Mittwoch, 3. Juli 2013

Warum Reichsein nicht mit Weisheit einhergeht


In Thailand gab es kuerzlich wieder einige Aufregung um Moenche, die zu Geld gekommen sind. Der erste Fall handelt von Berobten, die - sonnenbebrillt und mit iPods hantierend - in einem Privatjet gefilmt wurden. Keine Frage, das geht auch der thailaendischen Bevoelkerung zu weit.

Etwas komplizierter lag die Sache bei den beiden Lottogewinnern aus einem Tempel in Pattaya, die zusammen umgerechnet etwa eine Million Euro einsackten. Vom ersten Gewinner, dem der Loewenanteil zustand, hoerte man zunaechst, er sei ueber 80 Jahre alt und sofort nach Bekanntgabe seines Glueckes "verschwunden". Der zweite Gewinner war gerade erst (fuer die Dauer von zwei Wochen) ordiniert worden, hatte das Los aber vor der Ordination gekauft und scheint so aus dem Schneider zu sein, zumal seine Geschichte die Herzen des Volkes anruehrte: Er wuerde das Geld seiner Mutter geben, ansaessigen Waisenhaeusern spenden und fuer die Suche nach seinem in den USA verorteten Vater verwenden. Weiter hiess es (entgegen dem oben verlinkten Artikel), der aeltere Moench habe sein Los von dem juengeren geschenkt bekommen und sich somit ebenfalls ordensgemaess verhalten.

Solche Faelle sind nicht neu. Erst Ende 2012 gewann ein 60-jaehriger Moench noch mehr und wurde fortan gar von den Losverkaeufern selbst (!) gedraengt, seinen Gewinn mit ihnen zu teilen, was ihn Zuflucht zu einem Anwalt nehmen liess. Sich von Geld zu trennen ist offenbar nicht so leicht.

Ich machte mal einen Tag lang die Probe aufs Exempel und goennte mir jenseits meines bescheidenen Tageslimits ein Shoppingbudget, mit dem ich so einiges kaufen konnte. Ein geiles Gefuehl ist das, zweifellos, wenn man mal aus dem Vollen schoepfen kann. Was mir aber viel mehr Spass machte war, mir vorzustellen, wem ich in dieser Welt mit den erworbenen Dingen eine Freude machen konnte. So wurde das meiste schliesslich verschenkt und in alle Welt verschickt. Gegen Mitternacht sann ich darueber nach. Auch hier im Blog wurde gelegentlich bei meinen kritischen Anmerkungen zur Besitzgier von buddhistischen Raedelsfuehrern die Neidfrage aufgeworfen. 

Meine Lektuere in den vergangenen Tagen bestand aus diversen leicht verdaulichen Buechern von Kreativen aus der Werbebranche wie Paul Arden, Charles Saatchi, Dave Trott und George Lois. Die Titel sind in der Buchhandlung neben solchen von Motivationskuenstlern, Rhetorikern und Boersengurus eingereiht. Im Grunde haben auch die Werber einiges erkannt, was zum Kern buddhistischer Weisheit gehoeren kann, naemlich dass das Leben vor allem aus Niederlagen bestehen kann, von denen man sich nicht unterkriegen lassen sollte, um ein paar grandiose "Siege" zu feiern. Und dass man schon den Arsch hochkriegen muss, wenn man was veraendern will, und kreative Kraft die Dinge und Geschehnisse um einen herum tatsaechlich veraendern kann (okay, das glauben die traditionellen Buddhisten wohl eher nicht und suhlen sich lieber in Textstellen, die ihre Untaetigkeit legitimieren). 

Was jedoch bei den Werberweisheiten ebenfalls durchschien war in beinahe allen Faellen, dass ohne die Chance auf Luxus und Reichtum die Motivation zur kreativen Kunst womoeglich nicht hingereicht haette. Und so ist es auch oft im Buddhismus. Ohne die Hoffnung auf Reichtum wollen viele gar nicht erst Moenche werden, erst recht nicht Laienmoenche. Es muss immer noch ein Weg offen bleiben, am geilen Luxus dieser Welt auch dann teilhaben zu koennen, wenn man sich zeitweise in eher asketischen Uebungen ergeht und der Welt als Lehrer vorgaukelt, man sei unabhaengig, frei und losgeloest. Den Buechern solcher Lehrer fehlt es dann, wie denen der Werber, an entscheidender Tiefe. Dort, wo der Zenmeister raet: "Gehe weiter, immer weiter", sind sie stehen geblieben, selbst wenn sie wie Lois fuer die Freilassung eines Death Rowers auf die Strasse gingen oder wie der Ole aus einem Flugzeug sprangen. Der Ole Nydahl erkennt dann eben nur: "Wenn man die Leerheit des Geistes verstanden hat, so wird man fuchtlos. (...) Ich habe es ausprobiert, und es stimmt." Angst dagegen ist situationsspezifisch. Wer weiss, ob der Lama nicht mit den Thichs in den Himalaya fluechten wuerde, wenn nur genug Leute engergisch etwas von deren Besitz abhaben wollten.

Ich habe mir so eine Art Profiling fuer Buddhisten angewoehnt. An ihrer geistigen DNA kann ich sie sozusagen identifizieren, naemlich am Anteil ihrer Gier. Die Regel, dass einer, der nicht vom Besitz lassen kann, kein "erwachter" Weiser ist, hat so fuer mich im Lauf des Lebens immer wieder Bestaetigung erfahren. Auch die Spendefreudigkeit von Reichen wie Warren Buffet (ueber den ich gerade ein Buch las) und Bill Gates kann darueber nicht hinwegtaeuschen, so vielen Menschen sie helfen mag (in den armen Gebieten, die ich bereise, hat man von deren Hilfsfond freilich noch nie was gehoert). Man schaue sich einfach mal an, was diese Halunken alles brauchen, ehe sie mal auf den Gedanken kommen zu teilen. Ein gutes Beispiel ist auch der verstorbene Steve Jobs, dessen Naehe zum Buddhismus uebertriebene Sympathien unter manchen meiner Glaubensbrueder ausloeste, die sich mit den u. a. von Noam Chomsky benannten Produktionbedingungen fuer Apple ebensowenig vereinbaren lassen wie mit dem staendigen Beduerfnisschaffen nach weiteren noch nicht ausgereiften i-Geraeten, die mit Sicherheit schon in einem Jahr nicht mehr aktuell sind.

Ja, Noergeln ist eine Eltern- und deutsche Tugend. Ich war mal in Thailand, nachdem ein anderer Boersenguru namens George Soros, auch sehr spendenfreudig vor allem in Osteuropa, die hiesige Waehrung durch Spekulationen selbstherrlich in den Keller getrieben hatte. Es geht diesen Grossmaeulern darum, nach Belieben zu entscheiden, wo sie das Geld gerne hinverschieben, stets auf Kosten anderer natuerlich.

Zurueck zum Buddhismus. Neues zum Drogenhandel von Moenchen findet sich hier.

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