Mittwoch, 1. Juni 2016

Wenn Mönche mit Tigern handeln (104 kg*)

Aus aktuellem Anlass habe ich den Beitrag über "Effektiven Altruismus" mit einem weiteren Zitat aus dem neuen Sawaki-Buch um zwei Wochen verschoben (nächsten Mittwoch folgt ein weiterer Beitrag zum Tierschutz, der ebenfalls schon heute gut gepasst hätte). Die beiden Kommentare, die bereits eingegangen waren, werden dann in zwei Wochen freigeschaltet. Danke!



Seit einigen Tagen wird also im thailändischen "Tiger Tempel" (Wat Pa Luangta Maha Bua Yannasampanno) aufgeräumt. Der Tempel war eine Touristenattraktion, weil man sich dort mit schläfrig wirkenden Tigern, die oft von Mönchen sogar unangekettet spazieren geführt wurden, fotografieren lassen konnte. Sein Umsatz soll mehrere Millionen US-Dollar im Jahr betragen haben. Tierschützer erhoben immer wieder Vorwürfe, zuletzt auch wegen illegalen Tierhandels (abgesehen davon, dass die Haltung der Tiere dort gegen thailändisches Recht verstieß). In China werden z. B. Tigerkrallen und -penisse als Potenzmittel verzehrt. 
   Auf der anderen Seite kümmerte sich der dortige "Animal Rescue Centre" um vernachlässigte oder abgegebene Tiere. Der Tempel ist nach einem der in Thailand beliebtesten Mönche benannt, Maha Bua Nanasampanno (1913-2011), der dessen Gründung selbst angeregt hatte. Ajahn Maha Bua (dessen eigener Waldtempel Wat Pa Ban Tat war) hat sich einst nicht nur an der Staatsrettung beteiligt, als er in der Wirtschaftskrise die Thais zu immensen Geld- und Goldspenden aufrief, mit denen u. a. die Kredite an den Internationalen Währungsfond zurückgezahlt werden konnten - was allerdings gegen Maha Buas Willen geschah. Er unterstützte zunächst auch den inzwischen verurteilten Ex-Staatslenker Thaksin, ehe er ihn des Angriffs auf die Monarchie bezichtigte: Für Maha Bua und viele Thais stellt der König die Verkörperung des buddhistischen Dhamma dar. 
   Hält man sich dieses komplexe Beziehungsgeflecht - und die Gewinnspanne des Tempels - vor Augen, kann man sich vorstellen, warum es so lange dauerte, bis ein Gericht die Konfiszierung der Tiger ermöglichte. 
   Tiger auf Drogen, mit denen man sich ablichten kann, findet man in Thailand auch anderswo. Dass ausgerechnet ein buddhistischer Tempel im Gefolge Maha Buas diesen Kommerz auf die Spitze trieb, ist besonders pikant, da der Altehrwürdige nicht zuletzt für seine kleine Schrift "Wisdom develops Samadhi" angesehen war, die - was der Titel nicht gleich deutlich macht - die Entwicklung von Weisheit auf der unabdingbaren Grundlage von sila, moralischen Verhaltensregeln, beschreibt. Insofern ist der Tiger-Tempel für mich nur ein weiterer Beweis dafür, dass ein solcher Weg, der sich krampfhaft auf sila gründen will, am ehesten zum Scheitern verurteilt ist. Ein Buddhist bezieht seine wahre Stärke besser nicht aus Vorschriften, sondern aus selbst verwirklichter Weisheit. 
   In den Freitagabend-Ansprachen, die General Prayuth regelmäßig über Dutzende TV-Sender ausstrahlen lässt, hat er immer wieder um Geduld für die Umsetzung seiner angekündigten Maßnahmen gebeten. In einem eindrucksvollen Plädoyer für den sparsamen Umgang mit Wasser - er erinnerte u. a. an das traditionelle "Besprenkeln" zu Ehren der Eltern - kurz vor dem Neujahrsfest Songkran im April hatte er eine wichtige Botschaft ans Volk gebracht, auf die seine Landsleute (und etliche verrückte Ausländer) besser hätten hören sollen. Doch die Zeichen, dass sein Durchgreifen in vielen Bereichen fruchtet, mehren sich nun.

[* Zum ersten Mal in 10 Monaten ist mein Gewicht wieder signifikant gestiegen. Durch etwas mehr Bewegung und weniger Essen konnte ich zuvor im Schnitt ein Kilo pro Monat abnehmen, aber im Mai habe ich intensiv an einer Übersetzung gearbeitet und ein Dutzend Mal Pizza und Fast Food von Burgerläden bestellt (hmm. lecker!) - und das ist die erwartete Quittung.]

Kommentare:

  1. "Ein Buddhist bezieht seine wahre Stärke besser nicht aus Vorschriften, sondern aus selbst verwirklichter Weisheit."

    Mich entzückt die Regelmäßigkeit mit der du Seitenhiebe auf die alten Krusten des Buddhismus abgibst. Das hat er nämlich bitter nötig. Mir ist Zen ohne "-Buddhismus" wegen solcher Eindrücke oft berechtigte Präferenz.

    Doch, wenn wir West-Buddhisten unsere Weisheit nur deshalb selbst verwirklichen können, weil wir anhand des vorgelebten Beispiels thailändischer Mönche sehen, wie es eben nicht geht, dann verwirklichen wir unsere Weisheit bestimmt auf aller höchster Ebene, nur eben nicht durch uns selbst. Sollen sie mal weiter machen, die Tigerphallusfresser.

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  2. Solange Tiere gequält werden und ihr Fleisch auch von westliche Buddhisten gegessen wird, sind diese eher fern von irgendwelchen illusorischen (höheren) Ebenen.

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