Sonntag, 22. August 2010

Zen-Buddhismus und Pali-Kanon

(recycelt aus einer Mailingliste)
 
Es gibt nicht DIE "Sicht des Buddha" - nur Deine eigene.

Würde man sich bemühen - statt dem Zugeständnis an die eigene Schulrichtung und Lehrtradition, inclusive eines Bewusstseins für deren Schwerpunkte und deren Versuche, Ungereimtheiten auszubügeln - eine "objektive" Sicht aus den Schriften allein zu entwickeln, so wäre diese eine der "Verwirrung".

Eine kongruente Sicht aus der schriftlichen Überlieferung abzuleiten ist unmöglich, das sollte man sich zunächst klarmachen, ehe man an die Schriften herangeht. Wer das nicht tut, wird zwangsläufig enttäuscht - oder geistige Verrenkungen vornehmen müssen. Widersprüche werden bleiben - und die Frage, was wir heute daraus machen. Wir sehen das immer wieder, wenn verschiedene Schulrichtungen hier aus dem gleichen Kanon zitieren.

Daran erkennt man auch, wie weit Zen-Lehrer wie Seggelke sind, wenn er Folgendes behauptet - selbst wenn es gut gemeint sein sollte: "Es soll auch heute z. B. angebliche Zen-Buddhisten geben, die sich niemals mit den Reden Gautama Buddhas selbst eingehend beschäftigt haben und sich nur auf bestimmte Bruchstücke der Lehren von Bodhidharma stützen. "

Was meint er wohl mit den "Bruchstücken"? Richtig ist, dass sich der authentische Zen-Buddhist so viel mit dem Pali-Kanon ("den Reden Gautama Buddhas", die tatsächlich Überlieferungen diverser Personen aus dem Gedächtnis über mehrere Generationen sind) beschäftigen kann, wie er mag - den Schlüssel dazu liefert ihm tatsächlich erst die Tradition,  die sich auf Bodhidharma gründet. Und um es noch einmal zu betonen, der trug laut Überlieferung das Lankavatara-Sutra mit sich, nicht den Pali-Kanon. Zen-Lehrer, die sich im Pali-Kanon verheddert haben und häufiger darin lesen als in der Chan-Überlieferung, gibt es in Deutschland zuhauf.

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