Montag, 1. November 2010

Ko Un: Gedichte (I)

[Hier beginnt eine Serie von Gedichten des bekanntesten koreanischen Autors Ko Un, der einst ein Zen-Mönch war - was man seinen Versen immer wieder anmerkt. Die  kaum angemessen übersetzbaren Gedichte wurden erstmals für diesen Blog ins Deutsche übertragen und umspannen die ganze Schaffensperiode von Ko Un.]

Insektenstimme

Spätherbstblätter sind gefallen.
Zweige dehnen sich nackt.
In solch einer Jahreszeit,
könnte da ein dunkler Strom im Untergrund fließen?
Meine Träume werden vom Geräusch des Wassers unterbrochen,
als würde ein unterirdischer Strom nach oben wogen.
Als ich lausche, schwindet sein Klang. Doch in der blauen Nacht,
da ich versuche, wieder einzuschlafen, höre ich ihn wieder.
Nicht mit meinen Ohren,
aber mit meinen Augen.
In der Tiefe meiner Augen, ein Insektenbrummen!
Keine Ohren.
Kein Ton.
Dämmerung, die im Dunkel meiner Augen erwacht.

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