Montag, 1. März 2010

Canisius und Phat Hue: Sex und Missbrauch in Kirche und Buddhismus (Teil 6)

Offener Brief an den Mönch Bhante Punnaratana

Geehrter Mönch Bhante Punnaratana,

viele von uns fragen sich, warum Sie noch in der Pagode Phat Hue tätig sind. Als der Novize Hue Phap (später Ghampierapanyo) sich Ihnen wegen der von ihm auch in Internetforen geschilderten Übergriffe des Abtes Thich Thien Son anvertraute - warum geschah da nichts? Trotz dieser Enttäuschung und  einer  "Ansage" nach dem Verlassen der Pagode (von der Sie sicher nichts wussten), er würde nirgends mehr eine Robe anziehen können, flog der Novize ausgerechnet in Ihr Heimatland nach Sri Lanka, um dort in einer Einsiedelei auf einem Inselchen, auf dem schon einige bekannte deutsche Buddhisten weilten, den Buddha-Weg zu gehen und zu studieren. Heute wissen wir, auch dank Ihrem Landsmann Bhante Seelavansa Maha Thero, von der Sanghadisesa - der buddhistische Orden hat also den Übergriff "erkannt". Welche Konsequenzen ziehen Sie selbst daraus?

Ich möchte Ihnen eine Hilfe geben, für den Fall, dass Ihnen jemals jemand davon berichten sollte, er sei in einer Pagode an seinen Genitalien angefasst worden, damit er ein Trauma überwände. Das folgende Zitat stammt aus dem Parivâra, dem dritten Teil des Vinaya Pitaka (der Ordensregeln), der Zusammenfassungen und Analysen zu den beiden ersten Teilen enthält. Ich musste mich damit als  Zen-Buddhist beschäftigen, weil ich von Ordinierten ständig hörte, sie wüssten darüber nichts oder würden nicht darüber reden dürfen (was wohl meist aufs Gleiche hinausläuft).

"Tathâgatas lehren den Dharma nicht einem, der einen Sonnenschirm in der Hand hält, auch nicht einem mit einem Stab, einem Messer oder einer Waffe in den Händen, (...) auch nicht einem in einem Fahrzeug ODER AUF EINEM BETT, (...) nicht einem mit einem Turban auf dem Kopf ..."*

So sagt es doch Ihre Tradition, oder täusche ich mich da? Wir wollen nicht, dass solche Fälle erst sichtbare Konsequenzen haben, wenn sie verjährt sind. Das ist offenbar die Methode der katholischen Kirche, nicht jedoch die von wahren Buddhisten. Wenn Sie aber insgeheim der Meinung sind und die Erfahrung gemacht haben, dass auch ein Mönch nicht glücklich sein kann, wenn er keinen Sex haben darf (nicht einmal mit sich selbst, wie es der Vinaya vorschreibt), dann haben Sie mein Verständnis und können damit rechnen, dass ich mich für eine Abschaffung oder zumindest Reform dieses Vinaya stark mache. Auf dass sich Menschen in befreiter Sexualität, jenseits jeder Hierarchie auf gleicher Augenhöhe und in Einvernehmlichkeit begegnen können. Machen wir Schluss mit der Heuchelei!

Gui Do, der runzlige Bauernsohn

(Die Beiträge zu diesem Thema finden sich hier.)

[* zitiert nach Teil VI, I. 33 in engl. Übersetzung von I.B. Horner]

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