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(Auszug)
"Als
ich einst die Geschichte des Westens las, staunte ich darüber, wie der Papst in
Rom durch religiöse Unterdrückung über den Häuptern der Könige aller Länder
festen Fuß fassen konnte. Nun sah ich, wie der Brahmanismus im Osten die
Menschen Indiens mit den Fesseln der Religion band, und wieder wurde ich von
heftigen Empfindungen ergriffen. Bedenkt man den Schaden, den solche Religionen
anrichten, ist es wohl kaum übertrieben zu sagen, Religion sei ein Machtmittel,
um Menschen dumm zu halten.
Doch
muss Religion die Menschen denn unbedingt verdummen? Seht nur: Als der
Brahmanismus den Indern ihre angeborene Freiheit geraubt hatte, stellte unser
Śākyamuni gleich zu Beginn seiner Lehre den Grundsatz auf, den man auf Englisch
„Universal Equality“, allgemeine Gleichheit, nennt. Er verkündete die
Gleichheit in der ganzen Welt des Dharma.
Der
Buddhismus, sagte er, gleiche dem großen Meer, die vier Kasten seien wie die
vielen Flüsse. Wenn die Flüsse ins Meer münden, gibt es keinen Unterschied mehr
zwischen ihnen. Ebenso seien die vier Kasten, sobald sie in die Lehre des
Buddha eintreten, einander gleichermaßen nah und gleichgestellt. Damit
durchbrach er nicht nur die erstarrten Gewohnheiten des Brahmanismus, sondern
löste auch die Verstrickungen der Kastentrennung. Für unzählige Wesen öffnete
er einen ebenen, weiten Weg.
Damals
waren die Kastengrenzen in Indien so streng, dass Menschen verschiedener Kaste
nicht denselben Tisch und Sitz teilten, keine Ehen miteinander eingingen und
sich bei freudigen oder traurigen Anlässen nicht gegenseitig besuchten. Die
Bevölkerung, die unter den Fesseln des Brahmanismus dahingewelkt war und sich
stumm in ihre Not gefügt hatte, wandte sich nun geschlossen dem Buddhismus zu –
als durchbräche ein sich windender Drache eine Erdschicht und stiege empor. (...)"

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