Donnerstag, 27. Oktober 2011

Neues aus Thailand: Gier (II)


Wenn man die ersten Male in suedostasiatische Laender reist, wird man sich als Deutscher daran gewoehnen muessen, uebern Tisch gezogen zu werden. Es dauert eine Weile, bis man die lokalen Preise versteht und weiss, was Einheimische wofuer zahlen. Auch das Feilschen auf dem Markt will gelernt sein. Spricht man dann z.B. ein paar Worte Thai und wurde regelmaessig vor Ort gesehen, wuenscht man sich natuerlich ein gewisses Entgegenkommen. Wie schoen, wenn man mal eine Waescherei gefunden hat, auf die man sich verlassen kann (und die nicht den schoenen Waeschebeutel, das Geschenk eines wichtigen Freundes, gegen einen billigen vertauscht) und ein Lokal, in dem man schmackhaft essen kann, ohne sich den Magen zu verderben.
   Angenehm ueberrascht war ich, als ich mit einer Bekannten zum Abendessen an solch einen etablierten Stand am Markt ging. Sie bekam eine Riesenportion gebackenen Reis, ich gebratene Nudeln (Pad Seiju) mit reichlich Brokkoli. Wir wurden beide gut satt. Ich gab Trinkgeld und laechelte die Grossmutter hinter dem Wok an. Am naechsten Tag bestellte ich das Gleiche. Diesmal war die Portion um ein Drittel kleiner und statt der Brokkoli, die auch auf der Speisekarte abgebildet sind, kam nur billiges gruenes Blattgemuese. Diesmal gab ich kein Trinkgeld und fragte die Kassiererin, wann denn die Grossmutter genau arbeitete. Ich erklaerte ihr, was geschehen war. Die Arbeitszeiten brachte ich nicht in Erfahrung. Natuerlich ging ich dort nicht mehr essen, wenn die Grossmutter nicht in Sicht war.
   So geht das andauernd. Und es faellt mir auf, dass es wieder schlimmer wird, seit hier vermehrt Kurzzeittouristen aus arabischen Laendern, Indien und Russland verkehren und es den Einheimischen immer besser geht. Waehrend der Chef der Einwanderungspolizei verlauten laesst, mit umfassenden Festnahmen und Abschiebungen von bettelnden Kambodschanern sei ein Schandfleck der modernen Touristenattraktion Pattaya entfernt worden, laufen die tatsaechlichen Schandflecken, die im Gegensatz zu den Khmer den Touristen Schaden zufuegen, frei herum. Zum Beispiel die Jetski-Betrueger (siehe oben) und die beteiligten korrupten "Polizisten".
   Gar nicht komisch ist auch, wenn man fuer ein Allerweltsmedikament wie Omeprazol (gegen Reflux) in einer hier bekannten Drogeriekette namens BOOTS das Doppelte bezahlt wie in einer anstaendigen Apotheke. Oder wenn man in einem Telefonshop die gleiche SIM-Karte, die im FAMILY MART gerade mal 49 Baht kostet, fuer 250 Baht angedreht bekommt. Ich gehe immer mehr dazu ueber, bei aller Kritik der Globalisierung und meinem Wunsch, einheimische Haendler zu unterstuetzen, in den grossen Supermarktketten einzukaufen, weil dort die Preise transparent sind und Beschwerden professioneller bearbeitet werden. Anderswo habe ich immer haeufiger den Eindruck, dass man Stammkunden nicht pflegt bzw. schon gar nicht mehr gewohnt ist. Die Zeiten, als Europaer hier ganze Strassenzuege beherrschten, sind Vergangenheit. Man kann es natuerlich den Einheimischen nicht verdenken, am grossen Kuchen des Kommerzes und Genusses teilhaben zu wollen. Doch ihre Undankbarkeit ist abstossend. Immer oefter habe ich den Eindruck, dieses Verhalten beruht auf einem tiefsitzenden Rassismus, der sich nicht nur auf Kambodschaner beschraenkt. Doch dazu spaeter mehr.

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