. denkt: Was soll's, das Los ist leer, das Freudenmädchen ist leer, ich bin leer, nur die Samenblase ist voll - und isst das Los auf. Danach rubbelt er weitere Lose  frei, um seine Flugangst zu verdrängen.

Und was lernen wir daraus? Es genügt nicht, das Motiv zu erforschen. Auch der Wüterich hat sich vom Gewinn getrennt. Die Wut hat ihn zum Los-Lassen geführt.
Erstaunlich.

Und wer bis hierhin nichts zu lachen hatte, aber Englisch kann, der wird heute Nacht nicht mehr aufhören damit: Geraldines schräger Humor.

[Foto: Keller (Bettelnonne in Laos, meist Straßenkind genannt)]

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