Samstag, 23. Oktober 2010

Jun Tsuji:
Epikureismus und Buddhismus

Jun Tsuji (1884-1944) war nach der englischen Wikipedia Dadaist, Nihilist, Feminist und noch so einiges andere. Sein Leben war karg, sein Denken wurde u.a. von Tolstoi, Wilde, Voltaire und vom deutschen Philosophen Max Stirner beeinflusst. Nach dem epikureischen Ideal der "Unerschütterlichkeit"  oder Sorglosigkeit (Ataraxie) lebte er als Vagabund auf Wanderschaft und schrieb darüber. In seinem Stück "Tod eines Epikureers" muss der Protagonist sich der fließenden Natur der Dinge (Panta Rhei) stellen, die der Autor in Beziehung zu Stirners "kreativem Nichts" setzt - da die Substanzlosigkeit der Dinge das Potential für Kreativität und Wandel enthalte.
   Tsuji verfiel zunehmend dem Alkohol, und doch ist es kein Wunder, dass er sich auch dem Buddhismus über Shinran und den Jôdo Shinshû-Klassiker "Tannishô" näherte, der Dialoge enthält, die dessen Schüler Yuien mit Shinran führte. Fortan gab Tsuji das Schreiben auf und zog als Shakuhachi spielender Komusô-Mönch (das sind die aus der Fuke-Schule des Zen mit den "Körben" überm Kopf) durch die Gegend. Tsuji nannte sich selbst einen Unmensch. Am Ende verhungerte er. Sein Grab findet sich in Tokios Saifuku-Tempel.

Kommentare:

  1. Danke für den Hinweis! Epikureer ist richtig. Ich hatte noch gezögert, war aber zu bequem zum Nachschlagen. Dieser Blog hat leider keinen Korrekturleser ...

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  2. Naja, bei Blogs ist das nicht weiter schlimm, wie oft tippt man in einer Eile oder einfach so gesprächsweise... In Büchern ja auch nicht, wenn es nicht ein bestimmtes Maß übersteigt. Wie sagte mein Verleger mal: "Das fehlerfreie Buch ist noch nicht erfunden worden."

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  3. Hallo!

    War er erleuchtet oder gab es Anzeichen dafür?

    Andere "führen sich ja auch so auf", werden aber "entschuldigt", weil sie eben - hmhmhm - waren (vgl. Ryokan oder so).

    Oder gar als Vorbild - eben Ryokan - verehrt.

    Oder wird vielleicht erst irgendwann nachträglich erkannt, dass das Verhalten das eines Erleuchteten war?
    (Fällt mir gerade als Parallele ein: kathol. Heilige werden ja auch erst nachträglich, und nach Tod, heilig gesprochen).

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  4. Namaste!

    Interessanter Post! Ich hatte befürchtet, derartige Unikate seien schon viel früher "ausgestorben".

    Aber vielleicht gibt es sie gar heute noch - Menschen wie Kuya, Ippen, Ikkyû oder Tôsui!?

    Ach, was sind wir doch träge und faul geworden, verglichen mit Helden wie diesen!

    Einen schönen Sonntag!
    < gasshô >

    Benkei

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  5. Mehr zu Kûya hier: http://www.teeweg.de/de/literatur/kamo/religion.htm
    Und zum ebenfalls interessanten Gyôki hier:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Gy%C5%8Dki

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