Mittwoch, 17. September 2014

Sterben mit Kikifax Roshi

Kürzlich erwiderte ich eine Kritik in einem Kommentar, es gäbe eben kaum Zenlehrer im Westen, die nicht von anderen Traditionen beeinflusst oder verwirrt worden seien. Sogleich stieß ich auf ein Beispiel: Joan Halifax. In ihrem Wiki-Eintrag werden als "Vorgänger" Bernhard Glassman und Thich Nhat Hanh genannt, als Lehrer Seung Sahn. Auf dem Foto ist sie da mit dem Dalai Lama zu sehen. Schon haben wir alle Pappnasen beisammen (in Bangkoks größter Buchhandlung Kinokinuya füllen TNHs Bücher drei Regale, die des DL ein halbes, manchmal stehen sie auch nebeneinander). 
   Wir bekommen eine Idee davon, was einige Zenlehrer daran fasziniert, Hospize zu betreiben und zu betreuen (in Japan beschweren sich Zenlehrer eher mal, dass man sie nur für die Toten braucht). In Buddhist Care for the Dying and Bereaved (Wisdom 2012) schreibt Halifax: "Wir nutzen [bei der Betreuung von Sterbenden] tonglen, die neun Kontemplationen des Atisha" und noch was von Lama Yeshe. Auch dessen Wiki-Eintrag ist aufschlussreich, wird dort doch nicht nur von einer "celibate marriage" im Sinne einer Scheinehe gesprochen, die er eingegangen sein soll, um mit australischem Pass nach Tibet reisen zu können (haha, wie unauffällig!), nein, er habe auch nach seinem Studium den Geshe-Titel abgelehnt. Da fällt mir ein, was bitteschön in meinem Wiki-Eintrag einmal stehen sollte, dass ich nämlich stets meine farbigen Gürtel nach den Kampfkunst-Prüfungen ablehnte und mir vor zwei Monaten dann doch ehrenhalber ein falscher schwarzer (Leder-)Gürtel in einem Touristenneppladen verliehen wurde (den ich freilich wegen seiner zahlreichen Löcher schätze, da ich unter Gewichtsschwankungen leide). 
   Was aber nun den Yeshe von mir unterscheidet ist, dass er sich bereits - vom Dalai Lama bestätigt - bei Bekannten reinkarnierte (ich denke noch drüber nach, wen ich damit mal belasten werde), nämlich als Tenzin (D)Ösel der Eheleute Hita-Torres, beide natürlich ehemalige Schüler des Yeshe, was schließlich jedoch zu deren Scheidung beitrug (so ist das mit den guten Absichten). Als Senor Hita, nach abgebrochener Geshe-Ausbildung (wohl ein Hinweis auf seine Vorexistenz), nach Spanien zurückgekehrt, gab er kritische Kommentare dazu ab, als Kind aus seinem Elternhaus auf den Thron einer fremden Kultur verpflanzt worden zu sein. BBC Radio porträtierte ihn. Unten ist ein missratener Film zu sehen, den er selbst drehte.
   Doch zurück zu Joan Halifax. Man verstehe mich nicht gleich wieder falsch, ich sehe in ihrem TED-Auftritt das emotionale Ringen um eine "Wahrheit". Doch kann die im Zen nicht so aussehen: "Mitempfinden (compassion) hat Feinde, zum Beispiel Mitleid, moralische Entrüstung und Furcht." Dies nennt man "in Dualismen denken". Und man kommt, außer bei TNH, nicht davon, wenn man so daherschwurbelt: "Wir sollten unsere Gesundheitsdienstleister in Mitempfinden ausbilden, damit sie das tun, wozu sie da sind, nämlich das Leiden transformieren (sic!)." Wir sollten unsere Zenlehrer eher zum Erwachen bringen, damit sie das tun, wozu sie da sind, nämlich eine klare Sprache pflegen und die Dinge so erkennen, wie sie sind. Wenn nämlich, wie Halifax meint, in uns allen das Mitempfinden weile, dann wissen wir doch angesichts solcher Burschen, wie sie gerade einem Journalisten namens James Foley den Kopf abschnitten, dass es sich dabei um eine äußerst selektive Eigenschaft handeln kann. Und die ist nun mal nicht der Weisheit letzter Schluss. Witziger hat Robert Thurman, Ex-Mönch, Sanskrit-Gelehrter, Vater von Uma und DL-Schüler, auf der gleichen Plattform übers Mitempfinden geplaudert, kam jedoch zu ähnlich irrsinnigen Trugschlüssen, etwa dem, der Dalai Lama würde jeden Schlag auf den Kopf einer Nonne in einem chinesischen Gefängnis spüren, und Mitempfinden bedeute, zu fühlen, was andere fühlen. (Obwohl, wenn ich es mir recht überlege, könnte das mit den Schlägen so einiges erklären ...)
   Halifax hat übrigens einen Doktortitel. Die Frage ist, ob sie nicht weniger durch das anthropologische Studium des Sterbens in verschiedenen Kulturen als durch die LSD-Experimente ihres Ex-Ehemannes Stanislav Grof beeinflusst wurde, aus denen sie schon in den 70er-Jahren auf Wiedergeburtserlebnisse schloss. Was kommt jedenfalls heraus, wenn man sich von all denen eine Scheibe abschneidet, von denen dieser Blog als Lehrer abrät? Eben.

Womit ich noch eine Anekdote aus einem gelöschten Kommentar nachschieben möchte, weil sie zu schade ist, in dessen Versenkung zu verschwinden. Als ich gerade der dreijährigen Tochter eines Freudenmädchens das Fahrradfahren beizubringen suchte und sie das Rädchen über eine kleine Regenfurche heben musste, ermutigte ich sie, statt auf meine Hilfe zu bauen, dies selbst zu tun. Als sie es geschafft hatte, zeigte ich ihr zufrieden meinen erhobenen Daumen. Es war einen Tag vor ihrer und der schwangeren Mutter Abreise zu einer christlichen Hilfsorganisation, die sie die nächste Zeit betreuen sollte. Da zeigte mir das kleine Kind plötzlich kommentarlos eine Mudra (Daumen berührt Mittelfinger). Wie ich so darüber nachdachte, kam ich zum Schluss, dass es sich bei ihr um die Reinkarnation von Kodo Sawaki handeln muss, denn wie er (als Kind) hat sie ein ansonsten recht ungehöriges Benehmen. Am folgenden Tag legte ich ihr also testweise ein Sawaki-Buch (auf Deutsch), einen Manga (thailändisch), einen Nasenpopel, eine Rolle Menthos, einen Chupa Chups-Lutscher und eine Schachtel Zigaretten vor die Nase. Und siehe da, sie schnappte sich das Sawaki-Buch!

1 Kommentar:

  1. Namaste!

    Na dann würde ich das Mädchen jetzt mal schleunigst nach Antaiji schicken, damit es dort den Einstieg ins Sôtô-Zen bekommt, um dann später dieses Kloster oder gleich Sôjiji oder Eiheiji übernehmen zu können.

    Wäre doch gelacht, wenn man das Tulku-tum nicht auch in Japan einführen könnte.

    Die japanischen Sôtô-Zenler wären sicherlich begeistert, wenn ein Deutscher ihnen seine Reinkarnation ihres künftigen Oberhaupts präsentieren würde.

    Aber man bedenke: "Nichts ist unmöglich!"

    Dann mal "Glück auf"!

    < gasshô >

    Benkei

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