Mittwoch, 8. Oktober 2014

Mord an einem tibetischen Mönch:
Reinkarnation entdeckt

"Haha, der wahre Buddha ist irgendwo da draußen
die Welt der Zukunft
so beginnt sie.
Irgendwo, da ist sein Haus, sein Haus, das ist das Draußen.


Ho ho, einen langen, langen Tag fleht der Kuckuck Buddha an."

(Ko Un: Zen-Gedichte, was'n das?)

Als ich kürzlich mal nachschaute, was aus dem Prozess gegen die Mörder von Akong Rinpoche geworden ist, las ich, dass die Verhandlung gegen sie läuft. Unmittelbar nach dem Mord gab es diverse Thesen, etwa die Chinesen könnten ihn in Auftrag gegeben haben (Akong war tief in das tibetische Reinkarnationsgefüge involviert und hatte beim Auffinden des 17. Karmapa geholfen - wir erinnern uns, der 16. litt offenbar unter einer "Schizosubtilie", einer Spaltung seiner subtilsten Energien, weswegen er sich gleich zwei Mal reinkarnieren musste). Andererseits waren Akong oft seine tollen Kontakte nach China vorgeworfen worden, wo man ihm sogar den Titel "Living Buddha" verliehen hatte. Von Seiten des mutmaßlichen Mörders hieß es sogleich, Akong habe ihm Geld für seine Arbeit an Skulpturen geschuldet. Die Summe, knapp 280.000 Pfund für 5 Jahre Dienste, wirkt enorm. Die Gegenseite behauptet, der Künstler habe sich bereit erklärt, nur gegen Kost und Logis zu arbeiten. Nun kommt eine interessante Aussage des persönlichen Assistenten von Akong: "Ich bin ein Mönch, wir bekommen kein Gehalt." Schon in der Biografie von Akong können wir lesen, dass er sich einst, gesponsert nach England ausgewandert, als Krankenpfleger verdingen musste. Später lehrte er den Buddhismus, sammelte Geld und gründete mit Chögyam Trungpa in Schottland ein beachtliches Kloster mit allem Drum und Dran. Außerdem soll er mit "Rokpa" für die größte Hilfsorganisation, die sich um Tibet kümmert, verantwortlich gewesen sein. Offenbar mit einem Haufen Geld unterwegs, das angeblich zur Verteilung auf solche Hilfsprojekte gedacht war, stellte ihn dann sein Mörder in China. 
   Was befremdet an dieser Geschichte? Es gibt auffallende Parallelen zu einem hiesigen Lehrer. Nach der Klostergründung kommt die Hilfsorganisation. Mit einer solchen finanzieren sich Mönche, die gern behaupten, kein Gehalt zu bekommen, gern ihre Reisen, das lässt sich in der Regel ganz einfach und legal über die Satzung regeln. Warum nun Geld nicht auch an Künstler, die für diese Mönche arbeiten, verteilt werden soll, ist mir schleierhaft. Aber der Sinn der Gründung eigener Hilfsorganisationen ist ja meist auch, dass der Gründer selbst den Daumen drauf hat und die Gelderverteilung nach seinem Gutdünken betreibt. 
   Akong, eigentlich in tibetischer Medizin ausgebildet, entwickelte dann "Tara Rokpa" aus "Philosophie, Psychologie und Meditationserfahrung des Buddhismus" (Wiki), wozu man sich als "Therapeut" ausbilden lassen und bei den Erfindern für Umsatz sorgen kann, 4 Jahre lang. Erinnert euch das an was? In den Kursen wird dann z. B. gegenseitig massiert oder freies Malen geübt - nicht gerade besonders originell. Die vielen Standbeine zur Geldeintreibung sind jedenfalls bemerkenswert, während auch der Akong weiterhin als Mönch abgebildet und verehrt wurde. Für einen wie diesen Assistenten, der meint, Mönche würden kein Gehalt beziehen, könnte sein Boss bei seinem Tod eine ganze Menge davon in den Händen gehalten haben.
    Da ein Jahr seit dem Mord an Akong vergangen ist, machte ich mich auf die Suche nach seiner Reinkarnation. Ich fand sie schließlich an diesem Ort: 18_10_0.68_N_99_13_59.71_E_. 

Es war einmal ... Ein geistig und körperlich behindertes Kind, das ständig seine Arme nach mir ausgestreckt hatte, pickte bei seiner Prüfung aus meinem Fotoalbum mit 108 unterschiedlichen Aufnahmen die des Rinpoche heraus.

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