Mittwoch, 31. Dezember 2014

Lied von der Freude am Weg

"Schaut Meister Te-shan an: Sobald er einen Mönch kommen sieht, 
vertreibt er ihn mit seinem Stock."

Zum Ende des Jahres ein paar Worte von Nanyue Mingzan (jap. Nangaku Myôsan), der im 8. Jahrhundert lebte und auch "Der faule Zan" genannt wurde ...

樂道歌   Ledao ge (jap. Rakudô-ka)

Heiter und sorgenfrei, nichts muss sich ändern.
Unbeschwert – was braucht’s da noch Worte?
Der wahre Herzgeist ist nicht zerstreut.
Wer müsste da weltliche Sorgen beenden?
Die Vergangenheit ist schon vergangen,
die Zukunft unvorstellbar.
Sorglos und gelassen sitzend,
wer sollte mich da schon besuchen kommen?
An den äußeren Dingen arbeiten zu wollen,
das ist eine Narretei!

Was den Proviant angeht – nicht ein Korn.
Wird dir ein Mahl angeboten, schlinge es runter.
Die Weltlichen sind voller sinnloser Sorgen,
jagen etwas hinterher, was sie nie bekommen.

Ich sehne mich weder nach Himmelsgefilden
noch nach den Segen dieser Welt.
Hungrig, esse ich.
Müde, schlafe ich.
Narren verlachen mich,
doch Weise verstehen:
Das heißt nicht, dumm zu sein,
sondern was wir von Natur aus sind.

Wenn du gehen musst, geh,
wenn du bleiben musst, bleib.
Über den Schultern eine zerschlissene Robe,
unten die nackten Füße.
Gerede und noch mehr Gerede
führt stets zu Fehlern.
Wenn du andere retten willst,
arbeite erst mal an deiner eigenen Rettung.

Such nicht voreilig nach dem wahren Buddha,
denn den kann man nicht finden.
Muss man die wunderbare Buddha-Natur
etwa mäßigen oder verfeinern?
Herzgeist ist unbeschwerter Geist,
dieses Gesicht – das Gesicht bei der Geburt.
Selbst wenn man den Karma-Felsen rollt,
verändert es sich nicht.

Unbeschwert meint genau das:
Kein Grund mehr, Worte zu studieren.
Ist die Wurzel des täuschenden Selbst verschwunden,
ergibt sich alles nach seiner Art von selbst.

Statt sich von diesem und jenem aufreiben zu lassen,
mach einfach im Wald ein gleichmütiges Nickerchen.
Hebe deinen Kopf, schon steht da die Sonne am Himmel.
Schnorre was zu essen, und runter damit!

Willst du tolle Ergebnisse erzielen,
wirst du nur in tiefere Ignoranz verfallen.
Versuchst du es zu greifen, ist es unfassbar.
Lass gehen, und da ist es!

Ich habe nur ein Wort.
Mit diesem sind alle Ideen und Beziehungen vergangen.
Schlaue Erklärungen reichen da nicht ran,
nur der Herzgeist erfasst es.

Dieses eine Wort,
unmittelbar und direkt zum Ausdruck gebracht,
ist kleiner als klein,
ursprünglich ohne Ort und Ziel,
von Anfang an vollständig
und nicht etwa mühsam zusammengeflickt.

Wer sich in weltlichen Sorgen verliert,
ist weit von der Stille der Berge entfernt,
wo Kiefern das Sonnenlicht abfangen
und grüne Flüsse immer weiter fließen.
Unter Glyzinienranken leg ich mich nieder,
bette mein Haupt auf einem weichen Stein.
Die Wolken der Berge sind mein Vorhang,
der Nachtmond mein Kleiderhaken.
Für den Kaiser steh ich nicht auf,
warum sollte ich ihn beneiden?
Nicht einmal Geburt-und-Tod interessieren mich,
was könnte ich da noch betrauern?

Der Mond im Wasser hat keine feste Form.
Ich bin genau so.
Jedes Ding ist genau das, was es ist.
Ursprünglich ungeboren
sitze ich heiter und sorglos.

Der Frühling kommt, das Gras wird von selbst grün.




video by Paul Leeming (Visceral Psyche)
edited by Mark Johansson

Kommentare:

  1. Lieber Gui Do, ich wünsche Dir für das, was auch immer Du vorhast, alles Glück und die Gelassenheit, den Dingen ihren Weg zu lassen.
    Gassho
    shirnyu

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  2. Ich wünsche dir für deine unbestimmte Pause und für deine ebenso noch unbestimmten Anfänge alles Gute. Du wirst sicherlich hierher verlinken, so dass es möglich ist, dir zu folgen :-)

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  3. "Unbeschwert meint genau das:
    Kein Grund mehr, Worte zu studieren."

    Deine habe ich immer gern gelesen.
    Auf bald?

    Gassho
    Felix

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