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Posts

Sacks ohne Sex?
Wie man auf sein Leben zurückschauen kann

In der New York Times schrieb  Oliver Sacks  ("Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte") gerade von seinen Lebermetastasen und blickte auf sein Leben zurück. Ich verdanke dem Neurologen Einsichten in die (stets individuell zu betrachtende) Migräne, mit der ich mich schon mein halbes Leben herumschlage. Und die Erkenntnis, dass teure neue Triptane als Schmerzmittel oft den Schmerz wiederkehren lassen (ich nannte sie mal "die Zigarette der Migräne-Industrie"), den die kaum noch verschriebenen, alten Ergotamine (mit denen Sacks lange arbeitete) schlicht beendeten.    Sacks zeigt sich dankbar für die neun Jahre nach seiner ersten Krebsdiagnose, auch für diejenigen Menschen, die seine Metastasen entdeckten. Dann geht er auf die Autobiografie von David Hume ein, die dieser angesichts seines nahenden Todes verfasste. Auch für die Jahre, die Sacks Hume überlebte, ist er dankbar, da sie mit hoher Produktivität gefüllt waren. Er stimmt mit ihm, trotz ihrer unt...

Rinzai Roku (Neuübersetzung)

"Linji döste in der Mönchshalle. Huang-po sah ihn und schlug mit seinem Stock auf die Plattform. Linji hob den Kopf. Als er Huang-po erkannte, döste er weiter." Eine neue Übersetzung des Linji Yulu (Rinzai Roku) war nötig. Zum wiederholten Mal hatte ich den O. W. Barth Verlag auf einen Titel aufmerksam gemacht, den er vor Jahren mal aufgelegt, dann aber offenbar vergessen hatte und den die Zen-Gemeinde braucht. Ich hätte ihn selbst neu aufgelegt. In der Regel führt ein solches "Aufstöbern" dann aber doch zu den gewünschten Aktivitäten des anderen Verlags und er nimmt die Sache in die Hand.  Bei genauerer Durchsicht gefielen mir jedoch die redundanten Kommentare von Soko Morinaga in dieser Fassung nicht, und ich beschloss, zeitgleich eine eigene Übersetzung herauszubringen. Linji ist relativ selbsterklärend.  (Aus der Einleitung)  " Linjis Stil ist durch eine gewisse Rohheit in der Sprache und im Handeln gekennzeichnet. Bekannt wurde seine Methode...

Kindergarten "Buddhaland"

Gerade wurde mir aus dem Forum Buddhaland aus einem nur für registrierte User sichtbaren Bereich ("Anregungen und Kritik") folgender Beitrag des Moderators "Ji'un Ken" (Alf Bartholdy) zugespielt: "Guido Keller hat sich meiner Meinung nach nur seinem Hang zur Selbstdarstellung verschrieben. Einen Hang der Selbstdarstellung, bei dem es mir schwerfällt, ihn nicht als krank zu bezeichnen. Obwohl er hier gesperrt ist, setzt er alles daran, hier immer wieder zu schreiben. Er verschleiert seine Identität mit immer neuen Nicks und benutzt Tornetzwerke oder Ähnliches, um seine IP zu verschleiern.    Ich kann ihn nicht mehr ernst nehmen und ich bedauere das. Ansonsten habe ich nicht vor, mit dir weiter über Guido zu diskutieren." (Thread "Werbung im Buddhaland", 22.01.2015, 19:07) Daran ist Etliches falsch. Ich war meines Wissens nie unter meinem bürgerlichen Namen angemeldet und kann darum auch nicht als solcher gesperrt sein - s...

Hinrichtungsvideos der IS oder:
Wie weit darf Karikatur gehen?

In der Vergangenheit suchte ich zwei Mal nach Videos von Enthauptungen durch Anhänger des "Islamischen Staates" (IS). Da ich nicht so zügig fündig wurde, wie ich dachte, gab ich die Suche jedoch bald auf. Ich verstand, dass viele Provider diese Videos alsbald zu löschen trachteten. Kürzlich aber fand ich recht schnell den Film über die Verbrennung des jordanischen Piloten. Als ehemaliger Student der Filmwissenschaften staunte ich nicht schlecht über die Gestaltung dieses sadistischen Mordes mit den Mitteln des fiktiven Hollywood-Kinos. Da wurden digitale Grafiken wie in einem SF-Thriller mit Tom Cruise eingeblendet, die den Standort von Personen verrieten. Da wurde durch schnelle Schnitte auf den an den Gitterstäben seines Käfigs rüttelnden Gefangenen noch einmal kurz auf dessen Angst und vergeblichen Protest verwiesen. Der Soundtrack kleisterte das Ganze zu einem der widerlichsten Filmchen zu, die ich je sah. Was die tumben IS-ler nicht verstanden: Indem sie einen zu Allah ...

Ryôkan: Ich spiele auf dem Buddha-Weg

Ryôkan! Schön, dass du wie ein Narr bist,  denn dann ist dein Weg unermesslich.  Frei und leicht den Dingen ihren Lauf lassen –   wer könnte das begreifen?  Darum vermache ich dir diesen Stab aus wilder Glyzinie.  Wann immer du ihn gegen eine Wand lehnst,  möge er dir den Frieden eines Mittagsschlummers bringen . [ Bestätigung durch Meister Tainin Kokusen (1722–1791)]                                                                     Dinge, die mich stören: Zu viel reden Zu schnell reden Laute Rede Rohe Rede, wenn andere schon schlafen Selbstgespräche Überflüssige Bemerkung...

Im Angesicht des Teufels ...

Ich dachte mir, ich kann den Blog ja auch weiter für kurze Zwischenmeldungen nutzen, so im Sinne von "What's up?". Oder: "X-Files". Für mehr ist keine Zeit. Es erscheint gerade ein Buch nach dem anderen, wie Ihr auf meiner Verlagswebsite sehen könnt, in diesen Wochen die Klassiker Ryôkan, Huangpo und Linji, und dann ein paar Überraschungen. Ein Hinweis in einem buddhistischen Forum, ich solle doch endlich mal für meine Bücher in diesem Blog werben, sei damit gern aufgenommen ;-)  Der folgende Nachschlag muss einfach sein, wo ich doch gerade noch über das "Karma" schrieb, und wie man dafür offen bleiben sollte. Dieser Tage lief ich einem der Lehrer, von denen der Asso-Blog abrät, Arm in Arm mit einem anderen Mann in Pattaya (Thailand) über den Weg. Als er mich ansah, wirkte das, als würde er dem leibhaftigen Teufel ins Gesicht schauen, und er drückte sich erschrocken an seinen Begleiter ran.  Im Nachhinein fragte ich mich, ob ich vielleicht in...

Lied von der Freude am Weg

" Schaut Meister Te-shan an: Sobald er einen Mönch kommen sieht,  vertreibt er ihn mit seinem Stock." Zum Ende des Jahres ein paar Worte von Nanyue Mingzan (jap. Nangaku Myôsan), der im 8. Jahrhundert lebte und auch "Der faule Zan" genannt wurde ... 樂道歌    Ledao ge (jap. Rakudô-ka ) Heiter und sorgenfrei, nichts muss sich ändern. Unbeschwert – was braucht’s da noch Worte? Der wahre Herzgeist ist nicht zerstreut. Wer müsste da weltliche Sorgen beenden? Die Vergangenheit ist schon vergangen, die Zukunft unvorstellbar. Sorglos und gelassen sitzend, wer sollte mich da schon besuchen kommen? An den äußeren Dingen arbeiten zu wollen, das ist eine Narretei! Was den Proviant angeht – nicht ein Korn. Wird dir ein Mahl angeboten, schlinge es runter. Die Weltlichen sind voller sinnloser Sorgen, jagen etwas hinterher, was sie nie bekommen. Ich sehne mich weder nach Himmelsgefilden noch nach den Segen dieser Welt. Hungrig, esse i...

Das Karma und die Liebe

"Es gibt Fälle, da die Ereignisse einander entsprechen; wie will man da behaupten, dass es keine geistigen Kräfte gebe? Es gibt Fälle, da die Ereignisse einander nicht entsprechen; wie will man da behaupten, dass es geistige Kräfte gebe?"    (Zhuangzi: Das wahre Buch vom südlichen Blütenland ) Dies soll, passend zur Weihnachtszeit, ein Beitrag über die Liebe werden ... und warum Karma als Wort für etwas "auf mystische Weise Verbindendes, dessen Ursachen unklar bleiben", seine Berechtigung im Leben von Menschen haben mag - bis wir eine gute Erklärung oder ein besseres Wort dafür finden.     Landläufigen Vorstellungen zum Gruppenkarma, zu verdientem Unglück durch Naturkatastrophen etc. hat Bhante Dhammika schon in seinem Blog (auf Englisch) die widerlegenden Stellen aus dem Palikanon entgegengehalten. Ich selbst möchte mich Spekulationen über frühere Leben enthalten, da sie religionsphilosophisch für mich keinen Sinn machen. Über Gedanken, die laut bu...

Transzendenz
... und Eso-Bullshit aus der Thich Nhat Hanh Sekte

"Wer es wirklich hat, lebt wie ein gewöhnlicher Mensch."   (Meister Yün-men) Im Vorgriff auf einen persönlichen Beitrag, der nächste Woche folgt, möchte ich den Ausdruck "Transzendenz" einmal näher beleuchten. Im Allgemeinen gilt als transzendent ("übersteigend"), was außerhalb möglicher Erfahrung oder außerhalb üblicher Sinneswahrnehmung liegt. Das Transzendente richtet sich gewöhnlich zum "Göttlichen" oder etwas "jenseits einer Grenze" hin; sein Gegenstück, das Immanente, bezeichnet das im Endlichen Vorhandene, das "ohne Rückgriff auf Transzendentes Erklärbare". Der Soziologe Niklas Luhmann wies auf das Paradox hin, dass Transzendenz immer nur aus der Perspektive der Immanenz betrachtet werden könne; Transzendenz komme einem Bedürfnis der Sinngebung nach und sei als Kommunikation "immer dann religiös (...), wenn sie Immanentes unter dem Gesichtspunkt der Transzendenz betrachtet". Dies werde ich nächste Wo...