Mittwoch, 24. September 2014

Todesschwadronieren mit Ole Nydahl

Die Zugriffe auf meine wenigen Beiträge zu Ole Nydahl haben zugenommen. In den letzten Jahren hatte man auf meine Kritik offenkundig u. a. mit einer Satzungsänderung und dem Löschen eines Videos reagiert, siehe hier und hier. Da nehme ich ihn doch einfach noch mal ganz aktuell auseinander. (Beeilt Euch, bevor die Belege wieder gelöscht, verändert oder manipuliert werden!) Zuerst dachte ich, der Ole Nydahl hätte hier im 2. Video gesagt, er danke seinen Eltern dafür, dass sie ihm ein paar gute Jeans gegeben hätten. Aber nein, er sagte: "Genes" (Gene). Er meint, da er schnelle Motorräder fahre und Fallschirm springe würde er kein bewusstes Interesse an einem langen Leben haben. Er würde "so viele gute Eindrücke in diesem Leben zu sammeln suchen", dass er im nächsten "die Kraft habe, mehr Wesen zu nutzen".

Hier ist natürlich ein Widerspruch. Da der Ole gerade noch eingestanden hat, sein Leben mit eher risikoreichen Betätigungen zu gefährden, kann es ihm folglich nicht zuallererst darum gehen, möglichst viele gute Ursachen zu akkumulieren, denn das bedingt ja den Faktor Zeit. Jedenfalls glaubt er tatsächlich nach Dumpfbackenart, dieses "Gute" (das nach regelmäßiger Meinung seiner Jünger wie auch ständig wiederholten Aussagen von ihm selbst offenbar vor allem darin besteht, weltweit zu missionieren) sei die Voraussetzung für eine konkrete neue Existenz, in der "er" ("I") sich selbst dann noch im Missionseifer toppen könnte. Dies ist also offenbar die Verständnisebene des Ole Nydahl: Da ich ansammle, werde ich folglich wiedergeboren (also dem Kreislauf nicht entrinnen und weiter in Samsara gefangen sein). Herzlichen Glückwunsch! Genau dazu rät er übrigens auch im 1. Video, nämlich Eindrücke bewusst im Geist zu verankern, damit sie sich im nächsten Leben verwirklichen. Im Palikanon hingegen wird uns schon gelehrt, dass wir uns von solchen geistigen Verklebungen besser befreien sollten.

Der Ole ist in Wirklichkeit ein Komiker. Ab etwa Min. 0:45 des 1. Videos erzählt er, wie vielen Leuten er ein Loch in den Kopf machte (rein gedanklich natürlich), fragt dann in die Runde, wie viele der Zuhörer ein solches Loch im Schädel hätten, und wow, da gehen aber die Finger hoch! Ich habe übrigens gleich mehrere, durch die ich z.B. atme und fresse. Doch durchs Oles Loch kommt nix rein, es geht was raus, nämlich der Geist. Auch zu dieser Erkenntnis: Herzlichen Glückwunsch!

Eine kleine Randbemerkung noch zum vom Lama zitieren Kardiologen Pim van Lommel, der zwar zum Nahtod schrieb, aber über Leute, die einen Herzstillstand hatten und nicht solche, die hirntot waren: Als ich meine eigene Nahtod-Erfahrung machte (oder das, was ich dafür halte), sah ich mich auch von oben, und seitdem weiß ich, wie blöd das aus dieser Perspektive aussieht, wenn sich das Übergewicht in einem Bäuchlein wie bei einer Schwangeren sammelt. Und ich hatte womöglich nicht mal einen Herzstillstand, aber eine Überdosis Drogen in mein Lassi-Yoghurt gemischt bekommen (um mich auszuschalten). Mit uns allen ist es das Gleiche - wir waren nicht tot und können darum nichts über den Tod aussagen.

In diesem Video hält der Ole die tibetische Lehre vom Sterben für die tollste und begrüßt Meditationen, mit denen man sich darauf vorbereiten kann. Allerdings glaubt er das selbst nicht, wie man daran erkennt, dass er bei seiner Rede permanent den Kopf schüttelt. Beim Ole ist es also wohl derart, dass er die Leute zumindest nicht immer veralbert, sondern sich selbst an der Nase herumführt. Er merkt nicht, dass er gar nicht glaubt, was er sagt! Hierzu mein metta!

Ebenfalls aus dem vergangenen Jahr stammt dieser Ausschnitt über eine Phowa-Veranstaltung. Hier meint der Ole, wir wüssten nicht, wann wir stürben, also: "Prepare!" (Bereitet euch vor!). Mein Standardeinwurf ist hier: Wieso sollte man sich auf etwas vorbereiten, von dem man nicht mal weiß, wann es eintritt, geschweige denn, dass es sich wiederholt, mit anderen Worten, von dem man nicht wissen kann, wie es ist und folglich auch nicht, wie man sich vorzubereiten hat? Man nehme einfach mal an, man müsste ein einziges Mal im Leben den Pilotenschein machen, wüsste aber nicht, wann der Prüfungstermin ist, nur dass man auf jeden Fall danach tödlich abstürzt. Palim-Palim! Aber halt, nach Ole geht die Vorbereitungsübung so (ab Min. 0:35): Ein weißes Licht geht von der Fontanelle runter in den Körper, und ratet mal, wo das herkommt? Richtig, vom Sperma unserer Väter! (Und ich hielt das bis heute noch für Schuppen!) Aber es wird noch besser. Wenn einer tot ist, aber nicht genug meditiert hat, dann übermanne ihn das "immens klare Licht" und er werde für 3 Tage und Nächte (!) bewusstlos (!!). Danach kämen die "unterbewussten Unterdrückungen" (subconscious suppressions) hoch (!!!). Nach 10 Tagen merke aber auch er, dass er wirklich tot ist und trete hernach ins "Bardo" ein.

Herrjeh, hört dass denn nie auf - Tag und Nacht, Bewusstlosigkeit, Unterbewusstsein, Zeit? Wenn man nach der Ole-Methode stirbt, sollte man wirklich eine Uhr dabei haben! Übrigens sehen wir hier, dass er sich das alles angelesen hat und ein bisschen durcheinanderbringt, denn dieses spezielle (Tschönyi-)Bardo  dauert der Überlieferung nach symbolische 14 Tage an. Auch die Zustände davor sind eine andere Art von Bardo (Gegebenheiten des Geistes), sowohl nach dem Tibetischen Totenbuch wie auch nach Naropa.

So kann das nicht weitergehen! Ich rufe hiermit zu einer neuen Ice Bucket Challenge auf, und zwar soll jeder, der mitmacht, einen Beitrag zur Wurzellama-Behandlung spenden. Hier sind die drei, die ich nominiere: Dalai Lama, Dschihadi Hadschi und SoLa Aoi (Samenspende okay).


(Foto: Keller, aufgenommen mit Kindle Fire)

Kommentare:

  1. Namaste!

    Die Annahme, "da ich ansammle, werde ich wiedergeboren" passt nach meiner Empfindung doch wunderbar ins Tulku-System hinein.

    Traditionell entsteht nach tibetischer Vorstellung doch ein "Wiedererkanner Tulku" dadurch, dass er in seinem früheren Leben spezielle Wünsche verstärkt hat, den Menschen einer bestimmten Region weiterhin dienen zu können. (Indem er z. B. wieder als künftiger Abt des Klosters wiedergeboren wird.)

    Wieso sollte das nicht auch bei LON funktionieren, wenn er wünscherisch seinen Missionsdrang im Diamantweg-Buddhimsus weiterhin kultiviert?

    Nach Zen-Verständnis sind derartige Wünsche natürlich Mumpitz.
    Wo "weder Neigung noch Abneigung" herrscht, da ist kein Platz für irgendwelches Wollen und Werden oder gar Werdenwollen.

    < gasshô >

    Benkei

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Lieber Guido,

      Du vermischst in Deinen Posts Kritik am allgemeinen Vajrayana mit Kritik an Lama Ole Nydahl. Geschieht das bewusst?

      LG
      AN (Klarname leider aus beruflichen Gründen nicht möglich)

      Löschen
  2. Vajrayana wird auch anders verstanden, daher meine Quellenhinweise.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, aber der eigentliche Kern der Belehrung ist, dass das klare Licht nicht als solches erkannt wird und nicht, wie viele Tage dann was dauert. Du würdest doch die 14 Tage von Naropa und aus dem Bardo Thödral genauso kritisieren, wie Lama Ole Nydahls 10 Tage, oder nicht?
      Das wäre dann nämlich eine personalisierte Kritik, die im Kern eine allgemeine Kritik am Vajrayana ist.
      Ein anderer Ansatz wäre eine Kritik an der Präsentation des Vajrayana (und insbesondere des Phowa) durch Lama Ole Nydahl. Das ist ein Unterschied, der im Post für mich nicht klar wird. Ich praktiziere selbst Vajrayana und finde diesen Punkt wichtig.

      Vieles, was die bekannten tibetischen Lamas erzählen, hat im Übrigen weder mit Buddha-Dharma (dort wird An-Atman und nicht irgendeine eternalistische, persönliche "Bewusstseinsessenz" gelehrt) noch mit Vajrayana, wie er in den Tantras präsentiert wird, etwas zu tun. Wenn Du Dich da mal vertiefen willst, empfehle ich Dzongar Khyentses Belehrungen als google-Objekt.

      Grüße
      AN

      Löschen
  3. Ich kritisiere Nydahl, weil er in meinen Ohren immer wieder halbgares Zeug von sich gibt und Leute eher verwirrt. Dann kritisiere ich inhaltlich auch vieles im Buddhismus.

    Dzongar Khyentse kenne ich durch einen Film und ein Buch (was Bhutan und seinen Buddhismus angeht, so habe ich dazu schon einen kleinen Seitenhieb verfasst, der in ein paar Wochen erscheint). Er ist ja auch einer, der als "Reinkarnierter" erkannt wurde, und was ich davon halte, dürfte klar sein. Vielleicht hatte er mit Dilgo Khyentse einen der interessanteren Lehrer. Sein weit verzweigtes System von Hilfsorganisationen macht mich jedoch stutzig. Es wäre wohl besser, er würde sich auf sein Künstlertum konzentrieren.

    Man schaue sich etwa dieses Foto mit ihm an: http://www.siddharthasintent.org/teachings/teaching-schedule-of-dzongsar-khyentse-rinpoche/ushnishavijaya-drupcho/view/2014-12-31

    Uff, da ist ja noch mehr, köstlich, danke für den Hinweis. Der Khyentse hat auch ein Rad ab: "For example, you could take a vow that you will never go to McDonalds ..."

    AntwortenLöschen
  4. Meister Hsüeh-feng I-tsun fragte einen Mönch, woher er kam. "Vom Berg des Spirituellen Lichts", war die Antwort. Darauf meinte der Meister: "Am Tag haben wir Sonnenlicht, am Abend Kerzenlicht. Was ist das spirituelle Licht?" Der Mönch wusste keine Antwort. Da antwortete der Meister für ihn: "Sonnenlicht, Kerzenlicht."

    AntwortenLöschen
  5. Sicher könnte man genauer rausarbeiten, was allgemeinbuddh. Unsinn ist (z.B. Verdienstansammlung - obwohl es schon beeindruckend ist, das Ole glaubt positives Karma angesammelt zu haben), was Vajrayana-Unsinn ist (das Skandas den Tod überdauern - also diese Bardo-Geschichte - die viel mehr Bön ist als Buddhismus - vielleicht mal abgesehen von dem "Erkenne alles was erscheint als Geistprojektionen (also als Mindfuck)) und was Ole-Bullshit ist. Aber in ihm kommt es ja alles zusammen. Vor allem klingt es bei ihm immer sehr nach persönlicher Wiedergeburt.

    Man macht das alles so unglaublich kompliziert. IMHO kann es keine Vorbereitung (auf was auch immer - letzlich immer aufs Jetzt) geben.Meiner Meinung reicht das "Wenn du stirbst, dann stirb einfach" des Zen und Shin völlig aus.

    AntwortenLöschen
  6. Wie ich gerade sah, hab ich mich diesem oben im Kommentar erwähnten Khyentse schon am 19.10.2010 ausgiebig hier im Blog gewidmet. Er scheint einiges mit dem Ole gemeinsam zu haben.

    AntwortenLöschen
  7. Hi

    Danke für den positiv zerstörerischen Blog ;-)

    Ich war am Anfang auch kurz im Diamantweg unterwegs. Hatte mir vorher einiges angelesen und eine zeitlang meditiert. Dann wollte ich mal ein Zentrum besuchen, da ist der Diamantweg ja ganz weit vorne, in meiner Gegend gibts nichts an Buddhismus was nicht ausschließlich aus dieser Linie kommt. Man will sich ja auch mal mit anderen Praktizierenden austauschen. Also bin ich hin.

    Beim ersten Gruppenbesuch wurde ich (bis dato nur Anapanasati praktiziert und PK gelesen) bereits mit "Guruyoga konfrontiert, die wohl immer und in allen Zentren gelehrt wird. Dabei sollte man auf die erleuchteten Eigenschaften eines dicken Mannes mit schwarzer Krone meditieren. 3 Lichter visualisieren die Eigenschaften in sich aufnehmen und -zack!- ruht man in offenem Gewahrsein und nimmt die Eigenschaften des Dicken auf.
    Ich habe es versucht, aber jede Zelle meines Körpers hat geschrien: "Nein, Nein! Was soll das?!". Fazit: Ich habe mich etwas gesammelt gefühlt was aber bei jeder Form von anderer Konzentration auf etwas auch der Fall gewesen wäre.
    Auch immer diese Antworten, als ob Ole ein verdammter Prophet wäre. Achja und ehrenamtliche Arbeit im Zentrum um gutes Karma anzuhäufen, Verdienst anzusammeln wie immer man es dort nennt.

    Was ich allerdings auch sagen muss ist, dass von den 6 Yoga Naropa Geschichten zumindest die Traumtechnik funktionieren wird, natürlich abgesehen von dem religiösen Kontext in den sie geworfen wird. Zu Klarträumen gibt es massig Infos und ich kann aus eigener Erfahrung sagen dass es erreichbar ist.

    Ansonsten sehe ich das Ganze ähnlich, diese ganzen Tulku, Rinpoche Geschichten machen für mich einfach überhaupt keinen Sinn, ich bin da eher realistisch und logisch veranlagt, ich KANN sowas nicht glauben oder ernstnehmen. Ich konnte es nicht bei einem Segen in einer Kirche und ich kann es genauso wenig bei einem Segen in einem Zentrum.

    Im Zen empfinde ich das Lehrer-Schüler Verhältnis noch als logisch, im tib. Buddh. wäre es das auch noch wenn der Lehrer als Berater fungieren würde. Aber mal ernsthaft: geheime Einweihungen, Segen... Das ist für mich einfach weit entfernt vom Ursprung.

    Mittlerweile meditiere ich wieder alleine Zuhause, das ist mir lieber als der Diamantweg.
    Jeder der dem was abgewinnen kann, der sich aus der Lehre was mitnimmt und dessen Leben es qualitativ verbessert dem sei es aber absolut gegönnt.

    Ich halte es da eher mit den Worten eines mir unbekannten YouTube Kommentators der unter ein Nydahl Video schrieb:

    "Wann immer jemand von sich selbst behauptet er sei ein Lama, renn weg so schnell du nur kannst."

    Grüße aus dem Norden

    AntwortenLöschen

Das Sichten und Freischalten der Kommentare kann dauern.