Mittwoch, 9. Dezember 2015

Der koreanische Mönch Musang (680-756)

Die Geschichte, wie man im 8. Jhd. den Kopf des mumifizierten sechsten Patriarchen Hui-neng nach Korea (Silla) schaffen wollte, unterstreicht, dass dieses Land einen gebührenden Platz in der Überlieferung des Chan (Zen) einzunehmen gedachte. Musang (Wu-hsiang oder "Meister Kim", wörtlich: "formlos") war in einer Zeit in der chinesischen Provinz Szechuan und ihrer damaligen Hauptstadt Ch'eng-tu aktiv, in der die Buddhisten der ostasiatischen Länder sich zwar im Dialog befanden und gegenseitig willkommen hießen, aber durch politische Interessen und Spannungen zunehmend vereinnahmt wurden. Musang soll der dritte Sohn eines Silla-Königs gewesen sein und 728 durch den dortigen Regenten Hsüan-tsung in Chang-an empfangen worden sein. Er begab sich dann nach Szechuan, wo er auf Ch'u-chi (T'ang ho-shang, 669-736) stieß, der die Robe Hui-nengs durch eine Herrscherin empfangen hatte und ihm die Dharma-Übertragung verlieh (wobei Musang sich vorher noch einen Finger abbrennen musste). Danach hielt sich Musang tags vor allem unter einem Baum auf, nachts schlief er auf dem Friedhof. Schließlich bauten ihm einige Gönner Tempel wie den Ching-chung ssu, deren Schule er laut dem Li-tai fa-pao chi als dritter Patriarch des Szechuan-Chan begründete. Musang wurden allerhand Wundertätigkeiten und Prophezeiungen nachgesagt, so soll er durch seine Opferbereitschaft Tiger gezähmt und die Buddhistenverfolgung im Jahr 845 vorausgesagt haben. 
   Musangs Kernlehre, die er selbst auf Bodhidharma zurückführte, lautete: kein Erinnern (wu i), kein Gedanke (wu-nien), kein Vergessen (mo wang), wobei er diese mit Moral (shila), Versenkung (samadhi) und Weisheit (prajna) gleichsetzte. 
   Möglicherweise hatte Musang keinen Nachfolger; er wird später kaum noch erwähnt, gelangte aber zu einiger Prominenz in Tibet. Die in Korea dominierende Ts'ao-hsi(Chogye)-Linie berief sich lieber auf Hui-neng. Jedoch soll Tsung-mi bei einem von Musangs Schülern studiert haben. In einer Schrift Tsung-mis wird sogar Ma-tsu als ein Schüler Musangs bezeichnet.
   
(Siehe Bernard Faure: "Ch'an Master Musang. A Korean monk in East Asian context.") 

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