Mittwoch, 27. Januar 2016

Die Tachikawa-ryu:
Heilmittel gegen "Schwanzblocker"

Die Tachikawa-ryu sind eine Schule des esoterischen japanischen Shingon-Buddhismus, die der Mönch Ninkan (1057-1123) in Anlehnung an das indische Tantra begründete. Ihre Praktiken wurden als schwarze Magie bezeichnet, u.a. spielten auch Totenschädel dabei eine Rolle. Selbst im Shingon selbst machte sich diese Schule Feinde, wurde bekämpft und soll schließlich Ende des 17. Jahrhunderts ausgestorben sein. Anderer Meinung ist - zurecht - John Stevens in seiner kurzen Fiktion "Tantra of the Tachikawa Ryu. Secret Teachings of the Buddha" (Berkeley 2010), in die er freilich tatsächliche Geschehnisse und Lehren einwebt. Dieser Text ist interessant, weil er von einer Art der (buddhistisch motivierten) sexuellen Vereinigung spricht, die so erlebt wird wie eine Erleuchtungserfahrung. Es ist eine Form von Sexualität, die vielen Menschen verschlossen bleibt, wie ich in Gesprächen wiederholt feststellte. In ihr entsprechen sich Einsicht in die eigene Natur und Einsicht in die Natur der Sexualität, und die intime Vereinigung bedeutet Buddhaschaft. Auch Freudenmädchen tauchen als Praktizierende der Tachikawa-ryu auf. 
    Hier sind die interessantesten Stellen aus dem Werk von Stevens, in dem ein Mönch schon mal "Für-immer-im-Sattel" heißen kann ...

"Die sexuelle Vereinigung ist das Ergebnis von Liebe, nicht deren Ursache."

"Einer der Patriarchen der Tachikawa Ryu namens Monkan verfasste folgende Verse:
Weiden sind grün, Blumen sind rot. 
Die Dinge, so wie sie sind, begründen die Buddha-Natur.
Die natürliche Vereinigung von Mann und Frau 
ist Buddhaschaft."

"Dosen fuhr fort: 'Bodhidharma ist der Begründer der Zen-Schule. Eine Lehre, die man ihm zuschreibt, lautet Kenso Jobutsu: 'Sieh in deine Natur und werde Buddha.' Man kann sie auch so interpretieren: 'Sieh in die Natur der Sexualität, dann wirst du ein Buddha.' - was der Lehre der Tachikawa Ryu entspricht."

"Wenn du auf die Insel Honshu zurückkehrst, suche zunächst den Tempel der sexuellen Seligkeit auf. Das ist der geheime Name des Tempels. Offiziell heißt er 'Tempel des Erlangens des Weges'."

"Daien schloss sich drei Nonnen aus Kumano an. Diese hatten den üblen Ruf, Prostituierte zu sein, die sich in religiöse Gewänder warfen, und tatsächlich waren die meisten von ihnen gewöhnliche Huren. Doch Dai-en entdeckte, dass die Nonnen aus Kumano der Tachikawa-Ryu anhingen."


                                           

                  [Die unzensierte Fassung mit den "cock-blockers" ...]

1 Kommentar:

  1. Namaste!

    Vielen Dank für diese interessanten Inspirationen!

    Das beschriebene "einfache" Vereinigungsritual ist wohl dem Yab-Yum sehr ähnlich, und ich könnte mir vorstellen, dass man auf diese Weise bemerkenswerte Erfahrungen machen kann - um jetzt mal nicht den Begriff "Kensho" ins Spiel zu bringen... oder doch .-)
    Jedenfalls war vielleicht die sexuelle Praxis des älteren Ikkyu Sojun Roshi dieser Übung nicht unähnlich!?

    Aber das Ritual mit dem Totenschädel(n) ist schon nen ziemlich kranker Scheiß!
    Obwohl, wenn ich mir die Sokushinbutsu-Praxis ansehe, die ja auch irgendwie "funktioniert", dann frage ich mich, ob dieses Ritual nicht auch irgendeine Wirkung haben könnte...
    Wir werden es wohl nie erfahren!

    < gassho >

    Benkei

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