Mittwoch, 22. Juni 2016

Was macht eigentlich Thay, der ehemalige Thich Thien Son?

Das Gleiche wie vorher. Wozu offensichtlich auch Scheiße verzählen gehört. Auf das vormals weiße Outfit wird jetzt aber schon gern mal eine braune Weste gezogen, damit es mönchischer wirkt. Offenbar steht der vermeintlich entrobte Thay immer noch über den anderen Ordinierten, wie dieses Foto nahelegt. Und schließlich wollen die alt bekannten durchnummerierten Zen-Kurse und Module (Motto aus einer Kursbeschreibung: "es gibt Fehler, in die wir immer wieder hineintappen" ...) gut verkauft sein. An seiner Seite werkelt auf oder vielmehr in "Buddhas Weg" weiterhin Bhante Punnaratana. Als ich mal guckte, wer denn sonst noch so mitmischt, fiel mir Hyon Gak Sunim (Paul Muenzen) ins Auge, ein komischer Vogel, den ich bereits vor Jahren hier mal kritisch beäugt hatte. Der baut sich offenbar zudem gerade ein Zentrum in Regensburg auf. In einer vollmundigen (Selbst)Beschreibung heißt es von ihm, er sei "als erster Westlicher seit der kommunistischen Revolution in China zum Mönch geweiht" worden. Tatsächlich hat er damals wohl mit seinem Lehrer Seung Sahn einen Abstecher nach China gemacht. Falsch ist es dennoch. 
   Einer, dem es vor dem gakkernden Sunim gelang, war der aus Ungarn stammende, Deutsch sprechende Jude Ignacz Trebitsch. Nach Pali-Studien in Sri Lanka und der Exekution seines Sohnes, der an einem Raub beteiligt war, ordinierte er 1931 in China, wurde zu Zhao Kong und wehrte sich gegen die japanischen Besatzer. 


  
Eine gute Gelegenheit, auf den angeblich allerersten Westler hinzuweisen, der als buddhistischer Mönch ordiniert wurde, U Dhammaloka alias Laurence Carroll. Der um 1850 geborene irische Tramp musste einst wegen schlechtem Benehmen in Rangoon an Land und machte schon bald als vollordinierter Rebell von sich reden, der in flammenden Reden gegen die katholische Kirche (der er das Verteilen von Bibeln untersagte) und die britischen Besatzer wetterte. Seinen Humor bewies er u.a., als er in einer Zeitung eine Stange Geld bot, wenn ihm jemand eine jungfräuliche Mutter zeigen könne. Über die Landesgrenzen Burmas hinaus wurde er als Kämpfer für Erziehung und Unabhängigkeit bekannt, gründete Schulen in Singapur und Bangkok und lehrte gar in Nepal. Wie Zhao Kong später in China, war auch er ständig unterwegs. Da ihn die Obrigen unter Druck setzten, soll er seinen eigenen Tod vorgetäuscht haben. Vielleicht könnt Ihr demnächst irgendwo die Doku "Dharma Bun" über ihn sehen.

Kommentare:

  1. Guido, du bist wahrlich ein investigativer Journalist!

    Ich habe mir das erste Video von Sunim mal angeguckt. Was mir gefällt ist, dass das Alltägliche betont wird. Also, ob man sich jetzt mit Räucherstäbchen und Buddhafiguren im Alltag umgeben muss, das sei mal dahingestellt. Jedenfalls, es fehlt ein wenig Farbe. Warum ist Zen denn grau? Dennoch teils schöne Bilder. Was mir tatsächlich etwas missfällt ist diese zentrierte Kameraführung, etwas Marketing wie Polenski, nur akademischer. Also, man hätte auch einen Busfahrer filmen können. Ich sehe ein Zen, das autonom und dezentral funktionieren kann - das Internet ist ein Segen - was im Übrigen auch für unsere universitäre Institution des Professors gelten sollte. Das Ding ist nur, wo ich jetzt so darüber nachdenke, ... sind wir nicht alle nur Figuren auf dem Marktplatz, die versuchen ihre Ware zu verhökern? Die Menschen in meinem Leben wissen ja um das "Zen-Ding". Lehnte ich es auch ab, ein Marktteilnehmer ist immer ein Marktteilnehmer, und meine Ware wird sorgfältig geprüft.

    Die Geschichte über den Iren ist richtig witzig ("Besoffen im Knast gelandet"). Danke dafür!

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  2. Ohne Zazen ist Zen die reinste Lüge. Da Zazen Buddha ist, und die Buddhanatur in allen Dingen enthalten ist,
    ist Zen immer wahr, denn es könnte niemals ohne Zazen sein. Ich verstehe nun, warum du nicht mehr sitzt.

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  3. "Ohne Zazen ist Zen die reinste Lüge."???
    Zen ist über "Lüge" und "Nicht-Lüge".

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