Boshan III: "Sprechen ist es nicht, Schweigen ist es nicht, Sehen und Hören ist es nicht, Loslösen von Sehen und Hören ist es auch nicht. Wie verstehst du das?"
Aus aktuellem Anlass:
+++++++++++++++++++++++
Ein Altehrwürdiger sagte: "Es ist wie mit einem Menschen, der zehntausend Feinden gegenübersteht: Er starrt ihnen in die Gesichter, ohne irgendeinen Spielraum für ein Zwinkern." Dieser Ausspruch gilt wesentlich für die Meditation.
Wenn du dich selbst noch nicht durchdrungen hast, kannst du nur deine eigenen Angelegenheiten handhaben, aber nicht andere lehren. Das wäre wie mit einem, der was über die Hauptstadt erzählt, ohne je dagewesen zu sein - nicht nur narrt er die Zuhörer, sondern auch sich selbst. (...) Begreifst du jedoch tatsächlich die Bedeutung, bist du dir so sicher wie beim Anblick deiner eigenen Eltern im Tageslicht, und es gibt keine größere Freude in der Welt. (...) Entwickle einfach einen Sinn für den Zweifel, um der geistigen Freiheit Durchdringen zu nähren, wo es nichts zu bekommen gibt und niemanden, der es bekommt - wie bei einem Luftschloss.
Erlebst du beim Meditieren Gefühle von Leichtigkeit oder Geistesblitze, halte dies nicht für Erleuchtung. Einst sann ich über den Ausspruch des Bootsführers nach, keine Spuren zu hinterlassen. Ich las, wie Zhaozhou einem Mönch vorhersagte: "Du wirst es begreifen, wenn du jemandem in dreitausend Meilen Entfernung begegnest." Das war für mich, wie eine tausend Pfund schwere Last loszuwerden. Zunächst hielt ich es für das große Erwachen, doch als ich Baofang traf, kam es mir nur noch vor, als hätte ich einen viereckigen Pflock in ein rundes Loch zu schlagen versucht. Ich schämte mich. Wenn man nach dem Erwachen keinen bedeutenden Lehrer aufsucht, wird es nicht erledigt sein, selbst wenn man sich erleichtert fühlt. Ich sagte einmal zu einem Schüler: "Baofang gab mir die Worte: 'Ich stimme nicht zu', und ich habe sie endlos anwenden können."
Beim Meditieren suche nicht nach Leuten, die es dir erklären können. Wenn dies jemand tut, ist es sein Ding und hat nichts mit dir selbst zu tun. Wenn man jemanden nach dem Weg in die Hauptstadt fragt, genügt es, die Richtung gezeigt zu bekommen, denn die Einzelheiten sind nur die, die der Befragte sah, nicht das, was der Suchende sehen wird.
Du kannst über das Wort "Nein" ebenso nachsinnen wie über die "Eiche" oder die Frage: "Wohin kehrt das Eine zurück?" Wenn du den Sinn fürs Staunen wachrufst, ist das gesamte Universum eine Ansammlung von Wundern. Du weisst nicht, dass du einen physischen Körper hast, dein gesamter Körper ist eine Masse von Erstaunen. Du weisst nicht, dass das Universum existiert - es ist nicht innen oder außen, denn sie sind zu einer Masse verschmolzen. Warte einfach, bis es in Teile zerfällt, und dann suche einen Lehrer auf.
Wenn du zurückschaust auf die Zeit, wo du Kôan wiederholt hast, die Geschichten der Alten, erkennst du, dass da nur ein Papagei das Sprechen lernte.
Ist der Sinn fürs Staunen [Zweifel] bei der Meditation geweckt, muss er zerbrochen werden. Gelingt dir dies nicht, festige deine rechte Achtsamkeit und reihe eine Intensität an die andere. Jingshan sagte: "Durchbrich oberflächliche Erscheinungen, strecke kräftig deine Wirbelsäule und richte dich nicht nach menschlichen Gefühlsduseleien."
Wenn du deinen Lebensunterhalt aus dem Familienerbe bestreitest, wirst du von den vierundzwanzig Stunden benutzt. Verteilst du das Familienerbe, benutzt du die vierundzwanzig Stunden." Fragt jemand mich, was das Familienerbe sei, antworte ich: "Wirf deine Haut ab und ich verrate es dir."
Shaoyan sagte: "Es gibt auch Leute, die neben Illusionen über den Körper das ganze Universum mit Sonne und Mond und kosmischem Raum für den ursprünglichen wahren Geist halten. Dies ist nicht-buddhistisch und kann den Geist nicht klären." Er sagte auch: "Nichts ist der Geist, doch ist auch nichts nicht der Geist. Wenn du dies zu erfassen und bestätigen suchst, kann dir dies gelingen?" Diese Aussprüche sind wie Medizin: Gibt es kein Beharren oder Verneinen, kein Erfassen und Bestätigen, dann ist die Täuschung geheilt.
Du kannst es nur durchdringen, wenn du Gefahr und Tod missachtest. Sobald du zögerst, gehst du zugrunde. Schüler verfallen oft konzeptuellem Verständnis und Mystizismus, sie zollen dem "Hier" keine Aufmerksamkeit. So verschwenden sie ihr Leben.
Xuansha sagte: "Es gibt eine Art von Mönch, der auf dem Sitz der Autorität hockt und Lehrer genannt wird, doch bei Fragen sich windet und gestikuliert, große Augen macht, seine Zunge herausstreckt oder dahinstarrt." Dieser Typus ist wirklich krank.
Xuansha sagte auch: "Der Weg Buddhas ist unermesslich und kennt keine Stufen. Das Tor zur Befreiung ist kein Tor, die Idee eines Wanderers ist keine Idee. Da es nicht in Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft ist, kann man weder sich erheben noch zugrundegehen. Phantasie ist nicht Wirklichkeit, denn diese ist nicht erschaffen." Wenn du das verstehst, wirst du auf der Stelle zu einem Buddha, ohne irgendeine Anstrengung für Praxis aufzubringen. Doch ist es unnötig, überhaupt von "wirst du" zu sprechen.
Xuansha sprach weiterhin: "Selbst wenn dein Zustand wie die Spiegelung des Mondes in einem Herbstteich ist, die sich nicht in Kräuselwellen zerteilt, oder wie der Klang einer Glocke in einer stillen Nacht, die unfehlbar ertönt, ist dies noch etwas am Ufer von Geburt und Tod." Menschen, die sitzen, erlangen nur selten einen solchen Zustand. Doch selbst wenn, befinden sie sich noch am Ufer von Geburt und Tod. Du musst deinen eigenen Zugang zum Leben finden.
Von Diesem und Jenem beeinträchtigt zu werden, hier und dort gebunden zu sein, ist eine Sache des untersuchenden Geistes, der nicht intensiv ist, so dass die Wurzel des Lebens nicht abgeschnitten wird - man ist unwillig, zu sterben.
Xuansha sagte: "Wenn du so praktizierst, wirst du dich sich wiederholenden Routinen nicht entziehen können, ihnen also wie zuvor unterliegen. Darum sagt man, dass alle Aktivitäten unbeständig seien. Auch wenn die Ergebnisse der Praxis der Drei Fahrzeuge erstaunlich sind, sind sie nicht das Letztgültige, solange du nicht die erleuchtete Wahrnehmung besitzt." Selbst wenn man also die sechs vollkommenen Tugenden oder die zehntausend Übungen praktiziert, sind sie alle unbeständig und haben auf dem Grund der Wirklichkeit keine Bedeutung.
Jiangshan sagte: "Wenn du wahren Frieden erreichen willst, hast du den Geist von Geburt und Tod noch nicht überwunden. Arbeite daran, dass der Geist von Geburt und Tod zerbricht, dann wirst du von selbst in Frieden sein." Ist der Zweifel erweckt, erstarrt der Geist von Geburt und Tod an einem Ort, und ist der Zweifel überwunden, dann auch der Geist von Geburt und Tod. In diesem Durchbruch kann kein Zeichen von Bewegung mehr gefunden werden.
***
Kommentare
Kommentar veröffentlichen
Das Sichten und Freischalten der Kommentare kann dauern.