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Warum Buddhisten keine Vegetarier sein müssen

Ein Leser fragte mich neulich, warum ich - bei meiner Empathie für Menschenaffen - so spitz auf buddhistische Vegetarier reagiere. Ich nehme das zum Anlass, meine Position ausführlicher als vor ein paar Jahren darzustellen.    Zunächst geht es mir nicht um gesundheitliche oder ökologische Aspekte, wie ich hier schon einmal schrieb. Auch ich senke meinen Cholesterinspiegel, wenn ich auf tierische Produkte verzichte, beanspruche weniger Anbaufläche und verursache weniger CO2-Ausstoß, sollten meine Nahrungsmittel überwiegend vegetarisch sein. Mir geht es allein um die unzureichende ethische Begründung von Buddhisten, und ich ergänze noch, die mangelnde Logik prominenter Philosophen wie Peter Singer . Ich will darstellen, warum gerade der Buddhismus sich eignet, die verzerrte Sicht aufs Leiden zu korrigieren. 1) Es gibt eine Regel, kein Leben zu nehmen. Im Ordenskodex für Mönche wird klar, dass menschliches Leben über tierischem steht. Ein weiterer Hinweis sind die Essensv...

Was macht eigentlich Thay, der ehemalige Thich Thien Son?

Das Gleiche wie vorher. Wozu offensichtlich auch Scheiße verzählen gehört. Auf das vormals weiße Outfit wird jetzt aber schon gern mal eine braune Weste gezogen, damit es mönchischer wirkt. Offenbar steht der vermeintlich entrobte Thay immer noch über den anderen Ordinierten, wie dieses Foto nahelegt. Und schließlich wollen die alt bekannten durchnummerierten Zen-Kurse und Module (Motto aus einer Kursbeschreibung: "es gibt Fehler, in die wir immer wieder hineintappen" ...) gut verkauft sein. An seiner Seite werkelt auf oder vielmehr in "Buddhas Weg" weiterhin Bhante Punnaratana. Als ich mal guckte, wer denn sonst noch so mitmischt, fiel mir Hyon Gak Sunim (Paul Muenzen) ins Auge, ein komischer Vogel, den ich bereits vor Jahren hier mal kritisch beäugt hatte. Der baut sich offenbar zudem gerade ein Zentrum in Regensburg auf. In einer vollmundigen (Selbst)Beschreibung [Link funktioniert nicht mehr, Jan. 2019] heißt es von ihm, er sei "als erster Westlicher seit...

Effektiver Altruismus - und
Kôdô Sawaki über Spendenfreudigkeit

" Wenn wir das Universum nicht mit einem Blick erfassen, weinen und lachen wir. Ist unsere Sicht umfassend, dann gibt es weder Anziehung noch Ablehnung: Die Dinge sind, wie sie sind, das ist alles. Dies ist nur dies, das ist nur das. Und doch können wir nicht begreifen, dass Sozialarbeit, deren Zweck es ist, Gutes zu tun, den Begünstigten vielleicht nicht glücklich macht. Tatsächlich vergrößern wir die Demütigung eines Armen, indem wir ihm Geld geben, und lassen ihn unbefriedigter als zuvor zurück. Ich sage immer, dass man bei den Armen betteln gehen sollte. Der Bedürftige denkt sich dann: „Die können mich immer noch um etwas bitten“, und sogleich entdeckt er seine Würde als Mensch wieder. Darum bettelte Shâkyamuni unter den Elendsten der Elenden um Almosen. Wenn jemand gibt, dann ist er nicht arm. Der Beweis ist, dass ein Reicher es ablehnt, Almosen zu empfangen, da es sein wichtigstes Attribut verletzen würde, seinen finanziellen Status, ohne den er nicht mehr existieren kann. ...

Der Mord am Gorilla Harambe

"Wo Tiger und Mensch zwei sind, kann er sterben.  Doch w o Tiger und Mensch eins sind, gibt es keine Furcht , keine Gefahr.  Welche s Geschöpf, das eins mit sich ist, würde sich schon selbst angreifen?" (Meister Po in der TV-Serie "Ku ng Fu")   Kein Ereignis hat mich in den letzten Wochen so bewegt wie der Mord am Silberrücken Harambe , einem Gorilla, der im Zoo von Connecticut gefangen war. Das Filmmaterial dürfte hinlänglich bekannt sein. Auf dieser Seite des US-TV-Senders ABC  (auf dem kleinen Bildschirm im rechten Frame) macht ein Moderator am Ende die treffende Bemerkung: "Der Gorilla hat nichts falsch gemacht." Getötet wurde er trotzdem, um, so hieß es, das Leben eines kleinen Jungen zu retten, der zu ihm mehr oder weniger auf eigenen Wunsch (und durch Nachlässigkeit der Mutter) ins Gehege gefallen war.    Die Argumente, die für die Tötung von Harambe angeführt wurden, können mich nicht überzeugen, selbst wenn sie von angeblichen E...

Wenn Mönche mit Tigern handeln (104 kg*)

Aus aktuellem Anlass habe ich den Beitrag über "Effektiven Altruismus" mit einem weiteren Zitat aus dem neuen Sawaki-Buch um zwei Wochen verschoben (nächsten Mittwoch folgt ein weiterer Beitrag zum Tierschutz, der ebenfalls schon heute gut gepasst hätte). Die beiden Kommentare, die bereits eingegangen waren, werden dann in zwei Wochen freigeschaltet. Danke! Seit einigen Tagen wird also im thailändischen "Tiger Tempel" ( Wat Pa Luangta Maha Bua Yannasampanno) aufgeräumt. Der Tempel war eine Touristenattraktion, weil man sich dort mit schläfrig wirkenden Tigern, die oft von Mönchen sogar unangekettet spazieren geführt wurden, fotografieren lassen konnte. Sein Umsatz soll mehrere Millionen US-Dollar im Jahr betragen haben. Tierschützer erhoben immer wieder Vorwürfe, zuletzt auch wegen illegalen Tierhandels (abgesehen davon, dass die Haltung der Tiere dort gegen thailändisches Recht verstieß). In China werden z. B. Tigerkrallen und -penisse als Potenzmittel ver...

Kôdô Sawaki über Samurai und das Shôdôka

Der Weg der Unabhängigkeit Miyamoto Musashi ist der Autor des Dôkukôdô , eines Verhaltenskodex für Krieger. Der Titel wurde einem Vers im Shôdôka entlehnt: „Stets alleine gehend, alleine wandernd“ . Die Krieger erhalten eine militärische Ausbildung, doch bushidô reicht weiter als das Waffentraining. Es handelt sich um einen Kodex, der auf der Loyalität zu Gleichgesinnten und zum Zen beruht. Wenn wir das so genannte „Zen der Samurai“ studieren, erkennen wir, dass ihr Verständnis des Buddha-Weges erstaunlich akkurat und tiefgründig ist. 1. Richte dich nicht gegen die Sitten deiner Zeit. 2. Such nicht nach Vergnügen. 3. Bleib bei allen Dingen neutral. 4. Mach dir nicht viel aus dir selbst, aber viel aus anderen. 5. Halte dich dein Leben lang von Leidenschaften fern. 6. Was geschehen ist, ist geschehen; bedaure es nicht. 7. In guten wie in schlechten Zeiten beneide niemanden. 8. Wohin auch immer dein Weg dich führt, nimm ohne Trauer Abschied. 9. Tadele weder and...

Zwei schwächere Bücher von bekannten Buddhisten

Ich möchte heute auf zwei Titel eingehen, die mir letztlich einen etwas unergiebigen Eindruck machten. Der erste heißt Training in Compassion (Shambala 2013) und besteht aus Reflektionen des Zen-Lehrers Norman Fischer zu der Praxis des Lojong . Fischers Zenreden sind mir eher angenehm aufgefallen, schon öfter hat er den Dialog mit anderen religiösen Überlieferungen gesucht. In diesen Kommentaren tritt mir jedoch ein etwas verwirrter Autor entgegen, der zum Beispiel meint, mit 50 Jahren habe man das Gefühl, 95 Prozent seiner Lebenszeit bereits hinter sich zu haben, denn die Zeit würde sich subjektiv beschleunigen. Diese Aussage von einem bestätigten Lehrer in der Tradition Shunryu Suzukis befremdet mich. Ich kann aus eigener Erfahrung mit 51 Jahren sagen, dass dem ganz und gar nicht so ist. Die Erfahrung der "Unendlichkeit" von Zeit (und Raum - was wissenschaftlich fragwürdig ist), wie sie von vielen Zenübenden und anderen spirituellen Menschen gemacht wird, führt meines Er...

7 Tipps, um den eigenen Geist offener zu gestalten

"Das Kennzeichen einer erstklassigen Intelligenz ist die Fähigkeit, zwei gegenteilige Ansichten zur gleichen Zeit im Geist aufrecht zu erhalten und dabei immer noch zu funktionieren."  [E. L. Doctorow: Creationists. Random House 2006] Im Anschluss an den letzten Beitrag möchte ich gemeinsam mit den Autoren noch auf eine Methode des amerikanischen Geheimdienstes hinweisen, die für die Schulung des eigenen Geistes hin zu Offenheit und Verständnis gegenüber anderen empfohlen wird. Diese Offenheit ist auch, wie wir letzte Woche lernten, Kennzeichen eines "erwachten" Geistes.  1. Identifiziere deine eigenen Ansichten und erkenne, dass sie auf Vorurteilen beruhen. 2. Vervollkommne deine Fähigkeit, alternative Standpunkte einzunehmen. 3. Gehe nicht davon aus, dass die andere Person so denken oder handeln wird wie du. 4. Stell dir vor, dass die Ansicht, die du gegenwärtig vertrittst, falsch ist, und entwickle dann Argumente dafür, warum dies so sein könnte....

Wie Erleuchtung das Hirn verändert, wie man sie erkennt - und wie man sie beschleunigen kann

Nun also zum brandneuen Augenöffner über die Erleuchtung: "How Enlightenment Changes Your Brain" (Hay House UK 2016). Die Autoren: Dr. Newberg forscht u. a. zu integrativer Medizin an der Thomas Jefferson Universität. Mark Waldman ist u. a. "NeuroCoach", wobei er hirnbasierte Strategien lehrt, die er aus Studien über Achtsamkeit und Bewusstseinstraining übernimmt.     Das momentan nur auf Englisch erhaltene Werk fasst auf gut verständliche Weise zahlreiche, in Fußnoten erwähnte Studien zusammen, die sich insbesondere mit den Veränderungen im menschlichen Hirn beschäftigen, wenn jemand sich meditativen Praktiken widmet und/oder von Erleuchtungserfahrungen berichtet. Dabei werden verschiedene Religionen berücksichtigt wie auch agnostische Zugänge zum Erwachen. Die Erkenntnisse münden in praktischen Vorschlägen, wie der Übende und sein Hirn in einen Zustand versetzt werden können, der Erleuchtung hervorrufen kann. So tragen die Autoren auf erfrischende Weise zur Ent...

Buddhaland-Bullshit: Ikkyu und die Moral

"... obwohl ich denke, dass es mehr oder weniger anerkannt ist, dass unterdrückte Sexualität sich in komplexen, häufig beängstigenden Glaubenssystemen äußert." * "Religion ist ein ritualisierter gemeinschaftlicher Orgasmus." * Ein User im "Buddhaland" trat eine Diskussion über "Amoralismus im Zen" los und warf dazu gleich mal als Stichwort Ikkyu ein. An der Deutung dieser Figur - und der möglichen Motive des Users - lässt sich gut aufzeigen, wie beschränkt die Denke mancher Zennies ist. Zunächst versucht es ein Anhänger von ausgedehntem Zazen mit dem Hinweis, dass auch Ikkyu viel Zazen machte und sich als moralisch zeigte, weil er sich über die amoralische Raffgier des Klerus erboste. Ikkyus Treiben versteht dieser User insgesamt als "Provokation". Wenn es provokativ war, zu den Huren zu gehen, dann war es offenbar auch provokativ, sich gegen den habsüchtigen Klerus zu stellen. Jedoch übersieht der User, dass beide Gruppen, Gei...

Händchenhalten und Kinderzeugen im Buddhismus

In allen Himmeln mit Ausnahme der Formfreien Sphäre ist Kleidung gebräuchlich, auch wenn Geschlecht [männlich/weiblich] nur in fünf von sechs Begierde-Himmeln vorhanden ist. Die fünf Wege der Befriedigung sexuellen Verlangens sind:   (1) durch Kopulation; (2) durch Umarmen; (3) durch Hände-Halten; (4) durch einander zulächeln oder anlachen; und (5) durch einander anblicken. Da sie in Kontakt mit der Erde sind, vereinigen sich die Bewohner der Himmel der vier Groß-Könige sowie des Himmels der Dreiunddreißig Götter durch Kopulation. Im Yama-Himmel erzeugt eine einzige Umarmung ein neues Lebewesen. Im Tusita-Himmel ist das gegenseitige Halten der Hände ausreichend. Im Nirmanarati-Himmel ersetzt ein Lächeln die sexuelle Vereinigung, und im höchsten Begierde-Himmel reicht der Blickkontakt. Geburt (welche in allen Himmeln spontan ist) erfolgt in den Begierde-Himmeln wie folgt: Kurz bevor ein deva geboren wird, findet eine devi eine Blume in ihrer Hand. Sie weiß aufgrund dieses Ereigni...

Jan Böhmermann:
Die Rachsucht eines Mannes und einer Frau

Auf meine dailyTV -App wurde die vollständige Version der viel diskutierten ZDF Neo Royale Sendung geladen, in der Moderator Jan Böhmermann einige herablassende Verse über den türkischen Staatspräsidenten Erdogan vorliest ( hier ab Min. 13:15), die er als Beispiel einer Schmähkritik präsentiert, das so nicht veröffentlicht werden dürfe und strafbar wäre. Dieser Rahmen macht bereits deutlich, dass der nun eingetretene Effekt - die Diskussion um die Strafbarkeit seiner Worte (denn Böhmermann meinte in der darauf folgenden Sendung, dass er für alle Texte verantwortlich sei, obwohl dem natürlich nicht so ist) - bereits von ihm vorweggenommen wurde. Dies ist ein Kennzeichen einer gelungenen Satire, die dadurch genial wird, dass sie den Anlass - Erdogans Kritik an einer vorherigen Satire eines anderen Fernsehsenders - neu erschafft, damit er gegebenenfalls nun gerichtlich zur Auslotung der wahren Meinungs- und Kunstfreiheit in Deutschland führt (wie es etwa in der Zeit vorgeschlagen wird...

Wundersames aus der buddhistischen Kosmologie

Die Berechnung von Größe und Distanz Die letzte bzw. kleinste Einheit für die Bemessung von Größen und Distanz war das paramanu oder Atom. Für die Kalkulation von Größen anhand dieses paramanu bis hin zum anguli (Finger oder buddhistischer Inch) finden wir häufig folgende kuriose Tabelle:  7 paramanu = 1 anu 7 anu          = 1 loharaja oder Metall-Teilchen mit 49 paramanu 7 loharaja   = 1 abraja oder Wasser-Partikel mit 343 paramanu 7 abraja      = 1 sasaraja oder Hasen-Teilchen bzw. exakt eine Portion                         Hasen-Dung, mit 2.401 paramanu 7 sasaraja   = 1 aviraja oder Schafs-Teilchen mit 16.807 paramanu 7 aviraja      = 1 goraja oder Kuh- bzw. Ochsen-Teilchen mit 111.649            ...