Mittwoch, 21. Oktober 2015

Wie die Kritik an Ricardo Gonzalez Zimmerling im Buddhaland verschwand (und was die dritte Regel bedeutet)

Hier nochmal eine Erklärung der dritten buddhistischen Regel, die auch für Laien gilt: sexuelles Fehlverhalten vermeiden. Sie wird leider immer wieder sehr fantasievoll (über)interpretiert und auf alles Mögliche angewendet. 

Die Regel spricht sich mit den folgenden Worten gegen "sexuelles Fehlverhalten" aus: kamesu micchacara - kama: sexuell; cara: Verhalten; miccha: falsch.

Davon in Schutz genommen werden laut der Erläuterung des Buddha (siehe Anguttara Nikaya X. 176 und V. 287-292):

a) Mädchen, die noch unter der Obhut ihrer Eltern stehen (maturakkhita, piturakkhita)
b) Blumengeschmückte, d. h. Verlobte (malaguna-parikkhitta)
c) Verheiratete (sassamika)
d) Vom Dharma Geschützten, d. h. Nonnen (dhammarakkhita)
d) Strafgefangene (saparidanda)

Kurz gefasst also Verlobte (manch einer kennt noch diese Sitte, die vor der Heirat kommt), Verheiratete, Nonnen, Strafgefangene, unselbständige Mädchen (die Regel bezieht sich wörtlich nur auf Frauen, da der Buddha dabei zu Männern sprach!). 

Von daher gibt es also keine logische Ableitung, das Vergnügen mit Freudenmädchen sei etwa Fehlverhalten (es sei denn, sie würden unter eine der obigen Kategorien fallen). Darum war dieser Beitrag ursprünglich auch betitelt: "Warum Ikkyu bei den Freudenmädchen nicht die dritte Regel (sila) verletzte".

In den Jataka gibt es dazu noch ein bisschen Aberglaube, z. B., dass man durch übermäßigen Sex Asthma (sasa), Husten (kasa) oder Gelenkschmerzen (daram) bekäme. Wenn jemand Zweifel daran hat, dass dies Unsinn ist, möge er/sie Fachärzte befragen.

Nun war diese Erläuterung gerade im Forum "Buddhaland" gegeben worden, da wies ein User im dortigen Chat auf seinen Lehrer Ricardo Gonzalez Zimmerling (RGZ) hin. Als ich auf die Webseite seiner "Samadhi Sangha" ging, wurde ich schnell stutzig. Nachdem ich ein paar seiner "Lehr"videos auf Youtube angehört hatte, formulierte ich meine Kritik und einige Anfragen an ihn. Im Folgenden die Zusammenfassung. Leider wurde der gesamte diesbezügliche Thread des Users "diamant" aus "Buddhaland" gelöscht, was meine Kritik an Zimmerling nicht nur stützt, sondern mir erst den Impuls gab, auch in diesem Blog auf ihn hinzuweisen und das Thema dieses Beitrages zu ändern.

- Auf der Webseite der Samadhi Sangha fehlt ein gescheiter Lebenslauf von RGZ. Mithilfe anderer User und durch Analyse der dortigen Fotos fand ich heraus, dass er bei der Neuen Kadampa Tradition und Dechen (Carola Däumichen) gelernt und teils auch gelehrt haben soll; beide Gruppen werden wegen ihrer Sektenhaftigkeit hier kritisiert.

- In der Selbstdarstellung von RGZ bzw. seiner Sangha finden sich ähnliche Charakteristika wie in den o.g. Sekten, zum Beispiel Selbstbeweihräucherung. Sie reicht von der Abbildung diverser Lehrer (die zum Teil nicht einmal namentlich benannt sind) auf den Fotoseiten - oft mit RGZ gemeinsam im Bild - bis hin zu Formulierungen dieser Art: "Die Samadhi-Sangha erschafft glückliche und mental ausgeglichene Praktizierende." (Seite "Über uns").

- Auf eine Anfrage nach seiner Qualifikation antwortete RGZ per email allgemein, er sei seit 20 Jahren Buddhist und würde seit 6 Jahren lehren; seinen tibetischen Namen Tenzin Mingyur habe er von "geshe rigzin gyaltsen", seinen Lehrertitel "Dharmacarya" von "mahathera bhante santharakkhita" (beides bisher von deren Seite aus nicht bestätigt).

- Ich habe beispielhaft zwei Videos von RGZ auf ihren Sinngehalt analysiert. Das erste handelt von Wut. Meine Kritik bestand darin, dass RGZs Darlegung sich wesentlich auf Wut gegenüber Menschen bezog, die Lehre von Pratigha im Palikanon jedoch viel umfänglicher ist und auch Gefühle anderer Frustration umfasst. In plakativen, vereinfachenden Lehren sehe ich zum einen ein mangelndes Verständnis des Dharma, zum anderen oft ein Anpassen an das, was Anwesende gern hören wollen ("Wohlfühlbuddhismus").

- Deutlicher wurden RGZs Fehldeutungen im Video zur dritten Sila, dem Thema dieses Blogs. Hier liest Zimmerling aus der oben erläuterten Regel z.B. ein Inzestverbot und ein Verbot jeglichen Sexes außerhalb einer Partnerschaft. Das steht da aber nicht. Solche Fehldeutungen haben leider weit reichende Konsequenzen, wie sich gerade im Forum "Buddhaland" zeigt, wo immer wieder ein mangelhaftes Grundverständnis der tatsächlichen Buddhalehren durch wilde Spekulationen von selbst ernannten oder schlecht ausgebildeten "Lehrern" ersetzt wird. RGZ, der mich zunächst noch zu einem Treffen in Berlin ermutigt hatte, stellte dann auch vorsorglich die Kommunikation mit mir ein, indem er mir sofort diverse Dinge unterstellte - was in meinen Augen das Kennzeichen ungenügender Lehrer ist, die sich über andere stellen wollen und mittels rhetorischer Worthülsen schlechte Kommunikation betreiben (und "Ärger", "Unkenntnis", "negative Rede" unterstellen).

Tatsächlich konnte RGZ seine Thesen nicht stützen und gab nur einen müden, allgemeinen Hinweis auf die Kommentarliteratur, ohne relevante Quellenangabe und Zitat. Die - durchaus umstrittene - Kommentarliteratur stammt jedoch in der Regel von Buddhaghosa (RGZ erwähnte selbst nur "majjhima nikaya atthakatha"), und für einen großen Teil davon müsste man schon spezielle Sprachkenntnisse haben, um überhaupt zu verstehen, worum es geht.

Die Tatsache, dass man im "Buddhaland" auf die Löschung der sachlich begründeten Kritik an Ricardo Gonzalez Zimmerling und seiner Samadhi Sangha einwirkte - die sich gern im Buddhistischen Haus Frohnau (Berlin) trifft -, wirft einen weiteren Schatten.

Am Übelsten könnte man Ricardo Gonzalez Zimmerling aber nehmen, wie er indirekt einigen von der Bereitschaft zur Organspende abrät, indem er zunächst von einem "Geist" faselt, der sich im Sterben von Händen und Füßen nach und nach zurückzöge (die Frage ist bloß, wohin?) und dann betont, dieser Geist eines Sterbenden könne so gestört werden, dass sich eine "Negativität" (sic!) entwickle und eine niedere Wiedergeburt drohe. Zu allem Überfluss setzt er eine Unfähigkeit zur (nachtodlichen) Organspende auch noch mit einer fehlenden Bereitschaft im Leben gleich, Knochenmark oder Blut zu spenden. Auch das kann man heutzutage aber noch im Tod. Man sollte also stattdessen Vorsorge treffen, dass man mit einer guten Tat abtritt.

(Für eine differenziertere Sicht des Buddhismus auf das Thema der Organspende siehe hier.)

Kommentare:

  1. Lächerlich. Die Organspende ist überhaupt eine der nobelsten Sachen, die man überhaupt machen kann. Mein Onkel ist dank Organspender noch am Leben. Meine Familie und ich sind diesem Menschen für immer dankbar. Es sollten sich so viele Menschen wie möglich daran beteiligen, es ist nichts falsches daran. Wer sich wundert, sollte einige Infos über Organspende nachlesen, da es viele falsche Informationen dazu gibt und jeglicher Humbug kursiert. Ich persönlich habe bereits einen Organspendeschein ausgefüllt.

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  2. Sehr leerer Inhalt.
    Man ließt nur "schlecht machen" einer Person.

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  3. Aufschlussreicher Kommentar. Doch kann ich nicht allem beistimmen: Es gibt gute Gründe gegen Organspende (Organe werden Lebenden entnommen, nicht bereits Toten). Auch scheint mir, dass Du nach Dharma-Rechtfertigung für möglichst viel sexuelle Freizügigkeit suchst, was schwerlich Merkmal eines in den Strom Eingetretenen ist. Da gefällt mir Zimmermanns Einstellung besser. Fragwürdig ist für mich, dass er einen eklektischen Buddhismus anbietet, von dem unklar ist, woraus er besteht. Bei einem thailändischen Theravada-Lehrer, oder bei einem tibetischen Lehrer einer bestimmten Linie, kann man von vornherein recht klar wissen, welchen Pfad man beschreitet, bei Zimmermann, so scheint mir, nicht.

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  4. Organe werden Toten entnommen, Hirntoten.
    Es kümmert einen Erwachten nicht, ob er in den Strom eingetreten ist, denn das ist nur eine von vielen Gedankenfallen, in denen sich Buddhisten verfangen, wishful thinking. Es ist Anfängergerede, genau wie die Idee, man müsse mit dem Dharma etwas rechtfertigen (statt auf dessen Ungereimtheiten hinzuweisen).
    Was ein "Zimmermann" sagt (seine "Einstellung") muss nicht das sein, was er tut. Es kann sogar das sein, worunter er selbst leidet.

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