Montag, 7. April 2014

Ein abschließender (?) Nachtrag zum Unbuddhisten


[Foto: Keller/Anlong Pi]

Wegen dessen Leseblindheit und Zensurhanseleien stelle ich zu einem Diskussionsbeitrag auf dem Unbuddhisten unten - leicht verändert - jene Antwort ein, die Matthias Steingass, der meditierende Y-Buddhist, mit den Worten "schreib was zum Thema" gekürzt woanders hin in seinem Blog verschoben haben wollte, worauf ich keinen Bock hatte. Steingass bevorzugt Diskussionen ad hominem. Alles, was diesem zuwiderläuft (z.B. das Benutzen diverser Usernamen, was im Fall meiner Kommentare damit zusammenhängt, auf welchem Account, Google oder Wordpress, ich gerade eingeloggt bin) stört ihn dabei, personenbezogene Thesen aufzustellen wie die der Unmoral. Im Grunde soll mir das recht sein, da ich selbst solche Personendebatten hier immer wieder anstoße, allerdings behaupte ich auch nichts Gegenteiliges (wie es Matthias tut, indem er anderen solche vorwirft und damit unterstellt, er würde es anders/besser machen). Was er nicht verstanden hat ist, dass die von mir in Anführungszeichen gesetzte "höhere Moral" ebensogut eine "tiefere Moral" genannt werden könnte. So etwas ist nicht mit Spekulativem (Nicht-Buddhismus) und Worten zu klären, sondern mit Taten. Y-Buddhisten wollen  lieber Fragen stellen. Das hier sind ethische Fragen: Hat Matthias einen Organspenderausweis, teilt er sein Geld/seinen Besitz mit anderen, von wie viel meint er leben zu müssen?
   Liebe Leser, stellt den Y-Buddhisten konkrete Fragen! Ad hominem. Denn der Y-Buddhist drückt sich, wie wir gleich lesen werden, gern um die Antworten (nicht aber um Anschuldigungen). Die überzeugendsten Antworten in ethischer Hinsicht werden letztlich mit Taten gegeben.
   Das Thema des oben verlinkten Diskussionsthreades ist, wie man an dem erkennt, was ich aus Matthias' und Glen Wallis' Texten zitiere, mit meiner Antwort genau getroffen. Aber es gibt Dinge, die Matthias Steingass nicht hören will, weil sie sein Konzept (zer)stören.
   Ich rate, den Y-Buddhisten mit gesundem Misstrauen zu begegnen. Sie pressen alles in ein begrenztes Gedankenkorsett. Andere sollen dann dafür herhalten, dieses Korsett zu stützen, indem man sie nur mit den Vorurteilen der eigenen Weltanschauung wahrnimmt. Man sollte sich sowieso vor großspurigen Moralaposteln hüten, wie wir am aktuellen Beispiel Alice Schwarzer sehen. Ihre Ansichten sind einseitig und werden den Grauzonen des Lebens nicht gerecht.

Hier also mein vollständiger Beitrag, wie er im "Unbuddhisten" erscheinen sollte. Die Zensurmaßnahmen (Auslassungen) von Matthias Steingass geben Aufschluss über seine Motivation.

(Die vielen "Ich"s im folgenden Beitrag bitte ich zu entschuldigen, es handelt sich im Grunde um eine Gegendarstellung.)
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"Guido Keller, Alfred Weiss, Sogen Ralph Boeck, Wilfried Reuter"

Arggh, was für eine Reihe. Behauptet wird, diese Leute würden "großmäulig für sich in Anspruch nehmen Buddhismus zu definieren" und "immer vom so genannten Dharma ausgehen und von dem aus die Welt beurteilen".

Ich behaupte von mir das Gegenteil. Ich habe nicht viel mit Buddhismus zu tun, sondern mit Zen, und das ist nach Ansicht sogar einiger Religionswissenschaftler kein Buddhismus mehr (schon gar nicht, wenn man ihn so betreibt wie ich, ohne Kleider- und Sitzzwang, Ritual, Hierarchie und letztlich ohne Buddha, mit ständiger Kritik auch des Palikanon usf.). Wenn ich vom Dharma rede, dann in den entsprechenden Foren, wo man sich dafür interessiert und diese Sprache spricht. Die meisten Menschen außerhalb dieser Szene, die mich kennen, wissen nicht mal, dass ich im Zen stehe. Meine Ansichten werden deshalb auch regelmäßig z.B. von den anderen drei Genannten nicht geteilt, da ich im Gegenteil vom Leben her den Dharma kondensiere, nicht umgekehrt. Ergo: Nahtoderlebnis führt zur Ansicht, dass mit dem Tod alles zuende ist (contra Reinkarnation). Armut und Phlegmatismus in bereisten und erlebten Theravadaländern führt zur Ansicht, dass der alte Buddhismus dem Fortschritt der Gesellschaft schadet und seiner Unterdrückung entgegenkommt (contra Versöhnung der buddhistischen Schulen). Gewalterfahrungen mit Kriminellen, asozialen Jugendlichen und Begegnungen mit Soldaten führen zur Ansicht, dass man auch töten können sollte, um sich und andere zu schützen (contra sila - Regeln). Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Lüge (tun wir alle) und Sexualität (Zölibat funktioniert nicht und macht neurotisch) führen zu weiterer Kritik an Gelübden und "Geboten".

Ferner: In der Zenszene des Westens ist es üblich, sich vom Ausmaß des Zazen beeindrucken zu lassen. Es gibt eine Ansicht, dass das, was eigentlich "für nichts gut ist", also ziel- und illusionsfrei geübt werden soll, einem Zweck zu dienen hat, nämlich das entscheidende Merkmal des Zenbuddhisten zu sein (typische Frage: Sitzt [=übst] du denn auch?). Hier in diesem Blog wird mit Verweis auf die Forschungsergebnisse zum frühen Zen (Chan) und die Lektüre des Späteren das Gegenteil behauptet. Insofern wird sogar die "Praxis" der Y-Buddhisten in Frage gestellt. Dass sich dies religionshistorisch herleiten lässt, ist eher ein glücklicher Zufall, der bei der internen Diskussion unter Buddhisten eine besondere Rolle spielen kann.

Was du (Matthias) wahrscheinlich nicht weißt ist, dass ich mich auch gegen einige offizielle Stellungnahmen von DBU-Buddhisten wie die gegen die Stammzellenforschung u.ä. gestellt habe. Klar kann ich das ggf. vom Dharma her begründen, aber das ist nur ein Spiel, weil es auch die anderen spielen, ihnen zu sagen, ihr zitiert doch nur selektiv. Sonst kommen sie mit dem Pauschalargument: 'Was du sagst, ist kein Buddhismus.' Ich kann also auf dieser Ebene kontern, damit es selbst von da aus Alternativen gibt. Tatsächlich geht es um wissenschaftliche Perspektiven. Ich setze solche Möglichkeiten vor irgendwas Geschriebenes oder Überliefertes.

"Shimano-Bashing" habe ich gesagt, weil du irgendwann mal hier oder im Buddhaland "ad hominem", was du ja selbst kritisierst, über ihn hergezogen bist. Klar, du hast das Archiv im Rücken, aber mir behagt das nicht, wenn sich aufgrund öffentlicher Vorwürfe, die nicht mal gerichtlich bestätigt sind, eine solche Dämonisierung von Personen breit macht (siehe gerade auch Woody Allen). Einige Teilnehmer auf Sweeping Zen, die sich als Betroffene outeten, haben meine schlimmsten Befürchtungen bestätigt, was die Verantwortlichkeit der Schülerinnen selbst angeht. Erst lassen sie sich auf Sex ein, nachher wollen sie es nicht gewesen sein. Viele Männer kennen das aus ihrem Privatleben, spätestens wenn sie von sich aus mit einer Frau Schluss machten (und nicht umgekehrt).

"Glaube an den historischen Buddha; Glaube an die Reise nach innen mittels Meditation; Glaube an eine unabhängige eigenständige Persönlichkeit, die unabhängig von der Gesellschaft existiert in der sie lebt; Glaube an magische Mittel; Glaube an Insignien wie Roben, Amtstitel, jahrelange Praxis, den Dharma als Allumfassendes Wissenskompendium über das gesamte Universum (Buddha wusste schon über Quantenphysik Bescheid…), Glaube an die Übertragung etc. pp."

Glaube ich jedenfalls nicht. Das sei hiermit, wenn auch nicht zum ersten Mal, deutlich gesagt. Mir stellt sich da die Frage, ob du selbst wirklich liest, was andere schreiben.

"Non-Buddhismus stellt die Frage, wie sehen diese Ideale und Werte aus? Er gibt keine Antwort. Das ist noch eine Differenz zwischen X und NON."

DAS ist auch eine Differenz zwischen NON (Y-Buddhismus) und mir (Z). Um es mit deinen Worten zu sagen: Ich denke, dass die, die sich vor Antworten drücken, "sich was vormachen". Wie Jonas schon sagte, gibt man die Antwort mit seinem eigenen Dasein, Verhalten, Schreiben usf. Es ist allerdings erkennbar, dass du mit der klaren Wertung Shimanos eine ganz dezidierte Antwort gegeben und nicht nur Fragen gestellt hast.

"X-Buddhismus zeichnet sich u.a. dadurch aus, dass er, zugespitzt ausgedrückt, eine Zettel an der Wand wo einer was draufgekritzelt hast, wichtiger nimmt als die Integrität einer Person."

Z(en)-Buddhismus traditionell nicht. Da setzt dann wieder dein Abwehrreflex ein, es gäbe keinen authentischen Buddhismus. Aber es gibt eine historische Entwicklung im Zen. Der Zettel an der Wand war früher der Mensch VOR der Wand, wie im Bodhidharma-Mythos. Auch Koan erzählen von Integrität, die Zenadepten verstehen darunter aber möglicherweise nicht das Gleiche wie du, und auch Nicht-Zennies dürften mit dir nicht immer übereingehen. Was du meinst sind also Fehlentwicklungen, die im Zen auch schon immer Kritik hervorriefen, z.B. gab es immer wieder solche Lehrer, die die Geld- und Statusgeilheit der Bonzen angriffen. Und heute gibt es die genannten Archive, und selbst wenn man Integrität wie du verstünde hat man den Beweis, dass offenbar die Mehrheit der Adepten abspringt, wenn Vorwürfe wie in den Shimano- und Sasaki-Archiven laut werden.

Ich habe euren anderen Blog eine Weile mitgelesen und mich auch geäußert. Über TNH habe ich ja schon vor Tom Pepper geschrieben und mit Sicherheit aufwändiger recherchiert als er. Das Grundanliegen von Glenn Wallis und seinem "spekulativen Non-Buddhismus", dabei bleibe ich, ist der Ausgangspunkt von Zen, und ich denke, dass Wallis wie Pepper da eine Bildungslücke haben, weshalb sie meinen, sie würden was Neues tun, wenn sie fordern: "I commission, hence, enable,  the  postulate of requisite disenchantment."
Disenchantment ist Ent-Täuschung, das Hauptanliegen des Zen seit Anbeginn."

***

Weitere zentrale Topics des Zen, wie etwa die Zirkularität von Zeit, also die Illusion von Vergangenheit und Zukunft, und die gedankliche (Fehl-)Konstruktion eines individuellen Selbstbildnisses, sind Thema der gehobenen Populärkultur in der TV-Serie "True Detective", wo Matthew McConaughey den Philosophenpart spielt. Die letzte Folge der ersten Staffel heißt "Form und Leere".

Kommentare:

  1. Scheisse, keine Kommentare. Wen interessiert's auch? Ein Disput von vor Wochen. Buddhisten leben bekanntlich ganz im Hier-und-Jetzt. Da musst du schon was anderes bringen, um die hinter dem Brett vorm Kopf hervorzulocken.

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  2. Im Fortgang der Kommentare dieses Threades im Unbuddhisten hat sich, wie ich gerade las, dieses widerliche Verleumden noch fortgesetzt und ein marxistisch-feministischer Duktus manifestiert. HIer wird das Hervorheben von Shimanos Erkenntnissen und seiner Zenarbeit bei gleichzeitiger Kritik des sich aus der Verantwortung Stehlens seiner Schülerinnen verwechselt mit einer Defensivhaltung und Rechtfertigung von Shimanos Ehebruch (die ich selbst als Kern der buddhistisch möglichen Kritik, wenn man sich schon auf die sila beruft, herausarbeitete). Diese Dummdreistheiten auch des Trittbrettfahrers Christopher Hamacher, der ja nun durch den Haftbefehl TTS nochmal die unterschiedlichen Dimensionen dessen, was ich hier verhandele und was andere anderswo verhandeln, um die Ohren geklatscht bekommt, erübrigen auch meine weitere Beteiligung an diesen Blogs.

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  3. Es muss auch nicht immer Kommentare geben, es kann auch interessant seine einen Text zu lesen (und dieser Text is interessant), ohne dass man gleich anfängt zu diskutieren. Jonas

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  4. Ich denke, wir sind uns einig, dass aus der Gruppe der "Unbuddhisten" (oder Y-Buddhisten, wie ich sie nun nenne) interessante und geistreiche Impulse kommen, die den genannten "X-Buddhisten" zu tieferer Einsicht verhelfen könnten, wenn diese dafür offen wären. Wo ich Bedenken habe: die Pauschalierungen und die offenbar (zumindest bei einigen) dahinter stehende Ideologie, auch das je nach Bedarf opportunistische zeitweise Gemein(sam)machen mit den gerade noch kritisierten "X".

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  5. X wie Y-Buddhisten, nur zwei Seiten einer Medaille.

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