Dienstag, 26. Oktober 2010

This Prison Where I Live:
Der burmesische Komiker Zarganar




Seit ein paar Tagen plage ich mich mit dem Gedanken herum, wie ich von Michael Mittermaiers und Rex Bloomsteins Doku "This Prison Where I Live" erzählen soll. Ich habe die Pressevorführung genutzt, um mit der Frau zu flirten, deren blonder Pferdeschwanz vor mir mich wesentlich mehr interessierte als das meiste, was sich auf der Leinwand abspielte. Abgesehen von der teils verrissenen Kamera und einigen wirklich überflüssigen Einstellungen, will uns der Film vor allem die Paranoia spürbar machen, die einen erfasst, wenn man von meist zivilen Schergen einer Militärregierung verfolgt und beobachtet wird - wo man doch nichts anderes möchte, als den Starkomiker Burmas, Zarganar, zu porträtieren bzw. später, nachdem er wegen seiner großen Klappe inhaftiert worden ist, im Gefängnis zu besuchen. Für schräge Witze über die Regierung bekommt man hierzulande einen Preis, in Burma - heute Myanmar genannt - schon mal lebenslänglich. Thema und Bildmaterial reichen dennoch bloß für einen Kurzfilm, wenn uns mal etwas gezeigt werden müsste (denn darum heißt es ja Kino), wird es uns nur erzählt. Harrt man dennoch bis zum Ende aus, hört und sieht man immerhin den besten Witz von Zarganar.
   Mit dem Humor der Südostasiaten ist das so eine Sache. Wie oft habe ich schon mit Einheimischen in Thailand und Kambodscha vorm Fernseher gehockt und mir ihre Lieblingskomödianten angeschaut, und wie oft dabei an Knallchargen gedacht, wenn man mir verzweifelt versuchte die Gags zu übersetzen. Der erste Satz in Khmer, den ich lernte, hieß so ähnlich wie: "Skoal Agram de?", was bedeutet: "Kennst du Agram?" und fast immer zu Gelächter führte, weil Agram ein landesweit bekannter Komiker ist.
   Mittermaier ist sicher die leise Hoffnung anzurechnen, mit dem Film eine solche Öffentlichkeit zu schaffen, dass Zarganars Gefängnisstrafe womöglich verkürzt wird. Von meiner längst überfälligen Burmareise hält mich die Humorlosigkeit der dortigen Militärs nicht ab - sondern die Tatsache, dass kurz vor den Wahlen im kommenden November das Visa on Arrival mal wieder abgeschafft wurde.

[Filmausschnitt Copyright: Senator Film]

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