Direkt zum Hauptbereich

Posts

Joshu Sasaki: "He du, geh da rüber!" (Dankesrede 14.06.96)

  Dankesrede: Dendo Kyokai Award (für die Verbreitung des Buddhismus) von Denkyo Joshu Sasaki Roshi 14. März 1996 (Japan)     Ich bin der dreißigste Empfänger der Auszeichnung für verdienstvolle Leistungen. Mein Name ist Sasaki. Der Grund, warum ich nach Amerika ging, war, dass der Kancho des Myoshin-ji es mir befahl. Er sagte einfach: „Hey, du! Geh da rüber!“ Ich sollte einen Zweigtempel des Myoshin-ji in Amerika errichten. Ich war sehr arm und dachte, ich könnte Geld bekommen, wenn ich nach Amerika ginge, also war ich sehr froh darüber. Wenn man von der „Verbreitung des Buddhismus“ oder der „Weitergabe des Buddhismus“ spricht, ist das Einzige, was man so nennen kann, tatsächlich gelebter Buddhismus; ein Leben zu führen, das selbst Buddhismus ist. Was ich also praktiziert habe, seit ich nach Amerika gegangen bin, ist, den Buddhismus zu leben. Ich habe nichts anderes als das getan. Die Tatsache, dass durch meinen Unterricht zehn oder mehr Zen- Zentren e...

Weitere interessante Zitate aus der Zen-Tradition

"Lasst andere Zen lehren. Ich kam nach Amerika, um das Lachen zu lehren." "Es gibt keinen Gott und er ist stets bei dir." "Jeder will gern in den Himmel kommen. Aber dort gibt es keine Klos." (alle von Joshu Sasaki) *** "Zuerst erwache selbst, dann suche jemanden auf." [Mit diesem Beitrag soll auch des Übersetzers Thomas Cleary gedacht werden, der 2021 verstarb und meine Kenntnis der Zen- und taoistischen Literatur mitprägte. Hier Auszüge vorwiegend aus Minding Mind , Boston 2013.] "Spontanes Erwachen und Kultivierung der Praxis finden nicht in der Stille statt. Wenn du von Anfang bis Ende ein Anhänger der Stille bist, wirst du verwirrt. (...) Wenn Übung vor dem Erwachen kultiviert wird, dann wirst du selbst bei unermüdlichem Bemühen einen Zweifel nach dem anderen anhäufen." "Es gibt eine Kategorie derer, die zuerst erwachen und dann praktizieren ..." "Wissen, das keinen Lehrer hat ..." "Erwachen erlangen, ohne...

Dasui Fazhen („Shenzhao“, 878-963)

  Dasui war ein Schüler von Guishan und Changqing Da’an und übte u. a. auch mit Dongshan Liangjie. Er soll lange Zeit in einem großen hohen Baum seine Unterkunft gehabt haben. Guishan fragte Dasui: „Du hast nun eine gewisse Zeit mit mir praktiziert. Warum hast du nie eine Frage gestellt?“    Dasui erwiderte: „Was sollte ich dich denn fragen?“    Guishan sagte: „Du könntest fragen: ‚Was ist Buddha?‘“    Dasui bedeckte sogleich Guishans Mund mit seinen Händen.    Guishan rief kurz danach aus: „Du hast wahrlich das Mark erlangt.“ *** Ein Mönch fragte Dasui: „Was ist das Zeichen eines großen Menschen?“    Dasui antwortete: „Trägt kein Werbeplakat auf seinem Bauch.“ *** Dasui fragte einen Mönch: „Wohin gehst du?“    Der Mönch erwiderte: „Ich werde allein auf dem Westberg leben.“    Dasui fragte: „Wenn ich in Richtung des Ostberggipfels rufe, wirst du dann kommen oder nicht?“    Der ...

Weisheiten aus den Briefen von Ying-an

  Im Folgenden Auszüge aus Briefen des Zen-Meisters Yingan Tanhua (1103-1163), dem Dharma-Nachfolger von Huqiu Shaolong (1077-1136), der wiederum Yuanwu Keqin, den Autor des Biyanlu (jap. Hekiganroku ) beerbt hatte. Mehr findet sich in Thomas Cleary: Chan Instructions (2016). „Beim über den ganzen Tag verteilten Erregen der Gedanken sei unmittelbar offen und leer – wie leerer Raum, ohne jegliche Form –, so dass die Gedanken nicht ergriffen werden können; außen und innen werden eins, Wahrnehmung und Objekte verschwinden, ebenso Mysterium und Verständnis; Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind gleich. Erlangst du diesen Zustand, giltst du als freier Wanderer ohne Spitzfindigkeiten.“ „Wenn du in dieser Schule erfolgreich sein willst, gibt es keine besondere Technik, außer das Rückgrat aufzurichten. Wenn du darüber hinausgehst, verbindest du die Natur und das Leben von allem in der Welt mit einer zerrissenen Schnur, so dass niemand dem Netz entkommt.“ „Dies nennt man: die Mel...

Beata Grant: Zen Echoes (Klassische Koan von drei Frauen kommentiert)

Die Sammlung, die Beata Grant hier auf akademischem Niveau (incl. Originaltext) vorstellt, heißt Songgu hexiang ji und gehört zum chinesischen Kanon. Ich übersetze einen Fall, auf den ich auch in meinem Youtube -Kanal kurz eingegangen bin. Das besondere dieser Sammlung sind die Kommentare von drei Frauen. In meinem Clip habe ich keinen Hinweis darauf gegeben, dass diese Geschichte beispielhaft für das Abschneiden/Beenden von Karma stehen kann (wie es sogar dem Massenmörder Angulimala offenbar gelang), denn was der Frau da bei dessen Worten dämmerte, könnte genau dies bewirkt haben und zu ihrer Schmerzfreiheit geführt haben. In dieser Lesart wäre allerdings mit Leidüberwindung mal wieder körperliches Leid impliziert, und das ist, wie ich schon oft sagte, problematisch und irreführend. Wie also interpretiert Ihr dieses Kôan? Kommentare erwünscht. *** Fall 4: Angulimala und die schwierige Geburt Nachdem Angulimala das Haushälterleben verlassen hatte, um Mönch zu werden, ging er mit seine...

Weiteres Interview mit Joshu Sasaki

Was ist die Essenz des Zen-Buddhismus? Wer ist es, der eine solche Frage stellt? Jemand, der Zen praktizieren will, oder jemand, der gar kein Interesse an Zen hat? Welche Qualifikationen hat der Fragesteller? Ich nehme an, er bildet sich ein, dass jeder wissen will, was die Essenz des Zen ist. Doch im Buddhismus sprechen wir eher vom „ursprünglichen Gesicht“, und weil ich kein Gelehrter bin und nicht weiß, was der Fragende mit Essenz meint, kann ich nur antworten, dass sie sich im ursprünglichen Gesicht manifestiert. Alles hat also eine Essenz im Sinne eines ursprünglichen Gesichts. Es ist die Essenz einer Blume, zu blühen, die Essenz einer Katze, Mäuse zu fangen – so manifestiert alles sein ursprüngliches Gesicht. Auch wir Menschen manifestieren unser ursprüngliches Gesicht, die Frage ist also, wie wir dieses verstehen können. Welchen Wert hat Zen für die westliche Welt? Wer ist es, der einen Wert beimisst? Wer sucht nach Wert? Das Erste, was Zen hierzu zu sagen hat, ist: Wi...

Nanta Guangyong (850-938)

  Nanta war ein Schüler von Yangshan Huiji, an den ihn sein Ordinationsmeister Linji verwiesen hatte. Er studierte in seiner Jugend die konfuzianischen Klassiker, später das Vimalakirti-Sutra. Als Nanta zu Yangshan zurückkehrte, fragte dieser: „Warum bist du gekommen?“    Nanta sagte: „Um dem Meister meine Ehrerbietung zu erweisen.“    Yangshan fragte: „Erkennst du mich noch?“    Nanta bestätigte dies.    Yangshan fragte: „Sehe ich wie ein Esel aus?“    Nanta sagte: „Wenn ich den Meister ansehe, wirkt er nicht wie ein Buddha.“    Yangshan fragte: „Wenn ich nicht wie ein Buddha aussehe, wie dann?“    Nanta erwiderte: „Wenn ich Euch mit etwas vergleichen müsste, wie könntet Ihr Euch da von einem Esel unterscheiden?“    Yangshan rief erfreut aus: „Er hat sowohl Gewöhnliches wie auch Heiliges vergessen! Die Leidenschaften sind erschöpft und der Körper offenbart. Zwanzig Jahre habe ich mein...