Samstag, 2. Juni 2012

Hsu Yun (I):
Schwierigkeiten von Anfängern in der Übung

Die üblichen Symptome der Anfängerkrankheit sind die Unfähigkeit, umherwandernde Gedanken und Gewohnheiten ablegen zu können; die Tiefe ihrer Unwissenheit; das Hindernis von Arroganz und Eifersucht; die Neigung zu Gier, Wut, Dummheit; die Faulheit bei der Arbeit und das Verlangen nach Essen; die Vorliebe für das Schüren von Richtig und Falsch zwischen selbst und anderen. All dies füllt ihre großen Bäuche. Wie können Anfänger da in Einklang mit dem Weg kommen?
   Es gibt andere Arten von Menschen, die in reiche und vornehme Familien geboren werden. Unfähig, ihre Gewohnheiten und weltlichen Makel zu vergessen, können sie nicht die kleinsten Schwierigkeiten und schon gar keine größere Mühsal aushalten. Wie können solche Menschen den Weg praktizieren? Sie haben den Zustand unseres ursprünglichen Lehrers Shakyamuni Buddha nicht bedacht, bevor er das Leben des Haushälters verließ.
   Dann gibt es die Wohlbelesenen, die aber nicht verstehen, dass die Probleme in den Aufzeichnungen der Gespräche unserer Altehrwürdigen dafür gedacht sind, die Verständnisebene von Übenden zu überprüfen. Diese Menschen halten sich für gerissen. Jeden Tag hinterfragen sie die aufgezeichneten Reden und Schriften, formen mit ihrem Mund Worte über Geist und Buddha, interpretieren die Buchstaben der Alten, reden über Nahrung, ohne sie zu essen, zählen die Schätze anderer, ohne solche zu besitzen und denken dabei, außerordentliche Menschen zu sein, wodurch sie ungeheuer arrogant werden. Wenn diese Menschen jedoch ernsthaft erkranken, werden sie nach Hilfe schreien, und am Ende ihres Lebens in Panik geraten und verwirrt sein. Dann ist das, was sie gelernt und verstanden haben, nutzlos, und es wird zu spät sein, dies zu bedauern.
   Dann sind da andere Menschen, die den Ausspruch „Ursprünglich sind wir Buddhas“ missverstehen. Diese Menschen behaupten, das ursprüngliche Selbst sei bereits vollständig, weswegen keine Übung nötig wäre. Den ganzen Tag faulenzen sie, haben nichts zu tun, folgen ihren Launen, verschwenden ihre Zeit. Sie bezeichnen sich selbst als „jenseits von Mustern und Formen“ und folgen nur „Ursachen und Bedingungen“. In der Zukunft werden solche Menschen großes Leid erfahren.
   Dann gibt es Menschen, die ihren Geist auf den Weg ausgerichtet haben, sich selbst aber nicht in der Praxis üben. Sie ängstigen sich vor umherwandernden Gedanken, und weil sie unfähig sind, diese abzulegen, sind sie den ganzen Tag über gereizt und beschweren sich über ihre schweren karmischen Hindernisse. Aus diesem Grund wird ihr auf den Weg gerichteter Geist rückfällig. Manche wollen bis zu ihrem Tod mit ihren umherwandernden Gedanken kämpfen. Wütend verkrampfen sie ihre Fäuste und drücken ihre Brust und ihre Augen heraus. Es scheint, als wären sie in etwas Großes verwickelt. Trotz der Bereitschaft, im Kampf gegen ihr täuschendes Denken zu sterben, gewinnen sie diesen Kampf nicht und enden sogar, indem sie Blut erbrechen oder verrückt werden.
   Dann gibt es solche, die fürchten, der Leere anheimzufallen. Sie wissen nicht, dass in ihrem Geist bereits Dämonen erstanden sind. Sie können ihren Geist nicht leeren und nicht erwachen. Dann sind da diejenigen, die nach Erleuchtung suchen und nicht verstehen, dass diese Suche und der Wunsch, Buddhaschaft zu erlangen, bereits schwer verwirrtes Denken sind. Man kann nicht Sand kochen und hoffen, dann Reis zu essen. Sie können bis zum Jahr des Esels suchen und werden immer noch nicht erleuchtet sein. Manchmal werden sie beschwingt, wenn sie gelegentlich ein paar friedvolle Meditationen gemacht haben. Dies ist wie mit einer blinden Schildkröte, deren Kopf genau durch ein schmales Loch in einem inmitten des Ozeans treibenden Brettes passt. Es ist nicht das Ergebnis wirklicher Übung. In ihrer Freude haben diese Menschen eine weitere Lage Hindernisse geschaffen.
   Es gibt solche, die während der Meditation in falscher Reinheit weilen und sich daran erfreuen. Da sie in der Aktivität keinen friedvollen Geist aufrechterhalten können, vermeiden sie laute Orte und verbringen ihre Tage durchtränkt von abgestandenem Wasser. Dafür gibt es viele Beispiele. Für Anfänger ist es sehr schwer, den Eingang zum Weg zu finden. Wenn da Erhellung ohne Gewahrsein geschieht, dann ist das wie in verdorbenem Wasser zu sitzen und auf den Tod zu warten.
   Selbst wenn diese Übung hart ist – hast du einmal den Eingang zum Weg gefunden, wird sie einfacher. Was ist der einfachste Weg für Anfänger? Da ist nichts Besonderes außer der Fähigkeit, es abzulegen. Was abzulegen? Allen Verdruss, der aus Unwissenheit entsteht. Mitübende, wenn einmal euer Körper zu atmen aufhört, wird er zur Leiche. Der Hauptgrund, warum wir ihn nicht ablegen können, liegt darin, dass wir ihm zu viel Bedeutung beimessen. Dann geben wir dem Gedanken von selbst und anderen, richtig und falsch, Liebe und Hass, Gewinn und Verlust Nahrung. Wenn wir aber einen festen Glauben daran haben, dass dieser unser Körper wie ein Leichnam ist, wenn wir ihn nicht schätzen und nicht für unser halten – was gibt es dann, das wir nicht ablegen könnten? Können wir es jedoch ablegen, dann wird alles kühl und still, mit nichts als dem einzigen Zweifel des Huatou, jederzeit und überall, ob wir gehen, stehen, sitzen oder schlafen, ob in Bewegung oder nicht, ob ruhend oder aktiv, ob innerlich oder äußerlich. Wenn wir friedvoll und ununterbrochen fortfahren, ohne einen unwesentlichen Gedanken, dann wird sich unser Zweifel ohne eine Spur oder einen Ton auflösen, als käme er mit der scharfen Schneide eines langen Schwertes in Kontakt, das sich bis zum Himmel ausdehnt. Warum sollte da Furcht vor umherwandernden Gedanken sein?

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