Sonntag, 10. Juni 2012

ZEIT ... und RAUM

"Alles, was jetzt zaehlt, ist, dass ich der 'Zeit' neues Leben verliehen habe durch das Abschneiden des Siamesischen Raums und der falschen Zukunft. Mein Ziel war es, eine Art von Novelle in der Form einer Abhandlung ueber die 'Textur der Zeit' zu schreiben, eine Untersuchung ueber ihre schleierhafte Substanz, mit illustrierenden Metaphern, die allmaehlich zunehmen und ganz allmaehlich eine logische Liebesgeschichte aufbauen, vom Vergangenen zum Gegenwaertigen fuehrend, als eine konkrete Geschichte erbluehend und genauso allmaehlich Analogien umkehrend und wieder in reine Abstraktion zerfallend."
   "Ich frage mich", sagte Ada, "ich frage mich, ob der Versuch, jene Dinge zu entdecken, das bunte Glas wert ist. Wir koennen die Zeit wissen, wir koennen eine Zeit wissen. Wir koennen niemals 'Zeit' wissen. Unsere Sinne sind einfach nicht so, dass sie sie wahrnehmen. Es ist wie -"

(Vladimir Nabokov: Ada oder Das Verlangen. Reinbek 1977)

"Die empirische Welt der konkreten Realitaet existiert nur als Idee. Der Begriff des Raumes ist in dieser Vorstellungswelt unbekannt, die Verbindung von Ursache und Wirkung verstuemmelt. Es gibt keine Wahrheiten, sondern nur Ueberraschungen. Unter solchen Umstaenden ist es unsinnig, Disziplinen zu entwickeln, die diese Realitaet interpretieren." 

(J. A. Friedl Zapata im Nachwort zu Jorge Luis Borges "Die Bibliothek von Babel", Stuttgart 1974)

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