Samstag, 27. November 2010

Die 10 Schüler Buddhas (IV): Maudgalyayana

4.      Maudgalyayana: Ein Experte für geheime Kräfte

Den Reichtum aufgeben, um den einen Weg zu suchen
Shakyamunis Schüler Maudgalyayana disziplinierte sich unermüdlich selbst und strebte danach, den buddhistischen Weg zu perfektionieren, ohne jemals seine geheimen Kräfte zu missbrauchen oder mit ihnen zu prahlen. Sein guter Freund Shariputra und er galten jüngeren Mönchen als buddhistische Musterschüler.
   Maudgalyayana wurde in dem Dorf Kolita als Sohn einer reichen Brahmanen-Familie geboren. Er hatte viele Bedienstete und lebte in einem geradezu himmlisch palastartigen Heim. Er hatte alles, was man sich nur wünschen konnte. Neben ihm wohnte Shariputra, mit dem er seit seiner Kindheit spielte und lernte. Ihre Freundschaft war stark und hielt bis zum Tod.
   Obwohl die beiden Männer glücklich schienen, waren sie von aufwühlenden Gedanken belastet, die sich verfestigten, als sie an einem Fest auf einem Berg teilnahmen. Selbst inmitten des tummelnden Pulks von glücklichen Zelebranten überkam sie ein verwirrendes Gefühl. Dieses Gefühl der Sinnlosigkeit hielt an, bis ihnen klar wurde, dass sie sich auf der Suche nach etwas befanden: „All diese Fröhlichkeit ist vergänglich. Wir müssen nach wahrer, ewiger, unveränderbarer Fröhlichkeit suchen“.

Von Shakyamuni auserwählt
Die beiden machten sich auf eine weite Reise voller Übung und Selbstzucht, um auf diesem Weg den richtigen Lehrer zu finden. Schließlich trafen sie auf einen asketischen Mönch namens Assaji, der ihnen von Shakyamuni erzählte, und wurden dessen Schüler. Maudgalyayana und Shariputra  waren von Haus aus weise und gaben sich der Suche nach dem einen Weg hin. Bereits nach kürzester Zeit wusste Shakyamuni, dass die beiden sich zu seinen herausragendsten Schülern entwickeln würden.
   Mit Shakyamunis Unterstützung machte sich Maudgalyayana sofort auf den Weg zum  Geierberg, wo er nach sieben Tagen als Schüler Shakyamunis durch Zazen-Meditation die Erleuchtung erfuhr. Shariputra erlebte seine Erleuchtung nach fast einem halben Monat. Die beiden bekamen sehr hohe Positionen im Orden, viel höher als die mancher Ältester. Shakyamuni sagte zu den anderen: „Maudgal-yayana kann euch erziehen und Shariputra ist wie eine Mutter. Folgt ihrem Beispiel und übt fleißig“. Viele Gläubige verehrten Maudgalyayana wegen seiner weitreichenden geheimen Kräfte und Shariputra wegen seiner erhabenen Weisheit.

Gewissenhaftigkeit übersteigt geheime Kräfte
Viele Traditionen legen Zeugnis über Maudgalyayanas Größe ab. Die Erleuchtung verlieh ihm außergewöhnliche geheime Kräfte. Dennoch war er nie besonders stolz auf sie oder prahlte mit ihnen. Seine wahre Größe lag in seiner Treue zu Buddha und der Ernsthaftigkeit seines Bestrebens. Mehrere Geschichten verdeutlichen diese Eigenschaften.
   Eines Tages kam der Wächtergott Indra zu Shakyamuni, faltete ehrfürchtig seine Hände und fragte: „Was muss ich tun, um Erleuchtung zu erfahren?“ Shakyamuni antwortete: „Lösche alle Begierde und alle Bindungen in deinem Geist aus.“
   Maudgalyayana hörte zufällig das Gespräch mit an und folgte Indra mit Hilfe seiner übernatürlichen Fähigkeiten in seinen Palast über dem Berg Sumeru. Indra hieß ihn willkommen und lud ihn ein, seinen Palast mit den hundert Türmen, den himmlischen Mädchen und den empfangsbereiten Frauen, die dort wohnten, zu besichtigen. Maudgalyayana verurteilte Indras hedonistische Haltung und schüttelte den Palast so lange mit seinem großen Zeh, bis Indra sich Shakyamunis Worte ins Gedächtnis rief und sie aufsagte. Maudgalyayana ermahnte Indra, diese Lehre zu beschützen und zu praktizieren und kehrte daraufhin an Shakyamunis Seite zurück.
   Bei einem anderen Ereignis bemerkte er, auch dank seiner geheimen Kräfte, dass die Seele seiner Mutter Hunger litt. Er wollte ihr Essen bringen, doch das löste sich sofort in Flammen auf und verschwand. Er wusste nicht, was er tun sollte und wandte sich ratsuchend an Shakyamuni, der ihm sagte: „Am 15. Juli gehen alle Mönche in die Regenzeit-Klausur und tun Buße. Wenn du an diesem Tag an hunderttausend Mönche spendest, wird das Leiden deiner Mutter durch das angesammelte Verdienst deiner Taten gemildert werden.“ Maudgalyayana tat, was Shakyamuni ihm geraten hatte, und brachte somit dem Geist seiner Mutter die Befreiung. [Diese Geschichte gilt übrigens auch als Ursprung des O-bon-Festes.]

Maudgalyayanas Tod
Maudgalyayana starb keinen friedlichen Tod. Sein Leben lang hatte er den Orden Shakyamunis aufgebaut, beschützt und gefördert. Dies missfiel einigen herzlosen Menschen so sehr, dass sie nach seinem Leben trachteten. Zunächst floh er vor ihnen, um sie vor der Sünde des Tötens zu bewahren, aber er konnte ja nicht für immer auf der Flucht sein. Schließlich fassten ihn jene brutalen Leute und schlugen ihn mit Stöcken, bis seine Knochen brachen und seine Haut aufplatzte. Mit Hilfe seiner übernatürlichen Kräfte gelang es ihm, seinen gebrochenen Körper zu Shakyamuni zu tragen, an dessen Seite er sich niederlegte und starb.
   Der frühe Tod Shariputras und der darauf folgende Tod von Maudgalyayana lösten in Shakyamuni große Trauer aus. In Übereinstimmung mit der buddhistischen Lehre, nach der alle Dinge in der Welt unbeständig sind, hat er sicher seine anderen Schüler und Gläubigen unterwiesen, dass sich Maudgal-yayana trotz seiner überlegenen geheimen Kräfte dem Ende seines Lebens stellen musste.
   Im Buddhismus bestehen die übernatürlichen Kräfte im Überschreiten von scheinbar Unmöglichem, indem man die Menschen und Dinge durch die Augen eines Buddhas sieht. Sie beinhalten nicht die Fähigkeit, dem Tod zu entkommen.
   Nach Maudgalyayanas Tod ließ Shakyamuni ein Stupa im Bambushain-Kloster errichten und brachte ihm Opfergaben dar. Es heißt, dass er selbst kurz darauf gestorben sei.

Ein Beispiel für andere Mönche
Da im Buddhismus Weisheit über den übernatürlichen Fähigkeiten steht, heißt es, dass Shariputras Kräfte etwas größer waren. Aber Maudgalyayanas Kräfte können als Belohnung angesehen werden, die sich seiner angeborenen Weisheit, seiner unermüdlichen geistigen Suche nach dem einen Weg und seiner gewissenhaften Selbstdisziplin verdankt. Unter Berücksichtigung ihrer individuellen Fähigkeiten und ihrer gemeinsamen Stärke unterstützten Maudgalyana und Shariputra andere Mönche in der Ausbildung; sie waren hervorragende Schüler und genossen Shakyamunis vollstes Vertrauen. Auch nach ihrem Tod wurden sie von vielen Mönchen als Vorbilder betrachtet.

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