Freitag, 14. Januar 2011

Die 10 Schüler Buddhas (X): Mahakatyayana

10.      Mahakatyayana: Unübertroffener Lehrer

Der Junge, der zu schlau war
Mahakatyayana, der als Junge Nalaka genannt wurde, wurde als Sohn einer Brahmanen-Familie in Avanti, im südwestlichen Teil des heutigen Indiens, geboren. Er hatte einen intelligenten älteren Bruder, der begeistert unter verschiedenen Lehrern studierte und dessen tiefgreifendes Wissen allgemeinen Respekt hervorrief. Doch Nalaka konnte schon Lehrinhalte nach einmaligem Hören verstehen, für die sein Bruder ein Jahr lernen musste, um sie zu beherrschen. Von Eifersucht getrieben dachte der Bruder sogar über Mord nach. Der Vater des Jungen ahnte dies und vertraute Nalaka seinem Onkel Ashita an, der voraussagte, dass der Neugeborene Siddhartha Gautama die Erleuchtung empfangen und zu Buddha Shakyamuni werden würde. Unter Ashitas Führung entwickelte sich Nalaka bis zu dem Punkt, an dem er übernatürliche Kräfte erlangte. Eines Tages, an seinem Totenbett, sagte Ashita zu Nalaka, dass ein Buddha auf dieser Welt erschienen sei und dass er sein Lehrling und Schüler werden sollte. Nalaka, der immer noch vom Wunsch nach Reichtum und Ehre getrieben war, machte keinerlei Anstalten, dem Ratschlag zu folgen.

Ein Gedicht, das nur Buddha deuten konnte
Eines Tages bat ein Naga-König auf der Suche nach dem wahren Buddha verschiedene Menschen, ihm ein bestimmtes Gedicht zu erläutern. Es hieß, dass nur ein wahrhaft Erleuchteter dies tun könne. Die Menschen kamen aus dem ganzen Land und versuchten, die wahre Bedeutung des Gedichtes zu ergründen, doch ohne Erfolg. Auch der allseits angesehene Nalaka empfand die Aufgabe als zu schwierig. Zu diesem Zeitpunkt wandte er sich schließlich an Shakyamuni und bat ihn um Hilfe. Sofort nachdem er das Gedicht gehört hatte, erläuterte Shakyamuni seine wahre Bedeutung. Voller Bewunderung wendete sich Nalaka umgehend vom weltlichen Leben ab und disziplinierte sich selbst, bis er schließlich die Erleuchtung erlangte. Daraufhin wurde die Vorsilbe ‚maha‘ (groß) an seinen Nachnamen Katyayana gehängt.

Der Weg zur Befreiung
Shakyamuni verehrte Mahakatyayana für sein Verständnis der Lehren und seine Fähigkeit, diese so zu erklären, dass jeder sie verstand. Viele Geschichten beschreiben, wie er die Lehren in seinen Predigten benutzte, um die Menschen zu führen.
   Als die königliche Gemahlin des Königreichs von Magadha, im Mittellauf des Ganges, starb, war der König so von Trauer erfüllt, dass er nichts mehr essen wollte und die Staatsangelegenheiten vernachlässigte. Gefolgsleute, die sich um den Monarchen und die Monarchie Sorgen machten, rieten ihm, sich an Mahakatyayana um Rat zu wenden. Mahakatyayana sagte zum König: „Die Welt ist so kurzlebig wie Träume und Fantasien. Alles hat ein Ende. Alles hört auf zu existieren. Alles Lebendige muss Alter, Krankheit und Tod ertragen.“ Daraufhin erklärte er dem König in geschickter Weise, der einzige Weg, um Frieden zu finden sei, die Unvermeidlichkeit von Alter, Krankheit und Tod zu akzeptieren. Tief ergriffen von dem, was er gerade gehört hatte, gelobte der König bis zu seinem Tod sein Vertrauen in Buddha, die Lehre und die Gemeinschaft der Gläubigen zu legen.

Acht Träume
Der König von Ujjayaini war einer der Menschen, denen Mahakatyayana die Lehren Shakyamunis erläuterte. Er war als Tyrann gefürchtet und hasste Priester. Shakyamuni schickte Mahakatyayana zu ihm. Allmahlich fing der König an, ihn für seine würdevolle Haltung und Intelligenz zu respektieren. Eines Nachts hatte der König acht Träume, die er sofort als eine Art Vorbote interpretierte. Beunruhigt konsultierte er die Brahmanen, die ihm sagten, dass die Träume eine Katastrophe vorhersagten, die nur abgewendet werden könne, wenn er das Leben der Königin, seiner Kinder und Mahakatyayanas opferte. Der gequälte König steckte in einer Zwickmühe. Schließlich ging die Königin zu Mahakatyayana und erklärte ihm die Situation. Er sagte zu ihr: „Sieben dieser Träume besagen, dass benachbarte Länder euch wertvolle Schätze anbieten wollen. Der letzte bedeutet, dass ihr euch entzweien werdet.“
   Wie Mahakatyayana vorhergesagt hatte, wurden dem König Schätze überbracht, doch er und seine Frau stritten sich über sie. In der Hitze des Augenblicks erhob der König sein Schwert gegen die Königin. Als er sie gerade damit verletzen wollte, wurde ihm plötzlich klar, dass dies die Entzweiung war, von der Mahakatayana gesprochen hatte, und er beruhigte sich. Als Antwort auf die Frage des Königs, warum ihm solch reiche Schätze geliefert wurden, sagte Mahakatyayana: „In grauer Vergangenheit wurde einem bestimmten Prinzen prophezeit, dass er und mit ihm erstaunliche Schätze in eine reiche Familie wiedergeboren würden, weil er seine Krone und sein juwelenbesetztes Schwert einst einem Buddha namens Vipasin hingegeben hatte. Du warst dieser Prinz in einem früheren Leben.“ Das erfreute den König so sehr, dass er fortan die buddhistischen Lehren, die Mahakatyayana ihm erklärt hat, verehrte.

Ein Kind mit neunzig Jahren
Es gibt viele Geschichten, die Mahakatyayanas Fähigkeit zu lehren und zu führen beschreiben. Einmal rief ein alter Brahmane nach ihm. Als Mahakatyayana sich gerade hinsetzten wollte, ohne ihn zu grüßen oder irgendetwas zu ihm zu sagen, fragte der Brahmane: „Warum begrüßt du einen alten Mann nicht und bittest ihn nicht, Platz zu nehmen?“ Mahakatyayana antwortete: „Sogar mit neunzig Jahren ist ein Mensch, der sich an Wünschen festhält, immer noch ein Kind; aber ein Mensch, der sich schon mit fünfundzwanzig von allen Wünschen befreit hat, verdient den Respekt, der älteren Menschen gebührt.“
   Ein anderes Mal fragte ein König Mahakatyayana: „Haben die Brahmanen Recht, wenn sie sich über die anderen Kasten stellen?“ Daraufhin antwortete Mahakatyayana: „Sogar ein König sollte für Boshaftigkeit bestraft werden. Ob Brahmane oder König von Geburt, es sind nicht die Kasten, sondern die Taten, die zählen.“
   Auf diese Weise machte Mahakatyayana viele Menschen glücklich, indem er ihnen Shakyamunis Lehren auf eine Art erklärte, die sie leicht verstanden.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Das Sichten und Freischalten der Kommentare kann dauern.