Dienstag, 29. November 2011

Neues aus Kambodscha:
Dreck, Trekker, am dreckigsten

Hier spielen gerade ein paar Dutzend kreischende kambodschanische Jungs um mich rum im wahrscheinlich groessten Internetcafe Siem Reaps (nahe Angkor), das gleichzeitig auch ein Burgerladen ist, mit angeschlossenem Designercafe und ueberteuertem Supermarkt. Der Laerm ist unfassbar. Zwischen Maedchen und den Jungen der Khmer liegt eine charakterliche Entfernung wie zwischen Erde und Sonne. Die erwachsenen Maenner sind teils auch nicht viel besser. Von den Maedchen, die ich vor gut zehn Jahren hier kennenlernte, haben fast alle inzwischen geheiratet und mehrere Kinder. In vielen Faellen leben sie in den Doerfern rund um Angkor und bestreiten ihren Lebensunterhalt durch Verkaeufe von T-Shirts und Souvenirs an Touristen. In vielen Faellen haben ihre Maenner einen Job in der nahe gelegenen Stadt Siem Reap gefunden und halten sich inzwischen eine Nebenfrau bzw. besuchen ihre eigentliche Ehefrau nur noch tageweise. In einem Fall laesst der Ehemann dann 15 Dollar fuer seine Gattin und die gemeinsamen beiden Soehne im Dorf, pro Monat. Die Klagen sind zahlreich, und ich als fast fuenfzigjaehriger Auslaender werde wieder als potentieller Ehemann interessant.
   Abends so ab 20, 21 Uhr sieht die Sache in Siem Reap ganz anders aus. Wenn ich da alleine durch die Strassen laufe, werden mir nicht nur Tuktuk oder Motorrad angeboten, sondern regelmaessig auch Marihuana und Frauen. "Lady Bumm Bumm". Da ist bei mir Schluss mit lustig. Einem der Moechtegernzuhaelter, die dann mit ihrem Moped an einen ranfahren, um ihre Sprueche abzulassen, habe ich beim ersten Mal gesagt, er solle kuenftig die Klappe halten, wenn er mich sieht, beim zweiten Mal die Faust gezeigt. Gestern trieb er sich in Hotelnaehe herum, und ich dachte schon, nun sei es an der Zeit, ihn vom Moped zu holen. Die Polizei hier ist recht untaetig, wozu das eher magere Regelgehalt natuerlich beitraegt. Gestern riet mir ein Tourist Police, doch einfach abzulehnen und weiterzugehen. Das ist mir zu aufwaendig, denn ein halbstuendiger Marsch durch die Stadt bedeutete etwa ein Dutzend Absagen, da habe ich anderes zu tun. Normalerweise reagiere ich gar nicht. Aber das Frauenanbieten geht mir so auf den Senkel (und ist natuerlich auch hier illegal), dass mir an diesem Beispiel mal wieder klar wird, was ein tief sitzender Theravadabuddhismus im Alltagsgeist der Suedostasiaten anrichtet. Untaetigkeit. Phlegmatismus. Statt das Problem zu beseitigen, mehr oder weniger drueber hinwegzusehen. Als ich dem freundlichen Tourist Police erzaehlte, es gaebe kein Zurueck mehr und nun wuerde es wohl zu ernsthaften Verletzungen kommen, hat er mir seinen Vorgesetzten genannt und gesagt, wenn Zeugen da sein, koenne man natuerlich was machen.
   Wie ueblich nebenbei auch fuer Siem Reap eine Reisewarnung. Sie betrifft den Fotoladen mit der Aufschrift Fujifilm auf der Sivotha Road. Ersatzbatterien fuer meine Canon Filmkamera wurden fuer 6 Dollar das Stueck angeboten, selbst im Angkor Bezirk bekam ich sie fuer 2,50, im nahegelegenen Fotostudio auf der anderen Strassenseite (an der gruenen Aussenfassade zu erkennen) fuer 3 Dollar.
   Ach ja, und auf dem Phnom Khrom nahe dem Tonle Seap, wo ein paar Ruinen bei einem Tempel stehen, kann man einen Zigarette rauchenden Moench Trekker fahren sehen.
   Ich wasch mir jetzt den Strassenstaub aus den Haaren. Vor drei Jahren waren einige Strassen in gutem Zustand, jetzt hat man sie schon wieder ruiniert und kuemmert sich nicht.

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