Samstag, 18. Dezember 2010

Die 10 Schüler Buddhas (VII): Upali

7.      Upali: Hervorragend in der Einhaltung der Regeln

Vom Barbier zum Mönch
Fast alle Schüler, die bis jetzt in dieser Serie vorgestellt wurden, waren Nachkommen aus aristokratischen Familien. Upali hingegen war anders. Als Abkömmling der Shudra-Kaste war er ein Barbier. Später wurde er für sein sorgfältiges Verständnis und die genaue Ausübung der Regeln Shakyamunis berühmt.
   Es gibt verschiedene Gründe, warum sich Upali für das religiöse Leben entschieden hat. Einer Darstellung zufolge war er ein gewissenhafter Barbier, der hart für die Shakya-Kaste arbeitete. Als Shakyamuni sechs Jahre nach seiner Erleuchtung in seine Heimatstadt zurückkehrte, hatte Upali die Ehre, ihm den Kopf zu rasieren. Von Shakyamunis Aura völlig hingerissen, flüsterte Upali: „Wie wunderbar muss es sein, ein Schüler dieses bewundernswerten Menschen zu sein.“
   Aus Anlass dieses Besuchs drängte Shakyamunis Vater, König Sudhodana, mindestens ein Mitglied jeder Familie dazu, das weltliche Leben aufzugeben und Schüler seines Sohnes zu werden. Viele fügten sich dem Wunsch des Königs. Upali beobachtete sie mit Tränen in den Augen und ihm wurde klar, dass seine Zeit als Barbier nun zu Ende war. Upali war entschlossen, ihrem Beispiel zu folgen; er wurde Mönch.

Der Geist der Gleichberechtigung
Laut einer anderen Darstellung begleitete er sechs junge Männer der Shakya-Kaste, die sich entschieden hatten, Mönche zu werden. Unter ihnen war auch Ananda, einer der zehn Hauptschüler Shakyamunis. Als sie sich auf dem Weg befanden, sagten die anderen zu ihm, er solle mit ihrem Gepäck wieder zurückgehen. Er war sehr verunsichert und dachte: „Wenn ich jetzt alleine zurückgehe, werden mich alle kritisieren. Sie werden mich fragen, warum ich dabei versagt habe, die anderen sechs davon abzubringen, Mönch zu werden. Statt mich kritisieren zu lassen, kann ich genauso gut das religiöse Leben aufnehmen und alleine dem buddhistischen Weg folgen.“ Daraufhin eilte er zu Shakyamuni, kam sogar noch vor den anderen sechs an und wurde mit Buddhas Erlaubnis zum Mönch.
    Es heißt, dass einer von den sechs jungen Männern forderte, Upali solle die Regeln zuerst erhalten. Shakyamuni stimmte dem zu, da er selbst den althergebrachten aristokratischen Stolz kritisierte und demonstrieren wollte, dass der buddhistische Orden – im Gegensatz zum traditionellen Kastensystem – die Gleichheit aller Menschen proklamiert.
   Als Mitglied des Ordens übte Upali mit der gleichen Gewissenhaftigkeit, die er sich bei seiner Arbeit als Barbier angeeignet hatte. Upali forderte von Shakyamuni die Erlaubnis, sich selbst im Wald züchtigen zu dürfen, weil er ungeduldig darauf wartete, die Erleuchtung zu erfahren. Obwohl er Upalis Enthusiasmus schätzte, versuchte Shakyamuni ihn auf folgende Weise zur Vernunft zu bringen: „Upali, stell dir einen großen Teich vor. Für Elefanten ist das ein sicherer Ort, doch für kleinere Tiere ist er furchterregend. Die Lebewesen, die nachlässig in den Teich eintauchen, können plötzlich ertrinken. Mit der Disziplin ist es das Gleiche.“
   Indem man Kinder Schritt für Schritt herausfordert, lernen sie spielerisch, besser zu werden. Shakyamuni sagte, dass in der Dharma-Übung große Dinge von denjenigen erreicht werden, die stufenweise vorgehen. Auf eine leicht verständliche Art und Weise erklärte er dem unerleuchteten Upali die große Schwierigkeit der religiösen Disziplin. Upali nahm sich die Erklärung zu Herzen und verstand – nachdem er sich von seiner Ungeduld befreit hatte – die Wichtigkeit, sich immer wie ein Mönch in der Ausbildung zu verhalten.

Die schwangere Nonne
Tatsächlich durchzog Upalis neue Einstellung, sich immer wie ein Mönch in der Ausbildung zu verhalten, seine ganze Art zu leben. Er widmete seinen Körper und Geist mehr als jeder andere dem Verständnis und der Ausübung der Regeln und gewann Shakyamunis volles Vertrauen. Immer wenn ein Problem im Orden aufkam, suchten seine Gefährten seinen Rat und seine Entscheidung. Einmal bat ihn Shakyamuni, zu bestimmen, ob sich eine Nonne, die schwanger wurde, der Regelverletzung schuldig gemacht hatte: „Upali, löse dieses Durcheinander auf eine Weise, die jeden überzeugt.“
   Upali veranlasste einige weibliche Gläubige, die Schwangere genauestens zu untersuchen, um herauszufinden, im wievielten Monat sie war. Sie fanden heraus, dass die Empfängnis vor ihrem Eintritt ins Kloster stattgefunden hatte. Sie wusste zu jenem Zeitpunkt nicht, dass sie schwanger war. Upali befand sie der Regelverletzung für unschuldig. Glücklich, den Verdacht abgewendet zu haben, gebar die Nonne später einen gesunden Jungen. Da es für die Frau, aufgrund ihrer Position als Nonne, unmöglich war, den Jungen selbst großzuziehen, nahm ein König die Verantwortung auf sich, das Kind aufzuziehen. Als erwachsener Mann wurde ihr Sohn ebenfalls einer von Shakyamunis Schülern und ein aktiver Mönch, der für seine Redegewandtheit bekannt war. Der gewissenhafte Upali  entwickelte sich durch das Studieren der Regeln und das Lösen von Problemen unter Anwendung dieser Regeln zu einem Mönch mit hohen Kräften. Wenn Hilfe benötigt wurde, dann schlichtete er, um die Ordnung in der Gruppe zu erhalten.

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