Sonntag, 7. November 2010

Die 10 Schüler Buddhas (I): Mahakashyapa

(In den kommenden Wochen sollen die zehn Hauptschüler Buddhas vorgestellt werden. Mit freundlicher Genehmigung der Sotoshu Shumucho übersetzt aus einer früheren Version von http://global.sotozen-net.or.jp/ durch Katrin Hugo.)

1.      Mahakashyapa: Ehrenhafte Armut und Selbstlosigkeit

Frischvermählte, die das Weltliche aufgeben wollen
Mahakashyapa wurde in die Kaste Kashyapa im Dorf Mahatitta im alten indischen Königreich Magadha geboren. Sein ursprünglicher Name war Pippala, weil es hieß, dass sich seine Mutter während seiner Geburt unter einem Pippal-Baum ausgeruht hat.
   Von Haus aus intelligent, beherrschte er bereits mit acht Jahren die Gebote Brahmans und bewies großes Talent in allen Bereichen des Lernens und der Künste. Als er älter wurde, begann er, das Leben eines wohlhabenden Brahmin zu verschmähen und wollte sein weltliches Leben zugunsten religiösen Strebens aufgeben.
   Im Gegensatz zu seinen Vorstellungen waren seine Eltern darauf erpicht, dass er bald heiratete und den familiären Stammbaum fortsetzte. Um seine Eltern zu beruhigen, heiratete er, wenn auch unfreiwillig. Wie sich jedoch herausstellte, wollte seine neue Frau ebenfalls das weltliche Leben aufgeben. Obwohl sie nun verheiratet waren, gelobten sich beide ein reines Leben ohne jegliche Begierde.

Die Begegnung mit Shakyamuni
Zwölf Jahre später, nachdem seine beiden Eltern gestorben waren, beobachtete Pippala eines Tages eine Schar von Würmern, die sich auf ausgelegten Bohnen auf einer Strohmatte tummelten, und wurde bedrückt bei dem Gedanken an die vielen Leben, die er Tag für Tag versehentlich ausgelöscht hatte. Daraufhin beschloss er, ins religiöse Leben einzusteigen. Er machte sich auf die Suche nach einem guten Lehrer und versprach seiner Frau, sie sofort zu informieren, sobald er einen gefunden habe. So begann er sein ersehntes Leben voller religiöser Übung. Es heißt, dass an dem Tag, an dem Pippala seine Entscheidung getroffen hat, Shakyamuni unter dem Bodhi-Baum die Erleuchtung erlangte.
   Als Mitglied der Kashyapa-Kaste wurde Pippala bald der große Kashyapa oder Mahakashyapa genannt. Eines Tages, als er aus religiöser Selbstzucht von Dorf zu Dorf reiste, begegnete er Shakyamuni, der von einer Horde Schülern umgeben war. Von dessen Ehrwürdigkeit berührt, warf sich Mahakashyapa nieder und verlangte als Schüler aufgenommen zu werden, da es keinen anderen Lehrer für ihn gebe.
   Shakyamuni erkannte Mahakashyapas vollkommene Aufrichtigkeit und wies ihn gewissenhaft in die Lehren ein. Nach acht Tagen erfuhr Mahakashyapa die Erleuchtung. Seine Frau wurde zur Nonne und erfuhr infolge religiöser Disziplin ebenfalls die Erleuchtung.

Glück im bescheidenen Essen finden
Mahakashyapa hielt strikt die Übungen der Enthaltsamkeit ein. Er legte jegliches Interesse an Nahrung, Kleidung und Behausung ab und lebte ein einfaches Leben, beschränkt auf das Notwendigste. Er befolgte die zwölffachen Übungen, die auf die Beseitigung aller Bindungen ausgelegt sind.
1. An einem ruhigen Ort fernab von menschlicher Zivilisation üben.
2. Nur Nahrung zu sich nehmen, die durch Betteln erworben wurde.
3. In einer strikten Reihenfolge von Tür zu Tür betteln, keine auslassen.
4. Die Almosen auf eine Mahlzeit am Tag beschränken.
5. Sparsam essen.
6. Nachmittags nichts mehr essen.
7. Kleidung aus weggeworfenen Lumpen fertigen.
8. Nur die Gewänder besitzen, die von Shakyamuni vorgeschrieben sind.
9. Auf einem Friedhof leben.
10. Unter einem Baum in einem ruhigen Wald leben.
11. Auf unbebautem Land sitzen.
12.  Nur sitzen, sich nicht hinlegen.
    Die folgende Anekdote beschreibt das Ausmaß, in dem Mahakashyapa die Regeln befolgte:
   „Als ich in ein Dorf kam, um dort zu betteln, näherte ich mich höflich einem sehr kranken Mann, der seine alte Hand, die eine kleine Menge Reis enthielt, öffnete. Als der Mann den Reis in die Schale warf, fiel auch einer seiner faulen Finger in die Schale. Ich setzte mich neben einen Zaun und aß die Mahlzeit. Danach war ich von einem Gefühl der Dankbarkeit erfüllt.“
  Das besondere Essen der Reichen mied Mahakashyapa und bettelte lieber bei den Armen. Ihre ungeschönten Angebote erfreuten ihn, denn durch ihren Erhalt gab er den Gebern die Gelegenheit, Verdienst anzusammeln.
   Ein bestimmtes Dorf wusste nicht, wie es mit den eifrigen Bettelmönchen umgehen sollte. Maha-kashyapa  gewann den tiefen Respekt der Dorfbewohner, indem er ihnen erklärte, was man tun muss, um mit Frieden im Geiste zu leben. Gelegentlich, wenn auch Shakyamuni in der Gruppe anwesend war, kamen die Kinder zu Mahakashyapa, um ihm ihre Gaben anzubieten.

Lebenslange Enthaltsamkeit
Als Mahakashyapa älter wurde, machte sich Shakyamuni mehr und mehr Sorgen um seinen Gesundheitszustand. Seine aus Lumpen zusammengenähte Kleidung war wahrscheinlich zu schwer und bedrückend. Shakyamuni sagte also zu ihm: „Du bist nun ein alter Mann. Warum trägst du keine leichtere und sauberere Kleidung? Auch könntest du anstatt immer nur zu betteln auch mal eine Essenseinladung eines Gläubigen annehmen. Es ist kalt draußen im Wald. Warum kommst du nicht und lebst in meinem Tempel?“
   Obwohl Mahakashyapa aufgrund diese fürsorglichen Worte sehr dankbar war, antwortete er: „Die enthaltsame Art zu Leben macht mich glücklicher als alles andere. Wenn ich dabei bleibe, setze ich ein gutes Beispiel und ermutige auch jüngere Generationen“. Shakyamuni  begrüßte seine Einstellung sehr und erlaubte Mahakashyapa, weiterhin so zu leben, wie er es für richtig hielt; dennoch warf er ein aufmerksames Auge auf ihn.

Der Führer des Ordens
Seine tiefe Ernsthaftigkeit wurde bewundert, und Mahakashyapa konnte im Alter als bedeutsamer Ordensältester Shakyamuni helfen. Als er von Shakyamunis bevorstehendem Tod unterrichtet wurde, war Mahakashyapa so sehr von Trauer ergriffen, dass er ohnmächtig wurde.
   Noch bevor er sich völlig von seiner Trauer erholen konnte, traf er die bedeutende Entscheidung, die große Anzahl von Shakyamunis Lehren und klösterlichen Geboten zusammenzutragen und anzuordnen, so dass sie korrekt an die Nachwelt weitergegeben werden konnten. Er trachtete auch danach, die Zustimmung der anderen Schüler zu gewinnen.
   Sehr bald versammelte er alle Ältesten zur sogenannten Ersten Ratssitzung. Unter ihnen war auch Ananda anwesend, der sich ständig an Shakyamunis Seite aufgehalten und dadurch die größte Anzahl seiner Lehren vernommen hatte. Sein erstaunliches Gedächtnis erwies sich beim Zusammentragen der Lehren als sehr kostbar.
   Mahakashyapa wurde zum Führer des Ordens ernannt. Zwanzig Jahre nach dem Zusammentragen der Lehren, bemerkte er, dass nun auch seine Zeit gekommen war. Er vertraute Ananda den Orden an und bestieg den Berg Kukkatapada-giri. Die Stille seiner letzten Momente wurde der Würde dieses Mannes gerecht. Er verteilte Gras auf dem Boden und setzte sich darauf, um in Shakyamunis Gewand und mit seiner Bettelschale neben sich zu meditieren. Er fügte seine Handflächen in ehrfürchtiger Haltung zusammen, und während er für den Frieden alles Lebenden betete, erreichte er das meditative Stadium und tat leise seinen letzten Atemzug. Es heißt, dass der Berg um ihn herum zum Zeitpunkt seines Todes mit lautem Getöse abbröckelte und Mahakashyapa eins mit ihm wurde.
   Mit dem Geringsten zufrieden und immer gradlinig war Mahakashyapa nicht nur ein strenger Asket, sondern auch – vor allem im Alter – das vereinigende Zentrum des Ordens und die treibende Kraft hinter der großen Aufgabe, die Lehren Buddhas zusammenzutragen. Man kann sagen, dass sich der Buddhismus ohne ihn nie so entwickelt hätte. Die Tatsache, dass ein solch wunderbarer Schüler ihn verehrt hat, gilt als Zeugnis für die Größe Shakyamunis.

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