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Todesschwadronieren mit Ole Nydahl

Die Zugriffe auf meine wenigen Beiträge zu Ole Nydahl haben zugenommen. In den letzten Jahren hatte man auf meine Kritik offenkundig u. a. mit einer Satzungsänderung und dem Löschen eines Videos reagiert, siehe  hier und  hier. Da nehme ich ihn doch einfach noch mal ganz aktuell auseinander. (Beeilt Euch, bevor die Belege wieder gelöscht, verändert oder manipuliert werden!) Zuerst dachte ich, der Ole Nydahl hätte hier im 2. Video gesagt, er danke seinen Eltern dafür, dass sie ihm ein paar gute Jeans gegeben hätten. Aber nein, er sagte: "Genes" (Gene). Er meint, da er schnelle Motorräder fahre und Fallschirm springe würde er kein bewusstes Interesse an einem langen Leben haben. Er würde "so viele gute Eindrücke in diesem Leben zu sammeln suchen", dass er im nächsten "die Kraft habe, mehr Wesen zu nutzen". Hier ist natürlich ein Widerspruch. Da der Ole gerade noch eingestanden hat, sein Leben mit eher risikoreichen Betätigungen zu gefährden, kann es ...

Sterben mit Kikifax Roshi

Kürzlich erwiderte ich eine Kritik in einem Kommentar, es gäbe eben kaum Zenlehrer im Westen, die nicht von anderen Traditionen beeinflusst oder verwirrt worden seien. Sogleich stieß ich auf ein Beispiel: Joan Halifax. In ihrem Wiki-Eintrag werden als "Vorgänger" Bernhard Glassman und Thich Nhat Hanh genannt, als Lehrer Seung Sahn. Auf dem Foto ist sie da mit dem Dalai Lama zu sehen. Schon haben wir alle Pappnasen beisammen (in Bangkoks größter Buchhandlung Kinokinuya füllen TNHs Bücher drei Regale, die des DL ein halbes, manchmal stehen sie auch nebeneinander).     Wir bekommen eine Idee davon, was einige Zenlehrer daran fasziniert, Hospize zu betreiben und zu betreuen (in Japan beschweren sich Zenlehrer eher mal, dass man sie nur für die Toten braucht). In Buddhist Care for the Dying and Bereaved (Wisdom 2012) schreibt Halifax: "Wir nutzen [bei der Betreuung von Sterbenden] tonglen , die neun Kontemplationen des Atisha" und noch was von Lama Yeshe. Auch dess...

Achtsames Essen mit Jan Chozen Bays

"Ts'ao-shan ist frei, alles zu essen."  (Ts'ao-shan Pen-chi, 840-901) Kürzlich schrieb ich noch in einem Kommentar, mir würde langsam der Stoff für diesen Blog ausgehen, was gezielte Polemiken angeht, bzw. ich würde mich wiederholen. Auf der anderen Seite geschieht es immer wieder, dass ich, um Thesen zu überprüfen (z.B. bestimmte Lehrer brächten keine sie übertreffenden Schüler hervor [Peter Matthiessen hatte Bernie Glassman nicht nötig, sondern umgekehrt]), mich wal wieder an einigen "Roshis" entlang durchs Netz klicke.    Was macht z. B. Jan Chozen Bays , die Kinderärztin, authorisiert vom verstorbenen Alkoholiker Maezumi Roshi, der mehrfach verheiratet war und mit dem sie eine Affäre [Link geht nicht mehr, Januar 2019] gehabt haben soll? Sie lehrt achtsames Essen , und sie gilt auf dem Gebiet des sexuellen Missbrauchs als Expertin. Da steigt mir natürlich gleich ein diebisches Grinsen ins Gesicht, wird doch im Palikanon sexueller Missbrauch in e...

Zazen mit krummem Rücken ...

[Nachtrag zur letzten Buddhaland-"Affäre": "Defamation as a criminal act in Thailand is defined by the Thai Criminal Code as a statement made by a person who imputes anything to another in a manner which is likely to impair the reputation of the latter or to expose him to hatred or contempt. Under the same Code, such person is liable for an imprisonment up to two years or he can be ordered by the court to pay a fine of 200,000 Baht or may be both. (...) Under Section 423 of the said Code, any person liable under the same shall compensate the victim for any damages that the latter may suffered."] Got it? *** Diese Doku über das Eiheiji und seinen 104-jährigen Abt Miyazaki Ekiho Zenji lief kürzlich auf ARTE, die deutsche Version wurde auf Youtube leider gelöscht. Dort hörten wir die Worte: "Wenn dein Körper geradlinig ist, wird auch dein Geist geradlinig." Das ist witzig, denn nach über 90 Jahren Sitzmeditation hat sich der Körper des...

Kabat-Zinn, Goenka und die Irrtümer des Vipassana

Dass selbst Promovierte zu Flachheiten neigen, sobald sie Buddhismus populär vermitteln, zeigt sich auch beim "Blättern im (neuen) Buch" von Jon Kabat-Zinn. Der widerspricht sich gerne mal selbst, wenn er auf einem Kongress vor Kollegen die klassiche Zenweisheit zitiert, Meditation bringe einen nirgendwohin, in seinem Buch jedoch gleich zu Beginn betont, dass wir eine konkrete Zielvorstellung für die Meditation bräuchten. So etwas passiert, wenn man sich einen eigenen Brei zusammenrührt und die notwendigen Ingredienzen der Überlieferung vergisst. "Wenn du der Langeweile Aufmerksamkeit schenkst, wird sie ungeheuer interessant", meinte er einmal. Ich habe es mit seinem Buch probiert und kann dies nicht bestätigen.    Kabat-Zinn hat versucht, aus dem Buddhismus eine gesundheitsfördernde, stressreduzierende Meditationsmethode (MBSR) zu extrahieren, die man ohne die Bindung an eine Religion nutzen kann. Dabei bedient er sich vor allem bei der "Body Swe...

Was der Dalai Lama angeblich so meint

Aus aktuellem Anlass verschiebe ich die "Weisheiten von Zen-Meistern" (Teil II) auf später und verliere ein paar Worte über den Disput zwischen Matthias Steingass und Tenzin Peljor beim  Unbuddhisten.  Ich sehe mich dazu veranlasst, da Tenzin den Duktus von Matthias offensichtlich mit meinem vergleicht (warum er mich nicht namentlich nennt, weiß ich nicht, das wäre am einfachsten). Zunächst einmal: Matthias' Anfrage an karmagläubige Buddhisten, die das Leid von Menschen allein in deren Verantwortung (und gegebenenfalls Vorleben) begründet sehen, ist berechtigt. Ähnlich wurde hier auch schon gelästert, und das gilt sicher ebenso im Hinblick auf den Dalai Lama, insofern auch Tenzins Unterstellung stimmt, Matthias und ich hätten da was gemeinsam. Wenn wir das Leiden von Menschen verringern wollen, müssen wir auch Machtunterschiede eliminieren, wir müssen die Strafverfolgung unterstützen usf. Nun geht es Matthias schwerpunktmäßig eher um eine Gesellschafts- und Kapitalismusk...

Weisheiten von Zen-Meistern I: Hongren, Chinul und Ejô

"Erwache zunächst durch dich selbst, dann suche andere auf." Heute und nächste Woche fasse ich für mich interessante Erkenntnisse bekannter und weniger bekannter Zenmeister zusammen. Als Quelle diente u.a. Thomas Cleary (Hg.): Minding Mind. A course in basic meditation. (Boston 1995). Meister Hongren (602-675, fünfter Patriarch): "Erleuchtung wird verwirklicht, wenn man seinen Geist versteht. Verwirrung entsteht, wenn man den Kontakt zu seiner eigenen Natur verliert." "Den eigenen Geist zu verstehen ist der wahre Geist, so verschwinden irrige Vorstellungen. Wenn irrige Vorstellungen schwinden, wird man achtsam. Durch Achtsamkeit entsteht leidenschaftslose Wahrnehmung, und so erkennt man die Natur der Wirklichkeit. Dies bedeutet, Nirwana zu erlangen." "Weil sowohl das Selbst auch als Nirwana leer sind, gibt es keine zwei mehr, nicht einmal eins." "Eine Schrift spricht davon, in der Hölle zu sein bedeute, sich in eine...

Wie Jack Kornfield Ajahn Chah verrät

 "Nimm das Gute von dem, was dein Lehrer anbietet." (Ajahn Chah) Über die Kommentarfunktion meines vorletzten Beitrages wurde ich gefragt, was ich vom Vipassana-Lehrer Jack Kornfield halte. Ich gebe zu, mich bisher nicht weiter mit ihm beschäftigt, aber irgendwie im Hintergrund einen sympathischen Eindruck behalten zu haben, wann immer er mir unterkam. Das hat sich nun geändert.     Laut seiner Website besitzt Kornfield einen Doktortitel in klinischer Psychologie, was ihm ein hinreichendes Auskommen bescheren dürfte. Er vergisst auch nicht seine Zeit beim hoch angesehenen thailändischen Waldklostermönch Ajahn Chah (1918-1992; dessen Wiki-Eintrag ist wohl von Ajahn Sumedho verfasst) zu erwähnen. Über diesen publizierte Kornfield ein Interview , das uns einen guten Einblick in Ajahn Chahs Erkenntnistiefe gibt. Obwohl er die Mönchsdisziplin und ihre zahrleichen Regeln verteidigt, weist er immer wieder darauf hin, worum es tatsächlich geht und wo unsere Erwartun...

Vom Zen beeinflusste Künstler:
Christoph Peters und Jan Kollwitz

"Solange ihr von einem Japaner abhängt, wird euer Zen schwach bleiben."  "Ohne Aktivität gibt es kein Zen." "Es ist eine gute Zen-Übung, mit lauter Stimme den Klang von Tieren zu imitieren." ( Joshu Sasaki Roshi , im Jahre 1969) (verstorben am 27. Juli 2014 um 16:25 PST, als ich jenen Traum hatte, in dem ich einem Tier auf die Welt half ...) *** Heute möchte ich kurz und bündig auf einen Autor hinweisen, der mich in den 90er-Jahren vor einem meiner Flüge nach Südostasien auf dem Frankfurter Flughafen kontrolliert haben könnte (diesen Job hatte man mir vor Dekaden, als ich arbeitslos war und mein einziger Vorteil meine Englischkenntnisse, ebenfalls mal angeboten - aber ich wollte keine Uniform mehr tragen, was ich im Sicherheitsgewerbe während meines Studiums oft genug getan hatte). Christoph Peters (geb. 1966), der einst auf ein katholisches Internat ging und Malerei studierte, hat gleich mehrere Bücher mit Bezug zu Japan und in weiterem...

Ein Zen-Mönch hat kein Geld

"Je höher der Gipfel der Erleuchtung erklommen wurde, desto weiter wird die Aussicht auf die Möglichkeiten moralischen Handelns." Kaiten Nukariya, einst Professor der Sotoshu-Universität in Tokio, versucht in "The Religion of the Samurai: A Study of Zen Philosophy and Discipline in China and Japan" (1913) die Sonderstellung des Zen herauszuarbeiten. Dabei gelingen ihm neben etwas seltsamen Passagen auch ein paar interessante Abschnitte. So erzählt er von der aufrichtigen Armut des Zen-Lehrers Fu-gai. Der hatte einen für die Essenszuteilung verantwortlichen Schüler. Eines Tages bat dieser den Meister, keine weiteren Schüler mehr aufzunehmen, weil er sonst nur noch minderwertige Nahrung an die immer zahlreicher werdende Anhängerschaft verteilen könnte. Fu-gai streckte ihm die Zunge heraus und fragte: "Schau nun mal in meinen Mund und sag mir, ob da noch immer eine Zunge drin ist." Das bestätigte der Schüler, woraufhin Fu-gai meinte: "Dann mach d...

Juden nach Deutschland:
Eine Lösung für Palästina?

Wegen der jüngsten antisemitischen Ausschreitungen (die ein Teil der französischen Presse als gegen Juden UND Araber gerichtet ansah) ist der folgende Beitrag heikel. Anlass ist das überraschende Komplettzitat eines Ariel Sharon-Anhängers im Blog eines mir bekannten  Buddhisten . Den dortigen "Fünf Irrtümern über den Israel-Hamas-Konflikt" hielt ich Fabian Köhlers lesenswerte Analyse im  "Hintergrund"  entgegen. Mir selbst stellt sich die Sache so dar, dass nach einseitigen Zusagen der Briten (der damaligen Besatzermacht) schließlich im Jahre 1947 - mit Berufung auf das Völkerbundmandat und die UN-Resolution 181 (II) - einseitig der Staat Israel ausgerufen wurde. Statt das Gleiche mit einem Staat Palästina zu tun, entschlossen sich sechs arabische Staaten damals sofort zum Angriff. In besagter Resolution waren zahlenmäßig halb so vielen Juden wie Arabern mehr als 50 % des Landes zugesprochen werden. Die Araber besaßen zuvor 47 % des Landes. Knapp die Hälfte, vor al...

Tiere essen oder leben wie die Bishnoi?

"Oh, sie verwechselten Essen mit Geist, sie dachten, sie könnten sich zu besseren Menschen essen, ohne zu begreifen, dass essen eins ist, die Vorstellungen, die das Essen weckt, etwas anderes." (Karl-Ove Knausgaard: Lieben. btb 2013)  Auf ARTE sah ich kürzlich eine Doku über die kleine Gemeinschaft der  Bishnoi , die nach fünfhundert Jahre alten 29 Regeln  eines Guru lebt und nicht nur auf das Essen von Tieren verzichtet, sondern diese auch unter Einsatz des eigenen Lebens schützt. Ihre Naturverbundenheit dehnt sich sogar auf Planzen aus, das Fällen und Beschneiden von Bäumen ist untersagt und es sollen nur Kleiderfarben getragen werden, für deren Herstellung weder Tiere noch Pflanzen dran glauben müssen (von den genannten Regeln würde allerdings die gegen den Opium-Genuss vernachlässigt ...).                                           Zu dieser Ze...

Pico Iyer: Singende Nonnen und Hannya-Dämonen

Pico Iyer ist ein hierzulande noch zu wenig übersetzter, wohl etwas eitler englisch-indischstämmiger Autor vor allem von Reiseberichten. Er verfasste u.a. Bücher über den Dalai Lama (den er recht naiv darstellt) und Kuba. In The Lady and the Monk (Vintage 1992) beschreibt er detaillreich und vor allem mit präziser Wiedergabe und Analyse der Sprachbarrieren seine sich entwickelnde Beziehung zu einer verheirateten Japanerin. Wie der Titel schon andeutet, kam Iyer bei seinem Japanaufenthalt auch mit dem Zen in Berührung und traf einige andere Westler, die dort ihr Heil suchten. Ich erlaube mir, einige der interessantesten Erkenntnisse seiner Figuren ins Deutsche zu übertragen. "Professionelle Frauen waren lange als Daruma bekannt, weil sie wie die beinlosen Daruma-Puppen bei Berührung erst taumelten und dann zurückprallten. Und 'dunkle Weiden, leuchtende Blumen' - eine Zen-Metapher für die Buddha-Natur - war lange ein Euphemismus für die Vergnügungsviertel, wie ich .....

Die Zen-Übung nach dem Erwachen

Meister Munan (1603-1676): "Obwohl unsere Schule Erwachen (satori) als wesentlich ansieht, bedeutet dies nicht, dass du alles erledigt hast, sobald du erwacht bist. Es ist unabdingbar, dein Verhalten gemäß der Lehre zu kultivieren, um den Weg zu vollenden. 'Gemäß der Lehre' heißt, die Grundlagen deines Geistes zu verstehen. 'Verhalten kultivieren' heißt, Einsicht und Wissen zu nutzen, um Hindernisse eingefahrener Verhaltensweisen zu beseitigen. Darum hält man es auch für verhältnismäßig leicht, zum Weg zu erwachen, während das Umsetzen in die Praxis als enorm schwierig gilt. Bodhidharma sagte: 'Es gibt viele, die den Weg kennen, aber nur wenige, die ihn praktizieren.'" Hakuin (1685-1768): "Sich auf Zen konzentrieren schmeckt bitter wie eine gelbe Pflaume. Nichts ist ohne Anfang, doch nur wenige gelangen ans Ende. Zen ist nichts, womit man aufhört, wenn man es verstanden hat, oder was man wegwirft, sobald es verwirklicht wurde. Je meh...

Warum so viele Kambodschaner aus Thailand flohen

Die fluchtartige Rückkehr von über 200.000 Kambodschanern in ihr Heimatland dürfte eine komplexere Ursache haben als die bloße Furcht vor harschen Maßnahmen der thailändischen Militärregierung gegen illegale Einwanderer. Dafür spricht zum einen, dass auch viele legale Einwanderer das Land verlassen haben, zum anderen, dass es keine Massenflucht von Arbeitern aus Myanmar und Laos gab, die unter den gleichen unterschiedlichen Voraussetzungen (mal mit, mal ohne Pass) in Thailand arbeiten. Es ist ja bekannt, dass der kambodschanische Premier mit dem im Nachbarland geschassten Thaksin Shinawatra befreundet ist, und leicht kann man sich ausmalen, wie die beiden einen Plan ausheckten, die momentane Thai-Regierung zu destabilisieren und in Misskredit zu bringen. Dazu wurde zum einen das Gerücht gezielt gestreut, dass Einwanderer misshandelt oder gar ermordet worden seien (damit auch die Legalen Angst bekämen), zum anderen ging etwa unter den Illegalen die Mär um, wer nach dem 25. Juni nach Ka...