Dienstag, 8. Februar 2011

"Die Egotheorie sollte durch eine Bündeltheorie ersetzt werden."

Und: "Die Religion tendiert zum Autoritarismus wie der Kapitalismus zum Monopol." So Julian Barnes in seiner autobiografischen Reflexion über den Tod, "Nichts, was man fürchten müsste". Ich komme darauf zurück.

Bhante Dhammika hat in seinem Blog im Beitrag "The 5 Regrets of Dying" Erkenntnisse aus seiner Hospizarbeit zusammengefasst. Was Sterbende am meisten bedauerten, sei

- nicht ein Leben getreu den eigenen Vorstellungen geführt, sondern sich nach anderen gerichtet zu haben,
- zu hart gearbeitet (und die Familie vernachlässigt) zu haben,
- ihre Gefühle nicht genügend ausgedrückt zu haben,
- Freundschaften vernachlässigt zu haben,
- sich zu wenig echte Zufriedenheit gegönnt zu haben.

Die große Überraschung - und einen Selbstbetrug - erkannte ich nicht in diesen Aussagen, sondern in Bhante Dhammikas Einleitung, wo er betont, dass wirklich jeder Patient ("every one of them") sich schließlich mit dem Sterben ausgesöhnt habe. Dies widerspricht nicht nur meinen Beobachtungen, sondern auch denen von zahlreichen Ärzten. Julian Barnes zitiert einen davon in seinem Buch. Vielleicht ist diese Blindheit des Bhante der Hospizarbeit geschuldet oder soll deren Wert unterstreichen. Ich stehe - im Gegensatz zu vielen sozial engagierten Buddhisten - Hospizen recht kritisch gegenüber, da man dort Gefahr läuft, Illusionen und "billigen" Trost zu schaffen. Was erzählen denn Buddhisten dort den Sterbenden? Was machen sie mit ihnen?

Das Buch von Barnes jedenfalls beleuchtet verschiedene Aspekte des Sterbens und unserer Ängste davor, es zitiert letzte Worte und philosophiert humorvoll über das Unvermeidliche. Das Ich sei nur ein Konstrukt der Gedanken, der freie Wille eine Illusion, so gibt es den Stand der Hirnforschung wieder. Ohne den Bezug auf Aristoteles zu vergessen, liefert es eine dem Zen ähnliche, jedoch ganz rationale Erkenntnis: "Die Vorstellung von einem zerebralen U-Bootkapitän, der alle Ereignisse im Leben des Menschen souverän organisiert, muss der Vorstellung weichen, dass wir nichts als eine Abfolge von Gehirnereignissen sind, die von gewissen Kausalverbindungen zusammengehalten werden (...) Das 'Ich', das wir so lieben, ist eigentlich nur eine grammatische Kategorie."

1 Kommentar:

  1. Wie heisst den noch dieser bekannte Hospizmensch....Osecki heisst er. Er sagt "Es bedarf keines friedlichen Sterbens". Damit bin ich ok.

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