Dienstag, 31. Mai 2011

Warum es keinen Dachverband für alle buddhistischen Traditionen geben sollte

Sogen hat in seinem Blog eine überzeugende Argumentation gegen die "Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechtes" der DBU (Deutsche Buddhistische Union) vorgelegt. Offenbar stand er mit dieser Meinung bisher in deren Reihen eher allein da, seine kürzliche Ernennung zum Ratsmitglied wird ihm hoffentlich die Möglichkeit eröffnen, andere vom Kurs des "Stimmenfangs" in dieser Angelegenheit abzubringen. Ich schrieb in seine Kommentarfunktion und möchte das dort Gesagte in einem zweiten Absatz weiter ausführen:

Ich habe bei der Vorstellung der "öffentlich-rechtlichen Anerkennung" noch eine andere Sorge: Wer wird da anerkannt, also wer repräsentiert dann "den" Buddhismus in Deutschland? Es liegt nahe, der DBU eine führende Rolle anzudenken, und da wird mir persönlich bange. Unter dem Dach der DBU tummeln sich Gruppen, deren Weltanschauung durchaus eher der von nicht-kirchlichen Sekten gleicht, die in meinen Augen also den "common sense" verlassen und extrem sind (zugegeben, manch einer denkt so auch vom Papst). Es geht mir also um das zu erwartende Niveau einer "buddhistischen Kirche", die sich bei genauem Hinsehen als viel weniger homogen als Protestantismus und Katholizismus erweist, oder genauer, eigentlich wie das Christentum erst mal differenzieren müsste, statt auf (künstliche) Einheit zu machen. Für mich bedeutet dies, dass z.B. Theravada-, tibetische und Zen-Tradition ihren je eigenen Status anstreben müssten, wenn überhaupt. Mit dem Versuch, die erforderliche Anzahl von Unterstützern für die Anerkennung zu erhalten, werden diese Unterschiede verwischt, die früher oder später doch wieder in den Vordergrund treten würden.

Ich möchte hier noch einmal auf ein paar signifikante Unterschiede zwischen den buddhistischen Traditionen hinweisen, die m. E. größer sind als die zwischen vergleichbar wesentlichen Lehrinhalten der etablierten christlichen Kirchen:

- Bodhisattva- vs. Bhikkhu-Ideal
- Buchstäblicher Wiedergeburtsglaube vs. Wiedergeburt als Metapher
- Palikanon vs. Mahayana-Kanon
- Demystifierzung (Zen) vs. Mystifizierung (Tibet)
- Hierarchie ("Übertragung" etc.) vs. Laienbuddhismus
- Zölibat vs. verantwortlich gelebte Sexualität
- Betteln vs. Selbstversorgung ...

Kommentare:

  1. Namaste!

    Kann dem nur beipflichten.
    Aus meiner Sicht würde die Umformung des Dachverbands in eine Kirche zwangsläufig dazu führen, dass quasi eine neue Tradition auf Basis von faulen Kompromissen entstehen würde.

    Die Vielfalt der einzelnen Traditionen und die damit einhergehende Möglichkeit, dass jeder der Tradition folgen kann, die seinen Neigungen und Fähigkeiten entspricht, würde in einem vereinheitlichtem "Brei" untergehen.

    Darüber hinaus würden Vereine und Gruppen, die diesen Schritt dann nicht mitgehen wollen, von Außen den Stempel von Sekten erhalten; hier die "Buddhistische Kirche Deutschlands" dort die anderen "Sekten".

    Bleiben wir doch lieber in unseren jeweiligen Traditionen verhaftet aber im Dialog und Austausch mit den anderen Traditionen.

    "Ratschläge an den Koch":
    Warum einen Einheitsbrei kochen der garantiert nicht jedem schmecken wird, als weiterhin verschiedene Gerichte anzubieten?

    < gasshô >

    Benkei

    AntwortenLöschen
  2. Danke für diesen Beitrag.
    Positiv-Kritik ist möglicherweise an dieser Stelle wichtig.

    Bei dem letzten Beitrag kommt einem nämlich das Kotzen... mit dem Beitrag hättest du dich auch als Redenschreiber bei der NPD bewerben können.

    Und öffne mal deine Augen, vielleicht siehst du dann auch irgendwann mal, dass in vielen muslimischen Gesellschaften die vernünftigen Leute ihre Kinder ähnlich erziehen wie du es in dem Beispiel mit der Japanerin schreibst.

    Das Element "benehmt euch, sonst könnten die Nachbarn was schlechtes denken", spielt in der Erziehung dort meist eine grössere Rolle als in Deutschland. Hier bei uns ist die individuelle Freiheit meist ein sehr wichtiges Gut, auch wenn sie dann erstmal die Nachbarn stört...und dann braucht man Gesetze um das Zusammenleben zu regeln. Und manchmal kann dann halt auch Murks bei solchen Gesetzen rauskommen.

    Und noch eins zu "benehmt euch, sonst könnten die Nachbarn was schlechtes denken":

    Ich versetze mich jetzt mal in die Lage von deinen muslimischen Nachbarn: Wenn ich wüsste, dass du, mein lieber deutscher Nachbar, so über mich denkst (wie du hier schreibst), dann wäre mir ab nem gewissen Punkt dein Respekt scheissegal. Dann würde ich meinen Kindern eben nicht mehr sagen, dass sie bitte auf die Nachbarn Rücksicht nehmen sollen. Denn die Nachbarn werden uns sowieso nie als vollwertige Mitglieder dieser Gesellschaft willkommenheissen...
    Und vor allem würde es mir gegen den Strich gehen was du schreibst, wenn ich zu jenen gehören würde, die sehr wohl mit oben genanntem Element (was du bisher nur bei Japanern wiederfindest) ihre Kinder erziehen.

    Noch nen schönen Tag.

    AntwortenLöschen
  3. Eigentlich gehen Bemerkungen wie die zur NPD zu weit und ich müsste solche Kommentare löschen, aber dieser Beitrag, natürlich wieder anonym, leitet gut zu einem weiteren meinerseits über, den ich noch heute Nacht verfassen will und der deine - weit verbreitete - Wahrnehmungsverengung ein bisschen spiegeln wird. Ich prophezeie schon jetzt, dass du ihn wieder nur so wahrnehmen kannst wie eben, dass er deinen Nazi-Fantasien noch Nahrung geben wird.

    Natürlich war es umgekehrt. Was ist einem Buddhisten bewusster als Ursache und Wirkung? In meinem sozialen Umfeld ist meine - und nicht nur meine - Kritik (und Projekte zur Beruhigung der Nachbarschaft) die Wirkung. Die Störer sind stets die URSACHE. Da gibt es nichts zu verdrehen. Einige dieser Störer habe ich mal ganz nett willkommen geheißen. Gebracht hat es nicht viel. Ich habe auch gehört: "Wir Muslime kümmern uns bis zum siebten Nachbarn", sinngemäß aus dem Koran wiedergegeben. Diese Ankündigung war für etwa drei Tage gut, dann ging's weiter wie vorher. Hilfreicher sind Mietminderungen, Polizei, Selbsthilfe.

    Was Du ansonsten schreibst, stimmt durchaus. Ich habe jahrelang als Student die Kinder von Iranern unterrichtet, die gebildet waren und zumindest zum "Bürgertum" unter dem Schah gehörten. Das waren ganz angenehme Menschen. Es wird dazu wohl nie eine Statistik geben, aber ich denke, die sind als Muslime sowohl in muslimischen Ländern wie auch hier in der Minderheit. Wenn sie von jemandem missachtet würden (Ursache), müssten sie das mit genau diesem Jemand ausmachen (Wirkung), nicht mit anderen (denn das bedeutet, eine andere Ursache zu schaffen).

    AntwortenLöschen
  4. Es gab mal einen klugen Franzosen, der hieß Bastiat. Der hatte einen klugen Gedanken geäußert: "Der Staat. Das ist die Illusion von jederman auf Kosten jedermans leben zu können" Die Amtskirchen haben es vorgemacht, wie sehr sich vom Staat profitieren lässt. Jetzt wird versucht, Muslime auf denselben Status zu hieven. Dann will der DBU auch nicht verzichten. Kommen die Hindus auch mit ins Boot? Sicher. Was ist mit weiteren Religionen? Ja oder nein ? Und schwupps, braucht es ein Ministerium für religiöse Fragen. Der staatliche Wasserkopf der Verwaltung wird immer größer. Auch für den Einzug einer Buddha-Steuer werden weiter Finanzbeamte benötigt. Dann muß der Staat für den Erhalt von historisch wertvollen Stupas zahlen. Oder man fordert Geld für ein zentrales Vesakh-Fest, das jedes Jahr in einer anderen Stadt stattfindet (analog zum Kirchentag). usw.
    Ich glaube, es gibt nur eine Alternative: Laizismus! Der Staat hat sich nicht in religiöses einzumischen und die Religion hat sich aus dem Staat rauszuhalten. Wegen mir könnte man in jeder Stadt eine Straße mit Baugrundstücken bereeitstellen, wo sich alle Tempel aufreihen. Aberbitte nicht auf Staatskosten.

    AntwortenLöschen
  5. Ich gehe von zwei Behauptungen aus:

    (1) "In einer kapitalistischen Gesellschaft regiert Geld alles und es ist offenkundig unmöglich, eine Organisation zu gründen, in der die geistlichen Leute an der Spitze stehen... (Edward Conze)
    http://www.payer.de/neobuddhismus/neobud0101.htm

    (2)Über den Buddhismus soll "...der "große Spagat" als Brücke zwischen Asien und Europa" unternommen werden.

    (Christa Bentenrieder, zehn Jahre lang Leitung der Geschäftsstelle der DBU und mit der Leitung der Theravada-AG der DBU eine treibende Kraft bei der Initiative zur KdöR)
    http://www.wat-lao.org/Bibliothek/index-Ayya%20Agganyani.html

    Ich halte beide Aussagen für wahr, und ich sehe die Verbindung von beidem in der DBU.

    Gundula

    AntwortenLöschen

Das Sichten und Freischalten der Kommentare kann dauern.