Montag, 17. Januar 2011

Zen-Begriffe (I): Sottaku dôji

Sottaku Dôji: Zeitgleiches Picken der Eierschale von Innen und  Außen

Einst erzählte ein Priester des chinesischen Caodong (Zen), welcher Yuefeng Yicun hieß, seinem Schüler, dass das Verhältnis zwischen Gelehrtem und Schüler gleichzusetzen sei mit dem Picken an einer Eierschale, von der inneren und von der äußeren Schale aus.
   Als der Neuling fragte, was er meinte, erklärte der Meister: „Wenn ein Küken bereit ist zu schlüpfen, es aber nicht kann, weil es zu schwach ist, so muss die Henne kommen und ihm helfen.“  Auf die Frage des Schülers, warum dies so sei, antwortete der Meister:  „Also, die Henne beginnt, von Außen gegen die Schale zu picken und das Küken tut dies ebenfalls, allerdings von Innen heraus. Wenn die Henne pickt, brauch sie die Unterstützung des Kükens. Und wenn das Küken pickt, so brauch es die der Henne. Ohne dies könnte das Küken nicht schlüpfen.“
   Später legte Jing Qingdao seinen Auszubildenden diese Diskussion zwischen Meister und Schüler dar, also zwischen ihm und Yuefeng Yicun. Diese Geschichte, bekannt geworden als „sottaku dôji“ oder gleichzeitiges Klopfen von Innen und Außen, repräsentiert den Kontakt zwischen dem Geist des Meisters und dem des Schülers – der eine bemüht sich von innen, der andere hilft von außen. Diese Beziehung der gegenseitigen Abhängigkeit ist ebenso essenziell im täglichen Leben wie auch im Zen-Buddhismus. Niemand kann in kompletter Isolation und Unabhängigkeit leben. Jeder ist von jedem abhängig. Das Erkennen der Notwendigkeit von Hilfe auf beiden Seiten ist der Weg zu eindeutigen Beziehungen und stabiler Identität.
   „Sottaku dôji“ ist ebenfalls in der Verfestigung von Frieden zwischen den zwei  Identitäten, die jeder von uns in sich hat, hilfreich: das Ich des täglichen Lebens und das ideale Ich.

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