Freitag, 9. Juli 2010

Missverständnisse im Buddhismus (II): Zölibat

Zu seinem 75. Geburtstag meinte der Dalai Lama kürzlich, der Zölibat sei etwas, was ihn "von gewöhnlichen Tieren unterscheidet". Und: "Sex macht den Menschen gemein mit allen anderen Tieren." Im Gegensatz zum Dalai Lama kann sich jedoch so manches Tier auch ohne Sex per Jungfernzeugung fortpflanzen und würde sich deshalb gewiss vom "gewöhnlichen Dalai Lama" unterscheiden wollen, so zum Beispiel die Tigerpython, die Truthenne, der Hammerhai, die Honigbiene, der Komodowaran und die Pechlibelle (wieso "Pech"?). Damit haben sie nicht das Problem des zölibatären Dalai Lama, durch ihr Verhalten zum Aussterben ihrer Art beizutragen - und dass, wo doch der Buddha sagte, dass es eine besondere Gnade sei, als Mensch geboren zu sein. Durch den Zölibat wird die Wiedergeburtslehre (vom Menschen) gleich mit ad absurdum geführt.
   Dass der Sex den Menschen nicht mit Tieren gemein macht, liegt aber vielmehr daran, dass er bei uns Menschen nicht primär zur Fortpflanzung betrieben wird (wie man ja am Dalai Lama sieht), sondern aus Lust und Spaß an der Freud. Sex im Zustand des Nicht-Unterscheidens - der, wenn man so will, gedankenlosen Hingabe, des "Einfach so Tuns" - fällt dem Menschen gar nicht so leicht. Dafür kann der Mensch den Sex "verfeinern" - wann würde zum Beispiel der Führer eine Affenhorde seine Schimpansinnen bitten, scharfe Nylonstrümpfe für ihn anzuziehen? Gut, denen wiederum fällt sicher was anderes ein, um auf sich aufmerksam zu machen, doch welche Mutter würde, wie der weibliche Komodowaran, erst männliche Nachkommen (jungfernhaft) zeugen, um dann endlich wieder mit (eben diesen) Männchen kopulieren zu können? In der Tat ist der sozialisierte Mensch weit davon entfernt, in Sachen Sex sich mit "allen anderen Tieren gemein" zu machen. Wie sagte schon Luther: "Was nicht ins Weib (heute würde er wohl zynisch ergänzen: oder den Knaben) geht, das geht ins Hemd."

(Foto: "Raul654", wikipedia.de)

Kommentare:

  1. Hallo, wo hast Du denn das her?
    Ich habe gelesen, zu seinem 75. Geburtstag habe der Dalai Lama auf die Frage, was er sich denn wünsche, geantwortet: "Manchmal ein Frau."
    In welcher Weise, blieb offen.

    Gruß

    Ike

    AntwortenLöschen
  2. Ich hab's aus einer SZ dieser Woche.

    AntwortenLöschen
  3. Wenn man googelt *Dalai Lama Geburtstag Frau* bekommt man einige Ergebnisse (wohl aus derselben Quelle) - auch BILD nahm sich dessen an.
    Hier von Spiegel online:

    http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,704987,00.html

    Und Deine Quelle?

    Gruß

    Ike

    AntwortenLöschen
  4. Meine Quelle hatte ich genannt, die Süddeutsche Zeitung (dort war es ein kleine Meldung). Das vollständige Interview mit der Bild-Zeitung steht hier: http://www.bild.de/BILD/politik/2010/07/06/dalai-lama-interview-zum-75-geburtstag/manchmal-traeume-ich-von-einer-frau.html

    Dort bejaht der DL zwar die Frage, dass er "auch schon mal von einer Frau träume" bzw. geträumt habe, verweist aber sogleich auf sein Mönchtum, an dass er sich sofort im Traum erinnere. Das ist unnatürlich. Der natürliche Ausdruck von sexueller Enthaltsamkeit (ohne Masturbation) ist der nächtliche Samenerguss, jedenfalls bis zu einem bestimmten Alter. Möglicherweise verschweigt der DL auch einfach seine Impotenz, jedenfalls redet er hier m.E. nicht klar.

    AntwortenLöschen

Das Sichten und Freischalten der Kommentare kann dauern.