Dienstag, 24. Januar 2012

Antwort auf Sogens "Offenen Brief"

Da ist noch ein Nachtrag nötig, da Sogen in seinem Blog einen offenen Brief an mich richtet, in dem er auch auf meinen Kommentar unter dem letzten Blogeintrag hier eingeht. Ich will einzelne Punkte herausgreifen.

1) Wie man Druck erzeugt. Die DBU kann Pressemitteilungen und ebenfalls offene Briefe nutzen. Sie kann wirklich alle ihr bekannten Ordinierten der betreffenden Tradition zusammentrommeln usw. Ich hätte noch einige andere Tipps, aber ich sitze da nicht im Boot und müsste schon dafür bezahlt werden, in diesem Laden aufzuräumen. Es ist schlichtweg unmöglich, in der DBU diese Kräfte zu bündeln, weil sie - wie ich in meinem letzten Blogeintrag aufzeigte - unterwandert ist von Gruppen, bei denen das sexuelle Fehlverhalten ihrer Begründer schon geradezu legendär ist. Insbesondere die Anhänger der Ole Nydahl-Fraktion haben sich zudem jahrelang in DBU-Foren stets als ausgesprochen aktive "Bremser" jedweder Aktivitäten gegen Missbraucher gezeigt. Das lässt psychologisch naheliegende Rückschlüsse zu.

2) Ich habe niemanden einer Straftat bezichtigt, wie auch das von Sogen genannte Zitat zeigt. Sogen ist einfach ein bisschen übermoralisch und überängstlich, vorauseilender Gehorsam wird so was auch genannt. Da war nix zu bremsen, weil ich mich im Griff habe und das im Gegensatz zu Sogen auch weiß.
   Ich stelle allerdings die richtigen Fragen. Sogen nicht. Im Unterschied zu mir hat er auch mal in Phat Hue meditiert. Ich bin gegangen, nachdem ich mich dort zehn Minuten aufgehalten hatte, weil ich merkte, das was nicht stimmt (genau diese Aussage von mir hat damals Manuel im DBU-Forum veranlasst, seine Erlebnisse mit dem Abt zu berichten). Diese Fähigkeit hat nicht jeder, und darum wäre es für Sogen besser, an solchen Stellen die Klappe zu halten.

3) Das führt auch zu dem alten Vorwurf an die DBU und Vajramala, von der ein Video mit dem Abt von Phat Hue im Internet zu finden ist. Auch sie hat diese Fähigkeit nicht. Das heißt, natürlich hätte man sich bei der Großveranstaltung mit dem Dalai Lama ausklinken und die 10.000 Euro oder mehr in den Sand setzen können (die werden auch in etwa jedes Jahr für den Buchmessestand versemmelt, auf dem ich ja auch schon zu Gast sein durfte). Denn man muss für seine Fehler, auch mangelnde Menschenkenntnis, büßen oder besser: Reue zeigen. Umso mehr, wenn man jahrzehntelang praktiziert hat und die Szene kennt - und trotzdem eine zu lange Leitung hat, um Phat Hue und seinen Abt zu durchschauen.

Fehler sind menschlich, und ich habe meine ebenfalls zu bereuen und meinen Preis zu zahlen.

4) "Dass im Übrigen der "Abt" vom Rat der DBU gedrängt wurde, sich bis zur Klärung der Vorwürfe mit öffentlichen Auftritten bei der Veranstaltung zurückzuhalten, sei hier noch angemerkt. Ebenso, dass er diesem Wunsch nicht entsprach und es auch keine Möglichkeit gab, ihn dazu zu zwingen."

Wenn einer von jemandem "gedrängt" wird, der keine Power hat, kratzt ihn das nicht. Das ist doch ganz einfach. Man spricht zu ihm: "Hör mal zu, Junge, entweder du trollst dich oder wir sagen einem Reporter hier, was du mit deinen jungen Mönchen machst." Ja Sogen, so geht das, wenn man Prioritäten setzt und flexibel bleibt und nicht am Buchstaben klebt. Ich weiß schon, du bist ein Gefangener deiner Gelübde. Prajna ist etwas anderes. Das Bodhisattva-Ideal auch. Es bedeutet, seine eigenen Grenzen aufzugeben, wenn es darum geht, andere zu schützen.

5) "Sexueller Nötigung im strafrechtlichen Sinne werden "Dr. Zen" und auch der "Abt" weder explizit noch implizit beschuldigt - auch nicht von ihren Opfern."

Hier kommt schon wieder diese Besserwisserei durch. Woher will Sogen denn wissen, was ich weiß? Ich weiß jedenfalls genau, was ich sage. Ich bin auch sehr vorsichtig mit dem Begriff "Opfer".

Der folgende Strafrechtkommentar beschreibt eine mir von einem/r Betroffenen geschilderte Situation.

"Ahnungslos" ist, wer nicht versteht, dass nicht entscheidend ist, was als strafbar gilt, sondern was möglichst zweifelsfrei nachgewiesen werden kann.

In diesem Zusammenhang ist interessant, dass mir immer wieder, auch von Herbert und Genpo, gesagt wurde, wie lange schon andere Missstände, etwa um den Berliner Abt, bekannt waren. Und wie lange nix dagegen gemacht wurde. Die diesbezügliche Passivität hat Tradition in der DBU. Gründe siehe unter 1).

Wesentlich ist auch, dass man die Redakteurin des BR zwar auf den vietnamesischen Abt, der das eindeutig größere Problem auch für die Zukunft darstellt, hinweist, aber die Chance verpasst, diese Sendung auf ihn statt auf Dr. Zen zu konzentrieren. Dabei spielt eine Rolle, dass nicht die sichtbaren und zweifelsfreien Fehler und Verstöße gegen den Dharma (wie etwa die Luxusgeilheit) betont werden. Das allein auf die mediale Funktionsweise zurückzuführen, wäre falsch, denn es kennzeichnet auch die DBU selbst. Aufgestört wird man erst durch Sexskandale, nicht durch ganz offensichtliche Kommerzialisierung - bei gleichzeitiger Verwässerung - des Dharma. Auch das kann nicht anders sein, weil etliche Rädelsführer der DBU in der gleichen Vermarktungsschiene des Buddhismus ihr Geld verdienen. Die Leute geben sich auf Kongressen und bei Vorträgen die Klinke in die Hand und sind aufeinander angewiesen. Darum ist man mit Kritik an Wellnessbetrieben wie Phat Hue zurückhaltend. Ganz und gar nicht zurückhaltend ist man jedoch damit, immer wieder die Notwendigkeit des ethischen buddhistischen Pfades zu betonen.

Leute, das könnt Ihr vergessen. Noch in diesem Jahr werdet Ihr wieder von einem der Typen Marke Thien Son einen Artikel in Buddhismus Aktuell lesen, und bei irgendeiner Veranstaltung sitzen wieder Räte der DBU mit den genannten Rinpoches im Boot. Dann findet ihr irgendwo Bilder vom Vietnamesen, wie er den Dalai Lama trifft (Wiesbaden 2011; man beachte, dass nur der Mann links im Hintergrund eine Ahnung hat). Wie war das also nochmal mit "gedrängt, sich zurückzuhalten"? Aber halt, der DL kann ja schlicht auf sein Thesenpapier zum Umgang mit unkoscheren Lehrern verweisen, und die Anhänger des Stufenweges sollten sich ja sowieso stets in Geduld üben.

Da "bedingtes Entstehen" zur Folge haben sollte, dass man ein Übel an der Wurzel beseitigt, erkennen wir auch, wo der Buddhismus in der Theorie steckenbleibt.

Kommentare:

  1. lieber sogen, lieber guido,

    als leser eurer beider blogs finde ich es *nervig* zwischen euren blocks surfen zu müssen & würde mich freuen, wenn ihr euren disput für die interessierten etwas einfacher gestalten könntet ..

    mein kommentar muss dabei wahrlich nicht veröffentlicht werden, aber geht auf diesem wege an euch beide :)

    herzlichen gruß
    hokai

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  2. Ich hab die Faxen nun dicke. Der Link zu Sogens Blog ist rausgeflogen, und dabei bleibt es.

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  3. ich finde ihr könnt das ruhig veröffentlichen. ist auf jeden fall nicht langweilig

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  4. Es wäre erhellend, wenn ihr, also du Gui Do und SoGen hier offen diskutieren könntet. Es ist mühsam, auf den Seiten hin und her zu switschen .... Sollte doch kein Problem sein, SoGen hier freizuschalten ...

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  5. Sogen ist doch ebensfalls gegen TTS sowie du auch. Daher sollte man lieber gemeinsam gegen TTS antreten. Gemeinsam ist man stärker und hat so größere Chancen gegen TTS. Man hat dann nicht nur TTS gegen sich, sondern auch seine ganzen von ihm bearbeiteten Anhänger. Also bitte tut euch zusammen und überwindet euren inneren Schweinehund ;-)

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    1. Ich bin nicht "gegen" TTS. Ich bin dagegen, dass er als Abt und Mönch herumläuft. Seinen Wellnessbetrieb kann er von mir aus in Designerklamotten managen.

      Ein mutiger Insider von Phat Hue genügt. Wer es nicht für sich tut, soll es für andere tun. So handelt ein Bodhisattva.

      Wenn dies einer von dort liest und eine buddhistische Stütze für aktives Handeln sucht, lese er/sie "Zen under the Gun" (noch nicht in Deutsch). Schüler aus Phat Hue müssen zunächst die Perspektive auf Chan/Zen/Thien verändern und lernen, dass prajna die höchste Tugend ist - und nicht, was TTS lehrt. Natürlich kommt diese Weisheit nicht über Nacht.

      Es geht jedoch um dies: Von daher werden alle anderen Übungen relativiert. Wenn die (ehemaligen) Sektenmitgleider das ihnen eingeimpfte schlechte Gewissen bei Verfehlungen wegen schlechter Rede, mangelnder Geduld usf. abgelegt haben, weil sie den Manipulationsmechanismus dahinter erkannt haben (so schützen sich nämlich Sekten selbst), dann haben sie womöglich die Kraft dazu.

      Die DBU steht ebenfalls für verzerrte buddhistische Perspektiven. Du würdest dich wundern, wer da alles genauso blöd daherredet wie TTS laut Zeugenaussagen. Die schlagen dir alle die paramita um die Ohren, selbst wenn sie selbst von Sektierern ihre Künstlernamen bekommen haben und nicht wissen, was prajna ist.

      Wie viele im Rat der DBU haben/hatten einen buddhistischen Lehrer, der nicht sektiererisch ist? Wie viele wollen nicht ihre eigenen sektiererischen Gruppen schützen? Wer ist da nicht von der christlichen Moral des "Gewissens" infiziert (und kann darum nicht aus Weisheit als höchstem Gut agieren)?

      Da siehste. Wenn sich Sogen davon absetzen will, schafft er das schon selbst.

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  6. Joshin, ich habe keine Lust darauf. In meinem ersten Posting zu dieser Sache vom 22.1. schrieb ich Folgendes über Sogen (ich weiß, im zweiten Posting wurde der Ton schärfer, für den Grund siehe unten):

    - hat mich im DBU-Forum bremsen wollen
    - hat mir vorgeworfen, schmutzige Literatur zu publizieren
    - "Moralapostel"
    - evtl. auch "Kneifer" (falls er das auf sich bezog)
    - seine Meinung, "strafrechtlich nicht relevant" sei falsch

    Darin sind also 1,5 Ausdrücke, die als beleidigend aufgefasst werden und ihn verärgern könnten. Den anderen konnte er ja durchaus sachlich beikommen.

    Nun Sogen über mich:

    - mein Vorwurf sei "schlicht albern"
    - "jemanden ohne Beweise öffentlich einer Straftat zu beschuldigen" (falls ich das auf mich beziehe - hier macht Sogen nämlich genau das, was er mir vorwirft, was besonders perfide ist)
    - "weil seine Vorwürfe im Unterschied zu Deinen substantiell waren" (ich hatte extra den Vinaya studiert, mein Vorwurfskatalog ging weit über das Sexuelle hinaus, von Anfang an; auch für die anderen Verstöße von TTS fand bisher keine Vinaya Kamma statt)
    - in einem Blog zu schwadronieren
    - Auch sonst sind Deine Ausführungen abwegig
    - und offenbarst damit nur Deine Ahnungslosigkeit
    -ein mühsameres und aufwendigeres Geschäft als mal eben einen polemischen Blogartikel 'raushauen

    Na, Joshin, nun zähl mal durch. Ich habe übrigens damals selbst die StA informiert, wohl nicht als einziger, aber jeder diesbezügliche Vortrag war überflüssig, denn das war ja längst in die Tat umgesetzt, und im Forum auch bekanntgegeben. Den Moralapostel hat er sich also nun sogar redlich verdient. Ich finde "Moralapostel" übrigens recht konkret, das ist nicht das Gleiche wie einen anderen mit "abwegig", "ahnungslos" etc. kleinreden zu wollen. Wenn Sogen noch mal was von Bodhisattvagelübden erzählt oder aus Büchern abschreibt, hau sie ihm doch einfach um die Ohren. Ich geh mit so was ja wenigstens nicht hausieren.

    Warum soll ich dem also noch Platz in meinem Blog einräumen? Solange es als Futter dient, die Journalisten auch mal ins Wespennest DBU und Phat Hue stechen zu lassen, bitte schön.

    Wenn ich nun Sogens Blog lesen will, muss ich genauso googeln wie andere. Es gibt keinen Link und keine bookmark mehr. Mit "Kindergarten" kann ich leben, die Außenwirkung solcher Dispute kann kaum anders sein. Wenn mal wieder jemand (wie heute ein Verlegerkollege) der Meinung ist, wir Buddhisten seien besonders streitsüchtig - hier ist der Beweis. Man könnte auch sagen, die Ordination bekommt vielen Menschen eben nicht.

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  7. Kürzlich habe ich mir Buddhismus Aktuell 1/2012 durchgesehen. Thema: "Buddha, Sex und Leidenschaft." Beim ersten Durchblättern fand ich nur die üblichen spirituellen Plattitüden. Dann habe ich mir den Leitartikel genau durchgelesen und war ziemlich erschrocken. Schließlich bin ich das ganze Heft noch mal daraufhin durchgegangen, ob hier Sexualität prinzipiell als negativ dargestellt wird. Das Ergebnis ist, dass sich in diesem Heft eine sexualfeindliche und rückwärts gewandte Moral zeigt, die in keiner Weise in der Lage ist, einer freien, selbstbewußten und selbstbestimmten Sexualität Raum zu geben.

    Im Gegenteil: Sexualität wird in einem ziemlich deutlichen Subtext grundsätzlich verurteilt. Hierbei ist interessant, daß sich dies nicht nur bei den Einzelpersonen zeigt die interviewt werden oder über die berichtet wird. Es zeigt sich, daß die Redaktion selbst durch ihre Gestaltung von z.B. Überschriften eine grundsätzliche Sexualfeindlichkeit mitträgt. D.h. die DBU selbst trägt dies verklemmte Moral – nicht irgendwelche Lamas die die letzten 50 Jahre in Europa nicht mitbekommen haben. Deutlichstes Beispiel hierfür die Überschrift zum Interview mit Dzogchen Ponlop: "Gibt es eine gesunde Sexualität". Ich habe diese Merkwürdigkeiten genauer analysiert, wer will kann das auf meinem Blog nachlesen.

    Was ich hier sagen will ist folgendes – Ich habe das in meinem Artikel nur am Rande erwähnt – die Tatsache nämlich daß auf dem Kongress "Buddha, Sex und Leidenschaft" im letzten Jahr, die Frage ob ein rigides Zölibat mitverantwortlich sein könnte für sexuellen Mißbrauch von Schutzbefohlenen offensichtlich ausgeklammert war. Wenn ich aber nun versuche die Problematik die hier dargestellt wird zu entwirren, so stellt sich mir eine viel weitreichendere Frage: Hat die rigide, rückwärts gewandte Sexualmoral, die die DBU offensichtlich auf ihre Fahne schreibt etwas damit zu tun, daß man sich so schwer damit tut sexuelles Fehlverhalten zur Kenntnis zu nehmen und dagegen einzuschreiten.

    Daß auf dem Themenkongress der DBU – Buddha, Sex und Leidenschaft – sexuelles Fehlverhalten und sexueller Mißbrauch nicht thematisiert wurde erweist sich vor diesem Hintergrund evtl. als höchst interessante Lehrstelle. Man könnte ohne weiteres die Hypothese aufstellen, daß sich hinter dieser Auslassung eine grundsätzliche, kollektive Problematik des deutschen Buddhismus mit dem Sexus verbirgt.

    Wer schon mit dem Sexus an sich nicht umgehen kann – wie sich im BA 1/2012 überdeutlich zeigt – hat natürlich keine Handhabe, wenn es um sexuellen Mißbrauch, um sexuelle Ausbeutung, um sexuelle Nötigung und schließlich um Vergewaltigung geht. Die Schlußfolgerung ist, daß die DBU offensichtlich der falsche Ansprechpartner ist, wenn es darum geht die Opfer zu schützen und die Täter zu strafen.

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