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II. Erwachen ohne Meister

„Zunächst erwachst du zu der leeren Welt, doch im letzten Stadium des Erwachens findest du dich in dieser Welt, dieser Zeit, mit diesem Namen, in dieser Familie wieder. Eine solche Art von Erleuchtung zu erfahren, ist sehr schwierig.“ (Sokei-an)* Im siebzehnten Jahrhundert gab es in Japan nicht wenige Zen-Anhänger, die daran glaubten, die authentische Überlieferung sei in den Jahrhunderten zuvor verloren gegangen. Als Gegenbewegung entstand so etwas wie das „Tokugawa Zen“ in der gleichnamigen (auch Edo-Zeit genannten) Periode von 1603-1868. Eines seiner Kennzeichen waren Mönche, die unabhängig von Lehrern ihre Erleuchtung erfuhren, was mushi dokugo genannt wird. Sie hielten andere nicht für in der Lage, sie zum Erwachen zu führen oder dieses zu bestätigen. So wurden sie zu Selbst-Erleuchteten oder Selbst-Zertifizierten (jigo jisho). Die bekanntesten unter ihnen sind Ungo Kiyo (1582-1659), Daigu Sochiku (1584-1669), Isshi Monju (1607-1645) und Bankei Eitaku (1622-1693) aus der R...

I. Das Überwinden des Palikanon und der geschickten Mittel

[Ausblick: Ich habe vor, jeweils zu Beginn und Mitte der folgenden Monate neue Beiträge einzustellen (also etwa 20 Texte bis Jahresende 2018), die von meinen Erkenntnissen und/oder akademischen Arbeiten handeln.] In der heutigen Darstellung des Zen finden sich häufig zwei Probleme. Zum einen wird eine Herleitung des Zen über den Palikanon versucht, die zuweilen krampfhaft wirkt. [1] Zum anderen – und das hängt damit zusammen – wird in aller Regel aus der Perspektive des „Unerwachtseins“ argumentiert, also so, als seien die „geschickten Mittel“ des Lehrens und der Lehre ein wesentlicher Bestandteil der buddhistischen Praxis und Erkenntnis. Auf diese Weise verfangen sich dann die Adepten ständig in den klassischen logischen Widersprüchen und der einschlägigen buddhistischen Rhetorik. Diese Probleme begleiten freilich die ganze Geschichte des Zen, und darum ist für dessen Reformierung eine Klärung dieser Punkte vonnöten. Kürzlich habe ich eine Textsammlung von frühen Chan-Me...

Louis de la Vallée-Poussin: Der Weg zum Nirwana

[Auszug:] Es heißt, Sakyamuni habe die Fragen bezüglich der Existenz einer vom Körper getrennten Seele und des Nirwana offengelassen, sie beiseitegeschoben oder zurückgewiesen. Tatsächlich finden sich im Kanon jedoch eine Menge von Stellen, welche diese Fragen zumindest indirekt im Sinne einer Seelenlosigkeit oder Vernichtung klären. Wir können einräumen, dass (1) einige Schüler, oder auch viele Schüler, mit der nihilistischen Leere nicht zufrieden waren und darum in der Tiefe ihrer Herzen hofften, dass sie den Meister missverstanden hätten. Vergessen wir nicht, dass die Schüler von Sakyamuni zu ihm als dem Entdecker des Pfades der Todlosigkeit ( amrta ) kamen. Oder (2) es gab Mönche ohne jegliche Vorurteile, nur darum besorgt, völlige Klarheit bezüglich Nirwana zu erlangen, nicht durch logische Schlussfolgerungen gezogen aus psychologischen Voraussetzungen, nicht durch metaphorische und widersprüchliche Phrasen, sondern durch eine direkte und endgültige Aussage von den Lippen de...

Die Kennzeichen eines modernen Zen

(Frenk Meeuwsen: Zen ohne Meister. Graphic Novel. avant-verlag. 25 €.) Dieser Blog soll nun eine Neuausrichtung erfahren, was sich bereits am Abschalten einiger meiner "Listen" zeigt, die den jahrelang vorherrschenden kritischen bis sarkastischen Ton begleiteten und Warnungen vor dem ein oder anderen mehr oder weniger in der Szene bekannten Lehrer beinhalteten. Ich könnte sagen, dass es mich zu langweilen begann, auf diese Art weiterzumachen. Wichtiger ist, das mir Erkenntliche oder meinetwegen auch "Übertragene" fortan in eine neue Form zu kleiden, die den Anspruch der Lehre und ihrer Darlegung erhebt. Anfang des Jahres habe ich bereits angedeutet, an welchen vielfältigen Zweigen im Zen ich mich orientieren werde (bis hin zu Sasaki). Da meine Methode lange darin bestand, nur zwischen den Zeilen Fingerzeige zu geben, beginne ich heute mit ein paar klar benannten Eckpfeilern dessen, was ich unter modernem Zen verstehe. Das bisherige Zen hat meines Erac...

Muhô über Dôgen: Futter für Pferd und Esel

[Auszug:]       HOTSUBODAISHIN 發 菩 提 心 Aufbruch zum Weg des Herzens Der Schwerpunkt von Dôgens Lehre verschiebt sich gegen Ende seines Lebens. In jungen Jahren ging es ihm in erster Linie um Zazen. Jeder, der sitzt, ist ein sitzender Buddha! In späten Jahren betont Dôgen stärker den Geist des Bodhisattvas. Ein Bodhisattva ist einer, der die eigene Buddhaschaft auf später verschiebt, um in diesem Leben anderen auf dem Weg zu helfen. Auf besonders klare Weise drückt Dôgen das in einem der letzten Kapitel des Shôbôgenzô aus, das den Titel Hotsubodaishin trägt. Hotsu bedeutet Anfang oder Aufbruch, während Shin für den Geist oder auch das Herz steht. Bodai ist die japanische Schreibweise des indischen Wortes Bodhi , welches das Erwachen eines Buddhas bezeichnet. In China wurde dieses Wort durch das Wort Tao übersetzt, das wiederum Weg bedeuten kann. In diesem Kapitel geht es um das erste Erwecken des Geist des Weges. Wie ist es möglich, diesen Geist z...

Mitteilung zur Dharma-Nachfolge Joshu Sasakis

The Pond Touching oozy skin.  Everything escaping me, only koi don't move. *** [Der folgende offene Brief ging bereits im November an das von Kobutsu Malone betriebene Sasaki-Archiv , an den Myoshinji-Tempel in Japan, an die Rinzaiji-Gemeinschaft des verstorbenenen Joshu Sasaki Roshi, an das Magazin Tricycle , die Foren von Dharmawheel und Sweepingzen und an ein weiteres, das als einziges für einige Stunden den Brief online ließ - alle anderen beschlossen, die Angelegenheit sofort totzuschweigen ... (Stand vom 21.11., da ich auch diesen Beitrag im Voraus verfasste). Der Zeitpunkt, offiziell das Dharma-Erbe ausgerechnet von Sasaki zu übernehmen - ohne daran irgendwelche Forderungen, Titel usw. zu knüpfen - ist m.E. ideal gewählt, angesichts der heftigen Diskussionen und Skandalisierungen der vergangenen Monate, die auch in diesem Blog aufgegriffen wurden.] Dear Sangha, with this letter I claim dharma-heritage from Joshu Sasaki Roshi. I will see myself as...