Freitag, 28. Oktober 2011

Sexgeruechte um Shaolin-Abt:
Belohnung ausgeschrieben

Das ist mal eine Idee, koennte die Pagode Phat Hue auch mit ihrem scheinheiligen Abt machen ... Aufgrund der zahlreichen Geruechte um den wohlgenaehrten Abt des chinesischen Shaolintempels, Shi Yongxin, (er sei zum Beispiel im Puff erwischt worden und habe ein Kind in Deutschland) hat der Tempel selbst nun eine Belohnung ausgeschrieben fuer alle, die solche Vorwuerfe entweder entkraeften oder belegen (!) koennen. Wie die TAZ schreibt, sind die Chancen gar nicht so uebel, die Geliebte des Abtes heisse naemlich Li :-) 
   Da zeigt sich mal wieder, in welche rueckstaendigen, dummen und unhaltbaren Wunschvorstellungen von Abstinenz sich der buddhistische Klerus treiben laesst. Statt mit dem Hinweis aus sinnenfreudige Moenche der Chantradition zu kontern oder einfach Bilder von Geliebter/m und Kind zu veroeffentlichen, damit mal etwas Bewegung in die Ordensregeln kommt, erweist sich das Bonzentum als so paepstlich wie der Papst. Unter den Laien sieht es jedoch auch hierzulande nicht viel besser aus. 
   So las ich kuerzlich in einem DBU-Forum folgende Empfehlung, ohne genaue Angabe offensichtlich aus dem Kanon zitiert: "Er enthält sich des Fehlverhaltens bei Sinnesvergnügen, indem er das Fehlverhalten bei Sinnesvergnügen aufgegeben hat; er hat keinen Geschlechtsverkehr mit Frauen, die unter der Obhut der Mutter, des Vaters, von Mutter und Vater, des Bruders, der Schwester oder der Verwandten stehen, mit Frauen, die einen Ehemann haben, die vom Gesetz geschützt sind, oder mit jenen, die den Schmuck der Verlobten tragen."
   Wenn wir diesen Schwachsinn, den jemand vor ein paar tausend Jahren ersonnen hat, mal genau untersuchen, dann steht da also Folgendes:
   1) Mit Frauen, die Waisen sind, darf man sexuell anders verkehren als mit denen, die in der Obhut der Eltern stehen.
   2) Mit verheirateten Frauen darf man nicht verkehren, auch wenn diese dem Beruf des Freudenmaedchens nachgehen oder von ihren Ehemaennern misshandelt und hintergangen werden.
   3) Mit behinderten Frauen darf man nicht verkehren (denn sie sind "vom Gesetz geschuetzt" - na gut, da ist sicher noch was anderes gemeint, aber so ist das eben, wenn man bloss Saetze zitiert, ohne sie mit Leben zu erfuellen).
   In dem selben Beitrag im Forum der DBU wird behauptet, Zoelibataere haetten auf dem diesjaehrigen Kongress zum Thema Sexualitaet sehr informativ die verschiedenen Facetten ihrer Askese dargelegt. Dazu faellt mir ein, welch umfangreiche Studien es in der Sexualwissenschaft gibt, wenn man danach sucht, und welche Waelzer, dick wie die Bibel, in denen katholische Priester im Grossen und Ganzen nichts als das Scheitern des Zoelibates belegen. 

Es gibt nur einen Ausweg. Man darf diesen Unsinn nicht glauben und ihm keinen Raum geben. Jeder, der ohne Sex mit einem Partner auskommen kann, wird das in der Stille vollziehen, ohne daraus eine Forderung fuer andere abzuleiten. Ein Erwachter kann solche Regeln also nicht aufgestellt haben. Ich habe selbst jahrelang ohne Sex gelebt. Davon stirbt man nicht. Aber es ist eindeutig der fuer den Menschen als koerperlich-seelisch-geistige Einheit schlechtere Weg. Man kann davon ausgehen, dass dies fuer alle halbwegs gesunden Menschen gilt. Einem Zoelibataeren zu lauschen, wie er diese Lebensweise preist, ist so, wie zwei Zeugen Jehovas vom Juengsten Gericht schwafeln zu lassen. Enthaltsamkeit verdient so viel Diskretion wie das Sexleben zweier Liebender. Sie festzuschreiben ist schon wegen der implizierten Indiskretion ein Mangel an Moral.

Im Maharatnakutasutra heisst es darum auch: "Selbst wenn die Bodhisattvas den fuenf Sinnesvergnuegen mit unbegrenzter Freiheit ueber Kalpas, die so zahlreich wie die Sandkoerner des Ganges sind, nachgehen, vergehen sie sich nicht gegen die Geluebde solange sie nicht bodhicitta aufgeben." (nach Garma C.C. Chang uebersetzt)
  

Kommentare:

  1. Hallo Guido,
    zunächst einmal zu dem "ohne genaue Angabe offensichtlich aus dem Kanon" übernommenen Zitat - es handelt sich um DIE Standardformel, wenn es um das Sexualverhalten von Laien geht. Sie taucht in verschiedenen Pali-Sutten auf, z.B. im Sāleyyaka Sutta (M.41) und im Verañjaka Sutta (M.42).

    Im DBU-Forum ging es lediglich darum, eine schlichte Falschaussage richtigzustellen. Ansonsten gilt es natürlich, diesen "Schwachsinn" zu "untersuchen" und richtig zu verstehen - dabei kann man durchaus zu anderen Ergebnissen kommen als Du, wie man seit heute im Zensplitter-Blog nachlesen kann (http://zensplitter.blogspot.com/2011/10/buddha-sex-und-leidenschaft.html). Mit ein wenig Suchen findet man die Stelle schnell, falls einen der ganze Vortrag nicht interessieren sollte.

    Vielleicht sieht man dann auch, dass Buddha Shakyamunis Empfehlung in den Pali-Sutten gar nicht so weit entfernt ist von dem, was im Ratnakuta als das 'Nicht-Aufgeben von bodhicitta' bezeichnet wird. Bei den konkreten Empfehlungen in den Pali-Sutten gilt es, den Sinn dahinter zu verstehen. Im Ratnakuta darum, zu verstehen wie sich bodhicitta im konkreten Handeln erweist.

    Was nun das "Scheitern des Zölibates" angeht, so gibt es das zweifellos nicht nur in der katholischen Kirche - unser Frankfurter 'Abt' ist das beste Beispiel dafür, zu welcher Heuchelei und zu welch schädlichem Verhalten eine unterdrückte Sexualität führt, wenn man nicht die Fähigkeit hat oder entwickelt, sie in der Herzensöffnung, in der Praxis von Karuna und Metta zu sublimieren. Wenn man das nicht kann, bleibt nur, die entsprechenden Gelübde zurückzugeben - was zumindest im Buddhismus durchaus nichts Ehrenrühriges hat. Natürlich KANN man Karuna und Metta auch ganz unsublimiert in einer sexuellen Beziehung üben und entwickeln. Das ist ein lohnendes Übungsfeld. Nur - der Weg der Praxis muss klar sein. Jemand, der nicht das lebt, was er vorgibt zu sein und nicht das praktiziert, was er lehrt ist - ich wiederhole es - ein Heuchler und Betrüger.

    Ansonsten halte ich vom "Ableiten von Forderungen für Andere" auch nichts. Und ganz offensichtlich haben das auch die Referenten des Kongresses nicht getan (jedenfalls nicht die, die ich gehört habe). Nicht die Laien, nicht die Ordinierten und schon gar nicht die, die ihre Ordination zurückgegeben hatten und aus der Rückschau von ihren Erfahrungen mit dem Zölibat berichteten.

    Herzliche Grüße und Gasshô,
    SoGen

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  2. Meine Anmerkungen im Sinne von "offensichtlich aus dem Palikanon uebernommen" sind in diesem Blog meist nur rhetorische Spitzen im Sinne von: Kann dieser alte Mist uns wirklich noch was sagen? Oder sagt uns vielleicht der neuere "Mist" eher was? Darueber moege der Leser selbst befinden. Ich habe daran keine Zweifel: Die Sublimation von Sexualitaet halte ich mit dem Sexualwissenschaflter Borneman fuer ungesund (und unglaubwuerdig).

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