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JOSHU SASAKI (J): Interview mit David Chadwick (D) + Bob Halpern (B) (1969)

[ Hervorhebungen von mir.] B: Warum sind Sie nach Amerika gekommen? J: Dr. Harmon wollte Zen studieren und schrieb an den Myoshinji-Tempel in Kioto, der mich dazu berief, hierher zu reisen. B: Wann war das? J: 1962. Der Brief kam 1961. Bis dahin hatte ich nie daran gedacht, in die USA zu gehen. Außerdem war der Tempel, dem ich angehörte, sehr arm. Myoshinji meinte jedoch, ich würde hier von Nutzen sein. Es ist der Haupttempel meiner Rinzai-Schule. Ein weiterer bedeutender Tempel ist zum Beispiel der Ryutakuji. D: Könnte Roshi [der Ehrentitel für Sasaki] die Entwicklung seiner Zen-Gruppe beschreiben, wie sie begann und wie sie dieses Gebäude erwarb? J: Es begann vor siebeneinhalb Jahren. Kannst du siebeneinhalb Jahre lang jeden Tag eine Stunde Zazen praktizieren? So einfach war das in etwa. Ich hatte sechs Monate nachgedacht, ehe ich in die USA ging, zumal ich kein Englisch konnte. Im Juli 1962 kam ich an. In meinem linken Robenärmel trug ich ein Wörterbuch für Japanisch-En...

Ein paar interessante Zitate aus der Zen-Literatur und von Victor Coleman

Heute schummle ich, weil ich wieder keine Zeit für mehr als dies habe (Literaturwettbewerbe drängen). Beim Aussortieren meiner Bücher in Pattaya beschloss ich, ein größeres Paket nach Antaiji zu schicken, vorher aber noch ein paar markierte Stellen in einem Youtube-Clip zu besprechen. Den stelle ich unten ein, und für diejenigen, die noch oder zudem den Blog verfolgen, ein paar Zitate von einem kanadischen Dichter. Vor ein paar Jahren habe ich mich etwas ausgiebiger in der kanadischen Literatur umgesehen, in der Hoffnung, interessante Titel für meinen Verlag zu finden, die anlässlich des Gastlandauftrittes 2020 gefördert worden wären. So etwas hatte ich ja schon einmal 2015 im Falle Indonesiens getan. Zu meiner Überraschung drängte sich fast kein von mir gelesenes kanadisches Werk auf, und die Übersetzungsförderung sollte auch nur 50 %, nicht 100 % wie im Falle Indonesiens, betragen, bei unsicheren Verkaufszahlen. Dann fiel die Buchmesse aus, und Kanada wird sich erst 2021 präsentieren...

Meister Moheyans Einführung in die unmittelbare Meditation

 [Mehr zu Meister Moheyan und Tibetan Zen hier . In Kürze gibt es eine Fortsetzung.] Meister Moheyans Einführung in die unmittelbare Meditation Die Wurzel des weltlichen Kreislaufs von Geburt und Tod ist der Geist, der in Begriffen denkt. Warum ist dies so? Die Bewegung des konzipierenden Geistes geschieht aufgrund von Eindrücken, die stets in ihm vorhanden waren. Du nimmst gemäß dieser Geistesregungen wahr, handelst gemäß deiner Vorstellung und erfährst die Folgen gemäß deiner Handlungen. Somit ist alles, von den Höhen der Buddhaschaft bis zu den Tiefen der Hölle, von deinen eigenen Konzepten abhängig, du siehst das, was du selbst projizierst. Wenn ein solcher Geist aber nicht entsteht, dann kann man nicht am kleinsten Teil gewöhnlicher Phänomene festhalten. Ein Mensch, der weiß, dass dies der Weg der Dinge ist, sollte sich anderer Aktivitäten enthalten, nur an einem Ort bleiben und sich von Umtriebigkeit fernhalten, mit gekreuzten Beinen und geradem Rücken sitzen und nicht ...

Meister Bo: Weil es Zen macht!

In diesem Buch werden zuerst die üblichen buddhistischen Dogmen (Vier Edle Wahrheiten, Achtfacher Pfad, Sitzemeditation usw.) als unzulänglich vom Tisch gewischt. Im Hauptteil erläutern Bezüge zum Alltagsleben die Bedeutung alter und poetischer Zen-Weisheiten aus dem Zenrin kushû , die traditionell als Antworten auf Kôan gelten. Leser/innen werden angeregt, ihr eigenes Leben unmittelbar und ohne rituelle Umwege von Zen bereichern zu lassen.   Meister Bo: Weil es Zen macht! Glücklich leben ohne Buddhismus. 116 Seiten. Taschenbuch. 10 €. ISBN: 9783753499505. Bestellen + Leseprobe   [Der folgende Text wurde von mir nicht ins Buch aufgenommen, ist also nicht lektoriert; er verwendet vergleichsweise viele Redewendungen aus dem Zenrin kushû . Seine Botschaft ist heikel und bedarf sicher der Diskussion. Sie verbindet die Philosophie des Zen mit derjenigen der Kampfkunst. Der passende Spruch für diese im Nachhinein berichtete Geschichte eines „Versagens“ könnte lauten: „Den Bo...

Warum wurde Joshu 120 Jahre alt?

 Was bedeutet Joshus Langlebigkeit? Joshu wurde 120 Jahre alt. Selbst heutzutage werden nur wenige Menschen älter als 105. Zahlreiche Mechanismen bestimmen, wie schnell Körper und Geist durch degenerative Veränderungen altern. Mittels Magnetresonanz-Aufnahmen kann man das „normale“ Ausmaß der Veränderungen von Hirnen bei Nicht-Meditierenden bestimmen. 2016 geschah das für 20- bis 74-Jährige (Cherubini et al.). Dabei wurde das Altern von sogenannter grauer und weißer Masse sowie des subkortikalen Kerns bestimmt. Tatsächlich konnte vom Alter eines Hirns auf das tatsächliche chronologische Alter eines Menschen geschlossen werden. Gefen et al. untersuchten 2015 in den USA einunddreißig ältere „Superager“ über 80, die sozial aktiv waren. Bei allen war die rechte rostrale vordere zinguläre Region dicker als in Kontrollgruppen. Fünf dieser Senioren kamen nach ihrem Tod zur Autopsie, und es wurde eine größere Dichte von großen, spindelförmigen  Von Economo-Neuronen in derselben vo...

Hôzôin-ryû: Die buddhistische Speerkampf-Schule

    Die Hôzôin-ryû hat sich auf den Speerkampf (sôjotsu) spezialisiert und ist in Verbindung mit der buddhistischen Kegon-Schule entstanden. Ihr Begründer Hôzôin In(n)ei (1521-1607) war Mönch im Kôfukuji (Nara) und praktizierte Kampfkünste, u.a. den Speer unter Daizendayû Moritada, bei Kitabatake Tomonori (Kashima Shintô-ryû), seinerseits ein Schüler von Tsukahara Bokuden , und bei Onishiki Shuken (Katori Shintô-ryû), die Schwert- und Speerkunst integrierten. Der Legende nach soll er beim Anblick der im Wasser gespiegelten Mondsichel zu einem besonderen Speer (jumonji-[kama]yari) inspiriert worden sein, wie Ihr ihn in obiger Abbildung erkennt. So begründete er seine Schule, denn bald schon wollten es ihm die anderen Mönche im Tempel nachmachen, der fortan von diversen Größen der Kampfkunst (u.a. auch Yagyû Munenori) aufgesucht wurde. Inei gab sie zunächst an Hôzoin Inshun (1589-1648) weiter, dem man sogar einen legendären Kampf mit Miyamoto Musashi nachsagt. Diese Schule hat...

Schon mal von Kakua gehört?

Unser Kakua (1142-?) - habt Ihr auch das Gefühl, dass da am Ende noch ein "n" hin müsste? - hat nicht mal einen gescheiten Wikipedia-Eintrag. Dabei war er womöglich der erste Rinzai-Meister Japans. 1171 reiste er als Mönch der Tendai-Schule nach China, praktizierte mit Meister Hui-yüan (1103-1176), den man auch als Fo-hai Ch'an-shih kennt, in der Yang-ch'i-Linie, erhielt vier Jahre später die Dharma-Übertragung (inka) und kehrte nach Japan zurück. Als Kaiser Takakura ihn zu Hofe bat, um über Zen zu berichten, so die Legende, spielte Kakua einen einzigen Ton auf seiner Flöte. Aber das kapierte damals noch keiner, und er zog sich in eine Klause auf dem Berg Hiei zurück. Kamen Leute vorbei, um sich unterrichten zu lassen, sagte er ein paar Worte und begab sich dann noch tiefer in die Berge, um seine Ruhe zu haben. Der machte also nicht so viel Lärm um nichts wie ich. Hier ein paar Gedichte von Kakua:  Die da nach Erleuchtung suchen, machen mich krank.  Wer sie findet, d...

Die Legenden vom Osterhasen

    Ich will nun die ganze Wahrheit erzählen. Weil ich endlich für das geschätzt werden will, was ich jedes Jahr leiste. Wenn Sie wüssten, mit was für einem Gegner ich es zu tun hatte. Sechs Kilo schwer im Gegensatz zu meinen zwei, und 80 Kilometer schnell, ohne Rückenwind. War ja klar, dass ich in einem direkten Kampf keine Chance hatte. Seine Löffel waren auch größer als meine, undenkbar, sich da von hinten unbemerkt anzuschleichen. Schon seine Vorfahren hatten den Kuckuck im Emmental, den Storch in Böhmen und den Osterfuchs in Westfalen besiegt, um sich das Monopol auf die Eierlieferung zu sichern. Dafür galt ich als Meister unter den Tunnelbauern, und so machte ich mich daran, ein mehrstöckiges System von Gängen zu graben, die nur durch eine äußerst fragile Erdschicht voneinander getrennt waren. Auch die oberste Schicht war dünn, und sie lag genau auf dem üblichen Nachhauseweg meines Erzfeindes Meister Lampe. Eines Tages war es soweit, und da kam der Rammler auch schon...