Freitag, 4. Mai 2012

Der Reichtum der Ole Nydahl-Sekte

Auf Seite 3 (ehemals Seite 4) der Satzung der "Stiftung Diamantweg" wird uns offenkundig die Alleinverfügungsgewalt Ole Nydahls erklärt. Ist ganz ähnlich gemacht wie bei der Sekte Phat Hue, wo auch in Sachen Geldausgeben gewisse große Freiheiten herrschen (heißt bei Ole "unverhältnismäßig hohe Vergütungen", was auch immer das sei - Aktualisierung vom 11.08.2014: Dieser Passus wurde in der Fassung der Satzung vom Dezember 2012 nicht mehr gefunden!).

... amtiert auf Lebenszeit, allein weisungsbefugt, benennt/ernennt und entlässt Geschäftsführer und Beiratsmitglieder ...

In den Vorstand hatte er zunächst nur noch seine zwei Lebensgefährtinnen aufgenommen.

Eine solche Struktur stinkt natürlich zum Himmel.

Auf Seite 18 eines Jahresberichtes (Aktualisierung vom 11.8.2014: Seite 18 ist nicht [mehr] vorhanden, siehe also Seite 11)  finden wir das Kapital, über das Nydahl verfügen kann (Stand 2009): 12,5 Millionen Euro!

Wichtig ist der Passus, dass die Arbeit in der Stiftung "ehrenamtlich" ist, also unbezahlt (deshalb auch Null Euro bei Personalkosten!), jedoch den ehrenamtlichen "Sklaven" praktisch keine Macht zugestanden wird, da der Ole ja alle rausschmeißen kann, die ihm nicht passen.

Ah, und dann das noch auf S. 16 bzw. 30, der Nachsatz zur Satzung, eingeleitet mit den Worten "Rührend bescheiden ..." Wirklich rührend. Ehemalige oder aktive Nydahl-Schüler findet man überall. Sie wehren sich in den meisten buddhistischen Foren, zum Teil als Moderatoren, vehement und sensibel gegen Kritik an dem Blender, sie unterlaufen einen buddhistischen Dachverband (obwohl sie ihren eigenen haben) und machen sich im Internet dick (z. B. auf www.buddhismus.de). Mit ihrer kruden Sprache wollen sie sogar in Schulen einziehen. Lasst das nicht zu!

Kommentare:

  1. Nanu? Keine große Welle von Nydahlisten? Verteidigen doch sonst bis dorthinaus ihren "Meister" ... oder kann man das hier schlecht widerlegen?

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  2. Hin und wieder schreiben Leser, die den Sinn dieses Blogs nicht kapieren, ein paar Zeilen. Die haben den gleichen Tenor wie manche Foren- und Mailinglistenbeiträge, verweisen - wenn ihnen hier der Tonfall nicht passt - stur auf sila (Regeln) und belegen damit nur, dass sie die entscheidenden paramita, die Weisheit, nicht mit Löffeln gefressen haben. Ich lösche solche Kommentare, d.h. veröffentliche sie nicht. Auf diesem Niveau ist der Buddhismus tot, darüber, dass Buddhisten sich im Schnitt nicht besser benehmen als Nicht-Buddhisten, brauchen wir nicht lange reden.

    Trotzdem teile ich nicht die Ansicht eines Users, der neulich in ein Forum schrieb, Religiöse seien die schlechteren Menschen. Man lese hierzu die Lagerberichte aus Sibirien von Warlam Schalamow. Da wird ein feiner Unterschied deutlich. Er macht sich daran fest, ob jemand von sich selbst absehen und altruistisch handeln kann. Den selbstsüchtigen und Kriminellen gelingt das im Lager dann doch schlechter als denen, die einen tiefen Glauben haben (und ihn praktizieren wollen). Recht verstandene Religion - für manchen Philosophen eher: Spiritualität - geht nicht nur im Christentum diesen Weg, sondern auch im Mahayana-Buddhismus. Shantideva hat darüber ein ganzes Buch geschrieben, aber selbst das könn(t)en fundamentalistische Buddhisten noch auf den Buchstaben reduzieren.

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  3. Mich erinnert diese Sekte in vielerlei Hinsicht an Scientology --- vielleicht wäre der Begriff "Buddhistology" eine ganz angemessene Bezeichnung...?

    Danke jedenfalls für dieses Blog und speziell diesen Beitrag!

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  4. Danke für den Beitrag, war leider auch viel zu lange in dieser Sekte drin, hat mich viele Lebensjahre gekostet. Man war ich blöd und naiv.

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  5. Hi Guido,

    Du hast sicherlich Recht mit deiner Kritik an der vorherrschenden Struktur der "Sekte des Ole Nydahl". Natürlich ist es schwer verdächtig, wenn ein einziger "Führer" (+seine Liebesgefährtinnen), über so einen Reichtum verfügen. Allerdings herrscht zu jedem Zeitpunkt völlige Transparenz über Haben und Soll bei den ganzen Projekten dieser vermeintlichen Sekte. Die ehrenamtlichen "Sklaven" sind mit viel Freude und Begeisterung dabei, und jeder, der für seine Arbeit etwas bekommen würde, würde es doch nur wieder in die Spendenkasse werfen. Hier geht es nicht darum, einen Nebenverdienst zu machen, indem man mal beim Aufbau einer Veranstaltung hilft oder beim Bauwochenende im nächstgelegenen Retreatzentrum. Das machen wir alle, da wir sehen, wie viele Menschen wir hiermit glücklich machen. Und damit meine ich nur zunächst die "Sektenmitglieder". Letztendlich aber auch jeden, der mit ihnen in Berührung kommt, denn jedes einzelne von Oles Projekten führt dazu, dass die Menschen das Beste aus sich herausholen, und dies somit auch in die Welt hinaustragen.

    Und zum Begriff Buddhistology, den ein anonymer Leser hat fallen lassen.. Ich musste schon ein bisschen schmunzeln, als ich den Beitrag gelesen habe habe, besonders weil ich selbst der ganzen Sache anfangs ebenfalls sehr kritisch gegenüber stand, und mir selbst erstmal darüber klar werden musste, ob ich den Diamantwegsbuddhismus guten Gewissens aus der Sektenschublade holen kann. Aber dann ist mir aufgefallen: Ich war bereits ein halbes Jahr dabei, und noch nie hat mich jemand auch nur einmal nach Geld gefragt. Und das, obwohl es sich beim Diamantwegsbuddhismus um einen eingetragenen Verein handelt - und findet mal einen Verein, der nicht nach der ersten Schnupperstunde die Hand aufhält und einen Mitgliedsbeitrag erwartet, und sollte dieser nicht gezahlt werden, einem die Tür vor der Nase zuschlagen würde. Natürlich wird ab und zu mal nach einer Spende gebeten, aber der Bitte kann man nachgehen oder auch nicht, das bleibt einem absolut selbst überlassen. Und ganz ehrlich, es ist doch viel schöner, ehrenamtliche Helfer zu haben, die mit anpacken, weil sie wirklich voll und ganz dahinter stehen, als sogenannte "Berufsbuddhisten", die für ihre Dharma-Arbeit bezahlt werden. Und ja, Ole hat auf dem Papier ne Menge Kohle. Ole übernachtet aber auch eher im Flughafen auf dem Boden, als dass er das Spendengeld für ein Hotelzimmer ausgibt. Und wenn es ihm wirklich um die Kohle und ein gemütliches Leben gehen würde, würde er doch schon lange in irgendeinem selbsterrichteten Tempel wohnen und seinen Reichtum genießen, Vereinigungsmeditationen praktizieren bis der Arzt kommt, und seine Gefolgschaften nur noch zu ihm pilgern lassen. Aber nein, er ist ständig unterwegs, um den Dharma zu lehren, um auch die Menschen zu erreichen, die nicht die Möglichkeit haben, weite Pilgerreisen zu begehen, um ihren Lehrer zu sehen.

    Naja, dies soll keine Lobhymne auf Ole Nydahl sein. In einem anderen Beitrag habe ich bereits erwähnt, dass ich vor allem in politischer Hinsicht auch oft mit dem werten Herrn anecke. In Sachen Geldpolitik herrscht meiner Meinung nach allerdings eine sehr deutliche und transparente Struktur, welche Versuche des Aufstiegs, um an Macht und Reichtum zu kommen, unterbindet, und kein Glied in der Kette ausnutzt. Niemand muss mehr zahlen als er kann und will. Ein bisschen Geld muss aber irgendwoher kommen, sonst wären all die Veranstaltungen und Projekte, die so vielen Leuten Freude bringen, leider nicht umzusetzen.

    Liebe Grüße,
    Henni

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  6. Den obigen Beitrag habe ich veröffentlicht, weil er gut zeigt, auf welche Argumentationsschiene sich diejenigen einlassen, die von der Nydahlsekte vorgeschickt werden, um für sie zu werben bzw. sie zu verteidigen. Der Duktus ist immer gleich.

    Es ist natürlich klar, dass ein Spendenkonto mit zig Millionen nicht zusammenkommt, wenn dem Sektenführer Spenden nichts bedeuten. Dann bräuchte es das nicht. Vor allem bräuchte es nicht seine Alleinverfügungsgewalt und Vormachtsstellung in finanziellen Belangen.

    Es ist natürlich klar, dass man ein reisefreudiges Leben ganz einfach religiös rechtfertigen kann, aber der Ansatz der Selbstgenügsamkeit im Buddhismus macht missionarischen Eifer überflüssig. Der Buddha wanderte umher, das ist etwas anderes und lehnt sich durch die körperliche Ertüchtigung, die dabei geschieht, an die Gehmeditation an.

    Veranstaltungen kann man so gestalten, dass kein Gewinn übrigbleibt, jedenfalls, wenn man sich als buddhistischen Lehrer mit einem Titel verstehen will. Leider hat der Ole das mit vielen Tibetern gemein, die ja dann auch in ihren Gelübden die Armut einfach umdefinierten und sich so das Recht gaben, sich zu bereichern.

    Warum sollte jemand auch "um Geld fragen", wo es die ganze Buddhalehre kostenlos gibt?

    Beim Ansammeln von Reichtum ist es keinesfalls so, dass alle von Luxussucht motiviert sind. Gier kann auch ohne das Bedürfnis auskommen, ein luxuriöses Leben zu führen.

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