Mittwoch, 30. April 2014

Slavoj Zizek kritisiert den Buddhismus


Wer Englisch kann (obwohl er, wie ich und Slavoj Zizek das Wort "sword" lange falsch aussprach), der wird an des Philosophen folgender Kritik am Buddhismus seine Freude haben, sofern er Dinge unterschreiben kann, die auch hier im Blog oft ein Thema waren:

   - es ist ein Irrglaube zu meinen, durch ethisches Tun würde Nirwana erreicht, bzw. Erleuchtung erlangt zu haben würde bedeuten, man sei ein tugendhafter Mensch (Zizek lobt hier D.T. Suzuki und das Zen, weil diese einem solche Illusionen nehmen - "ein Erleuchteter kann auch ein Folterer sein");
   - die große Schwäche buddhistischer Praktizierender liegt in ihrer Selbstbezogenheit, statt sich anderen selbstlos zuzuwenden ("encounter");
   - der grundsätzliche Irrtum des Buddhismus bestünde darin, dass die Menschen alle nicht leiden wollten, im Gegenteil würden sie - Zizek benutzt den Film Noir und das Verlieben als Beispiele - das Leiden zuweilen sogar suchen: die Fähigkeit und Neigung zum Scheitern ("fall").

Zizeks neurotische Körpersprache und seine Übersprungsgesten sind ein Fall für den Analytiker, wenn auch vielleicht nicht für den Lacanschen Schlages. Jacques Lacan, dem Zizek weitgehend folgt, war der Meinung, dass Begehren als grundsätzlicher Mangel den Menschen kennzeichnet. [Video-Link musste geändert werden.]



Im zweiten Video ab etwa einer Stunde spricht Zizek ein weiteres Problem an, nämlich das Bodhisattva-Ideal, dem er wegen eines Minimums enthaltener Transzendenz zu misstrauen scheint (da der Bodhisattva doch in der gleichen Realität bliebe wie alle anderen auch), vor allem aber weil dieser vorgäbe, ein Opfer zu bringen: das eigene Nirwana wird zurückgestellt, um andere zu retten. Aus der Innensicht des Zen will ich ergänzen, dass dies aus einem einfachen Grund nicht möglich ist und auch das Bodhisattva-Ideal nichts weiter als eine spielerische und auf den ersten Blick rührende Metapher ist, wie sich so viele schon im Palikanon finden.

Um ein Bodhisattva zu werden, muss man in der Mahayana-Tradition schon einen solchen Grad der Einsicht erlangt haben, dass dieser mit Nirwana gleichzusetzen ist. Der Bodhisattva ist erwacht. Da das "Heilsziel" erreicht ist, gibt es auch nichts mehr zurückzustellen (dies würde z.B. implizieren, dass da bewusst eine Wiedergeburt gewählt werden könnte, statt aus dem Kreislauf des Werdens ausgestiegen zu sein - womit wir bereits angedeutet sehen, dass dieser Wind eher vom tibetischen Buddhismus her weht). Es gibt mit anderen Worten kein Zurück mehr, wenn man erwacht ist, es gibt nichts zurückzunehmen oder zurückzustellen. Man sollte sich darum auch von dem entsprechenden Bodhisattva-Gelübde, das formelhaft rezitiert wird, verabschieden, denn es ist nichts weiter als eine hohle Floskel. Gemeint ist jedoch etwas, das der oben erwähnten Kritik entgegenwirken könnte: das Hinwenden an andere, um deren Leiden zu erleichtern, bis man selbst ins Gras beißt.

Am Ende des unteren Videos gibt Zizek zu, dass er gegen eine persönliche Tiefenanalyse ist, wir würden da nur Scheiße in uns entdecken; Zizek will darum eher an der Oberfläche bleiben. Diesen Vorwurf machen ihm dann auch einige seiner Kritiker. In der Tiefe der Zen-Erfahrung könnten wir entdecken, dass Moral zu unserem innersten Wesen gehört und wir uns gar nicht die Frage stellen müssen, warum ("why?") wir "etwas Gutes" tun sollten.

[Zizeks Weltbild ist ansonsten mit Vorsicht zu genießen und kommt recht krude daher.]




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