Mittwoch, 15. Oktober 2014

Weitere Torheiten von Thich Nhat Hanh

Ein Foto, das Thich Nhat Hanh (TNH) 1974 in informeller Kleidung zeigt: Ein angeblich nach dem Vinaya ordinierter Mönch, der sich nicht die Haare schnitt ...
   Nun fand ich noch das unten stehende Video von einer Frage-Antwort-Sitzung einer anderen TNH-Veranstaltung aus dem Jahre 2012. Diese hat es wirklich in sich. Man beachte zunächst das nach dem anfänglichen Singsang neben TNH auf einem Podest platzierte junge Mädchen, das er "beautiful flower" nennt und das später gegen eine andere ausgetauscht wird. Während der Sitzung verfällt TNH mehrmals in den Befehlston gegenüber Kindern, so wenn er ein Mädchen, dem er seine Pastillchen gegen Heiserkeit aus der eigenen Hand reichen ließ, auffordert, diese vollständig und sofort in den Mund zu tun. Solche Dinge berühren mich seltsam: Wie TNH plötzlich aus seinem gefühlvollen Duktus herausfällt. 
   Bitte schaut Euch das Video ab etwa Min. 32:30 an, wo ein Junge auf der Bühne die kurze und bündige Frage stellt:  "Warum ist es falsch zu töten, wenn es gar keinen Tod gibt?" An der Antwort TNHs lässt sich verdeutlichen, warum er allein von der Einsicht her kein Zen-Meister sein kann. 
   Die erste Antwort von TNH lautet: "Wenn du töten willst, hast du die falsche Perspektive." Sofort danach verfällt er auf ein völlig untaugliches Bild ("Stell dir vor, du wolltest eine Wolke töten?" - heh, wer will das?), um die Sinnlosigkeit des Unterfangens zu unterstreichen - die Wolke würde zu Schnee oder Regen. Dann behauptet er, die "Energie zum Töten" enstpränge der Unwissenheit, und führt die üblichen anderen Schlagworte an: Ärger als Motivation und die Tatsache, dass bereits die Absicht zu töten falsch sei. Schließlich führe das Töten zu viel Leiden. Und das bezieht TNH konkret in einer Ursache-Wirkungs-Kette auf den Tötenden, indem er die Mörder von Prominenten anführt, die von Martin Luther King, Mahatma Gandhi, John F. Kennedy und Jesus. Mit den großen Namen hat er es ja gerne, aber er muss sich nicht sorgen, ich glaube nicht, dass irgendjemand TNH umbringen will, und seine Bedeutung in der Geschichte ist verschwindend gering im Vergleich zu den anderen vier Genannten.
   Es lohnt eine genaue Betrachtung von deren Mörder Schicksal, denn was TNH macht, ähnelt dem, was der Ole Nydahl tut, und man findet eine solche Ausdrucksweise und Denke dann auch immer wieder bei deren Schülern, sie entlarven sich regelmäßig auf diese Weise in anonymen Foren: Es wird auf simple Weise propapiert, dass jeder, der etwas im buddhistischen Sinn Übles tut, dafür schwer leiden und seine Strafe bekommen wird. Das kann man leicht tun, da viele Menschen mit hoher Wahrscheinlichkeit früher oder später sowieso erkranken oder in irgendwelche persönlichen oder beruflichen Schwierigkeiten geraten; eine solche Prognose hat also den Wert eines Horoskops.
   Der Mörder von King hieß James Earl Ray. Er wurde 70 Jahre alt und starb im Gefängnis an Hepatitis C. Schon wenige Tage nach seinem Geständnis, dass er auf Anraten seines damaligen Anwaltes ablegte, um der Todesstrafe zu entgehen, widerrief er. Bis heute gibt es Menschen, die daran glauben, dass ein anderer den Mord selbst begangen hat. Hinsichtlich der Mörder von Kennedy ist dies ähnlich.
   Der mutmaßliche Mörder von John F. Kennedy, Lee Harvey Oswald, wurde tatsächlich zwei Tage nach der Tat selbst erschossen, vom ehemaligen Nachtklubbesitzer Jack Ruby, der nur ein paar Jahre später im Gefängnis den Folgen seines Lungenkrebses erlag. Auch um diese Morde ranken sich Ungereimtheiten und Verschwörungstheorien.
   Der Mörder Mahatma Gandhis ist nun ein besonders pikanter Fall in Hinsicht auf TNHs simple Vergeltungsthesen. Er hieß Nathuram Godse und handelte wohl aus nationalistischen Motiven (Gandhi war in einen Hungerstreik getreten, weil seine Regierung eine Riesensumme nicht an Pakistan auszahlen wollte). Nathuram Godse wurde zum Tode verurteilt und knapp zwei Jahre nach seiner Tat gehängt. 
   Es ist schwer möglich, das Schicksal all dieser Mörder in einem Atemzug gleichzuschalten. Ray wurde im Gefängnis alt, ein möglicherweise geisteskranker Mörder (Oswald) von einem anderen Geisteskranken (Ruby) vielleicht aufgrund eines Geheimdienstkomplottes getötet, wobei Letzterer wohl sowieso an Lungenkrebs gestorben wäre. Gandhis Mörder jedoch wurde offiziell hingerichtet, und da sich TNHs These ja gegen jedes Töten richtet, hätte er in diesem Fall eigentlich weiterdenken und -fragen müssen: Was passierte denn mit Godses Henkern? Führten sie womöglich ein angenehmes Leben in Saus und Braus? Und was ist aus Pakistan geworden? Hat Godse vielleicht mehr Weitsicht besessen als Gandhi? Handelte er tatsächlich aus Unwissenheit (ignorance)?

Hunderte von Jahren an Tradition stecken in der ostasiatischen Kampfkunstlehre, die ein System entwarf, ein notwendiges Töten (aus Notwehr oder Nothilfe, wie wir es gerade bei der Bekämpfung der ISIS-Rebellen benötigen) so zu erlernen, dass es gerade nicht aus Ärger oder Hass geschieht. Dies ist auch eine der Voraussetzungen, um spätere Kriegstraumata zu vermeiden. TNH kommt natürlich nicht aus der japanischen Zen-Tradition, wie wir schon daran erkennen, dass er auch noch anmerkt, heutzutage würden viele sogar versuchen, den Buddha zu töten (was wir ja nach Meinung Linjis sogar tun sollten). Doch kann man auf der Basis der Gleichsetzung eines Menschenlebens mit einer Wolke keinen brauchbaren Humanismus bauen. Stattdessen postuliert TNH wie üblich Dualismen: Das eine (töten) sei nun mal nicht ohne das andere (Leiden) zu haben. Obgleich wir doch wissen, dass Nicht-Töten (von Aggressoren) in der Folge ebenso Leiden auslösen kann.
   Was TNH nie erkannt hat ist, dass es - wie ich übernächste Woche beispielhaft aus Joshu Sasakis Nachlass zitieren werde - beim Töten um das Bewusstsein geht, dass ich damit auch mich (mein Selbst) töte. Dies fängt damit an, dass wir Pflanzen zum Essen töten (ein peinliches Problem, dass selbst von buddhistischen Veganern oder Vegetariern gern ausgespart wird) und hin und wieder Ungeziefer beseitigen. Wir sollten zunächst verstehen, was wir da tun und wie wir das "richtig" tun können, damit wir erkennen, dass es auch eine Notwendigkeit geben kann, das Töten auf Menschen auszuweiten. Die Folgen des Leidens, die TNH anspricht, sind Wohlstandsleiden, solche des Geistes, und in nebulösen (und sachlich teils falschen) Andeutungen macht er seinen Zuhörern natürlich noch Angst vor möglichen körperlichen Leiden. Dass genau diese etwa nun die Opfer in Syrien und im Irak erleiden, gerade weil es ihnen nicht gelang, die Aggressoren zu töten, das fällt ihm nicht ein. 
   Es gibt Leiden für TNH nur deshalb ausschließlich und zwangsläufig, weil ER SELBST nicht in der Lage ist, sein Selbst zu töten, wenn er z.B. ein Tier tötet. Darum lässt er es lieber. Dies sagt nichts über die Dimension unserer Zen-Übung aus, sondern nur, dass TNH an einem bestimmten Punkt stehengeblieben und am Zen gescheitert ist. Ich gehe davon aus, dass seine Antwort nicht mal den vorpubertären Jungen überzeugen konnte, der ihm die Frage stellte.

Der Moment, wo Martin Luther King tatsächlich lebte, kommt nach Min. 29, wo das Mädchen ihren Stuhl räumen und das schwarze Kleinkind Platz nehmen möchte. Doch TNH fordert sie scharf auf, sich wieder zu setzen.



[P.S.: Michael Trigilio geht in seinem Film "Bodhisattva Superstar" (2010) offenbar auch auf unangenehme Erfahrungen ein, die er als ein im Orden TNHs Ordinierter machte. Die DVD könnt Ihr hier bestellen. Ein etwas dröger längerer Auszug findet sich hier.]

Kommentare:

  1. In einem interview spricht Chan Khong darueber wie auch sie und andere Moenche frueher (im ausland) nicht ihre haare schnitten und normale kleidung trugen. Sie macht dann folgende aussage: "...because when a monk wears non-monk clothing, it's fake. And when it's fake, it will not inspire confidence."




    AntwortenLöschen
  2. nachlesbar hier:

    http://www.ic.sunysb.edu/Clubs/buddhism/dailylife/khong.html

    AntwortenLöschen
  3. Dann müßte ja folgendes Bild http://i1.wp.com/zeninthecity.org/wp-content/uploads/2015/03/9215363851_83f942d7bc_z.jpg?resize=720%2C340 von der Seite http://zeninthecity.org/letture/letture-thich-nhat-hanh/la-felicita-e-adesso-intervista-a-thich-nhat-hanh/ ein echter Skandal sein ...

    Es zeigt die langhaarige Chan Kong und TNH 1973, also in dem Jahr, wo sein Zen-Buch "Clefs pour le Zen" erschien, auf Deutsch im Herder Verlag 1996 erschienen als "Schlüssel zum Zen - Mit einer Einführung von Philip Kapleau".


    Nachdem ich mit durch diesen Blog rückwärts arbeite, auf den ich vor zwei Tagen gestossen bin, möchte ich den Kommentar zu diesem Blog eintrag dazu nutzen, mal ein paar Hinweise auf TNH's "Zen" zu geben ...

    Auf Seite 30 der deutschen Ausgabe von "Schlüssel zum Zen" schreibt TNH: "Ich war sechzehn Jahre alt, als ich in das Zen-Kloster Tu Hiêu in der Kaiserstadt Hué eintrat."

    Auf Seite 100 verweist TNH auf die "... Zen-Klosterregeln. Diese wurden als Po Chang Ts'ing Kuei bezeichnet und waren die Regeln mittels derer sich die Zen-Tradition vollständig von den Klöstern der Vinaya-Schule absetzte."

    Am Ende des Buches finden sich schließlich die "Dreiundvierzig kung-an mit Glossen und Strophen von Tran Thai Tong (1218-1277)"

    Nach dem Lesen der Einträge in diesem Blog ist mir klar geworden, was für einen Griff in's Klo ich mit diesem Buch geschafft habe ... Daher ein herzliches Dankeschön für die Bücher des "Landstreichers" Kodo, die du verlegst!

    AntwortenLöschen

Das Sichten und Freischalten der Kommentare kann dauern.