Mittwoch, 23. September 2015

Das mangelnde Mitempfinden buddhistischer Mönche

Nicht jeder kann in den buddhistischen Orden eintreten. Bei der klassischen Aufnahmezeremonie wird der Anwärter u. a. gefragt, ob er Epilepsie, Ekzeme, Lepra oder Tuberkulose habe. Weitere Ausschlussgründe nach dem Vinaya lesen sich wie eine Manifestation der Mitleidslosigkeit. Besonders "Aussätzige", also solche mit deutlich sichtbaren, eiternden Hautkrankheiten, wurden geschasst. Kein Wunder also, dass der Buddhismus in Sachen Nächstenliebe immer wieder schlecht gegenüber dem Christentum abschneidet. Da hilft es auch nicht, als Erklärung anzuführen, man wolle die Mönche nicht damit belasten, sich um Kranke kümmern zu müssen. Geistige Ausschlussgründe kann es natürlich kaum geben, da ja die Trübung des Geistes das Gegenteil von Erleuchtung ist und damit alle, die den buddhistischen Weg einschlagen, Geisteskranke sein müssen. Warum also tatsächlich dieses Beharren auf einem "reinen" Äußeren von Ordinierten? Für mich belegt das nur die Heuchelei der ebenfalls vorhandenen Ausschlussgründe Homo- und Bisexualität. Tatsächlich sollten möglichst gut aussehende Mönche in den Orden eintreten, bei denen sogar auf einen tadellosen Arsch Wert gelegt wurde. Denn selbst Hämorrhoiden machten die Ordination unmöglich! Hier eine Liste weiterer unerwünschter Gebrechen:

- Humpeln
- Einäugigkeit
- Blindheit
- Taubheit
- Kropf
- Asthma/chronischer Husten
- Körperlähmungen
- verbundene Augenbrauen (!!)
- fehlende Körperglieder
- zusätzliche Körperglieder (wie ein 6. Finger)
- Klumpfuß
- Buckligkeit
- Zwergenhaftigkeit

Es ist wichtig, dabei nicht zu vergessen, dass diese Ratschläge auf einen Erwachten zurückgehen sollen. Und Teil eines Gedankengebäudes (im alten, also Theravada-Buddhismus) sind, der es als unabdingbar ansieht, durch das Entwickeln von Ethik und Moral zum Erwachen zu kommen. Weisheit, Meditation und (eine so verstandene) Moral gingen demnach Hand in Hand. Wenn es noch eines Beweises bedürfte, dass dieser Weg nicht zur Weisheit führt, wäre er also im Palikanon (Vinaya) selbst erbracht. 



[Shamisendemon zur Instrumentalversion der B-Seite von Kyarys neuer Single - die mal wieder besser ist als die A-Seite ...]

Kommentare:

  1. Werter Herr Guido,
    zum Einen, vergessen Sie nicht, daß der Weg, den Buddha mit der Gründung der Sanga gegeben hat, keine Sozialeinrichtung ist. Wäre er der Ansicht gewesen, daß dieser Weg der einzige ist, wäre er den Brahmanen seiner Zeit, die das Verdienste machen oder Mara, der im damit lockte, die Welt zu führen gefolgt.

    Zum anderen, jedoch vielleicht wichtigeren, ist, daß dieses zumeist sehr praktische Gründe hat, oder haben kann. Vergessen Sie nicht, daß ein Bhikkhu bzw. Bhikkhuni, weder Sozialversichtert ist (wenn sie Vinaya folgen) noch um gewisse Dinge bitten kann. Aus diesem Umstand, ist ein "unabhängiges" Leben nicht möglich und würde nur zur Konflikten in der Praxis führen (Gewissensfreiheit). Was Dinge wie Sex betrifft, so ist dieses eine Sache des Anhaftens an Sinnesvergnügen, und das Ablegen dessen ist Grundvoraussetzung für ein Fortschreiten in die Hauslosigkeit.

    Heute ist es sehr modern, Früchte zu fordern, aber wie wir wissen (oder vertauen, wenn wir den Lehren glauben), haben Dinge ihre Ursache, und es ist Unsinn, soetwas wie Rechte zu fordern und zeugt von starker Falscher Sichtweise. Um hier an der Stelle auch ganz praktischen Rat zu geben, ist es sehr wichtig Kritik nicht aus einer schlechten Absicht zu machen. Kritik ist gut, wenn Sie aus Wissen und Mitgefühl entspringt. Wenn sie aus Gier (z.B. Neid) oder Ablehnung (z.B. Übelwollen) entspringt, hat dies schlechte Ergebnisse für einen selbst und hier z.B. (die Absicht sei vorbehalten, die weiß nur der Täter, wenn er ehrlich genug zu sich ist und sich erinnern möchte) drei mögliche Auswirkungen für die Zukunft: Einflußlosigkeit, niedrige Geburt, Dummheit, wenn man es zu einer menschlichen Existenz schaffen sollte. Dies ist wie immer nicht als "Rute" einer Obrigkeit zu sehen, sonder als eine gut gemeinte Ermutigung und vielleicht Anlaß zum Reflektieren.

    Nicht zuletzt, sollte man immer Bedenken, daß Gestaltungen nicht beständig sind, und es Ihnen durchaus passieren kann, daß sie durch Wissen und Einsicht, Ihre Ansichten ändern, ja vielleicht sogar einmal den Weg des heiligen Lebens begehen wollen. Sowohl Behinderungen in Körperlicher Weise, Sie könnten schon morgen sich solche Zuziehen, wie auch im Ansehen generell, können hier den Weg schließen. So ist oder wäre es gut, sich einerseits durch informieren den Weg offen zu halten (nicht "Dumm" zu werden, eines der wirklichen Hindernisse zum Erwachen) und andererseits nicht zu viel Zeit zu verlieren, alte Dinge kommen schneller auf, als man glaubt und der Weg ist eben dieser Hinaus aus den immer wieder erzeugten Ursachen.

    Da alle einzelnen Punkte ihre Anläße gehabt haben und auch Faktoren wie Verständnis des Dhammas und der Ausübung hineinspielen, ist es sicher gut die Punkte einzeln zu besprechen und zu reflektieren. Gerne sind Sie dazu eigeladen und, vielleicht ein Angebot, daß Ihnen im ersten Moment, entweder mit Hintergedanken oder als Hohn erscheinen mag: Sie schreiben und recherchieren gerne. Atma (meine Person) kann Ihnen sagen, daß man mit loslassen am meisten Einsicht gewinnt und vielleicht haben Sie das erforderliche Vertrauen und möchten dabei Helfen, Arbeiten um die Vinaya ins Deutsche zu übersetzen. Herumpeitschen der Trübungen und Loslassen garantiert, bis man entweder das Eine oder das Andere aufgibt.

    Viel Freude beim Entdecken, und bleiben Sie bei allem stets im Rahmen der Bezugnahme (Körper, Geist, Geistegestaltungen und Dhamma)

    metta & mudita
    Samana Johann
    zu finden: sangham.net

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  2. Nur am Rande zum Titel, weil er meinereinem nochmal in den Sinn gekommen ist und Dhamma-Vinaya ja wenig mit Rechten und Fordern sondern mit dem Weg zu guten Früchten zu tun hat. So sollte er, wenn es hier etwas zu kritisieren gibt heißen "Die mangelnde Information der Mönche", sollten Dinge in deren Sphäre liegen.

    Hier zu selbst (wichtig) refelktieren:

    "Auf fünf Arten, junger Haushälter, sollte ein Haushälter Asketen und Priester als den Zenith unterstützen:

    (i) mit wohlwollenden Handlungen,
    (ii) mit wohlwollenden Wörtern,
    (iii) mit wohlwollenden Gedanken,
    (iv) ihnen ein offenes Haus bieten,
    (v) sie in materiellen Bedürfnissen versorgen.

    "Die Asketen und Priester unterstützen so als der Zenith des Haushälters und zeigen auf sechs Arten Mitgefühl mit ihm:

    (i) sie halten ihn von Ungeschicktem ab,
    (ii) sie halten ihn zu Gutem an,
    (iii) sie kümmern sich um ihm mit einem freundlichem Herz,
    (iv) sie erzählen ihm, was er noch nicht gehört hat,
    (v) sie erklären, was er bereits weiß,
    (vi) sie führen ihn auf den Pfad zum höheren Bereich.

    Auf diese sechs Arten zeigen Asketen und Priester ihr Mitgefühl gegenüber einem Haushälter, die er als den Zenith unterstützt. So ist der Zenith damit gedeckt, sicher und sorgenfrei gemacht."
    Die Lehrrede an Sigala


    Vielleicht kann man die Schlüssigkeit von Wort und Tat abschätzen, die dann auch zum einrichten der Grundlagen für den Weg führen.



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  3. "Sowohl Behinderungen in Körperlicher Weise, Sie könnten schon morgen sich solche Zuziehen, wie auch im Ansehen generell, können hier den Weg schließen."

    Ist es nicht schön, dass ein Insider meinen Beitrag noch bestätigt?

    Ich kann jedem Leser versichern, dass keine Körperbehinderung den Weg "schließt". Lasst euch nicht irre machen. Grüße auch an H.

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  4. Werter Herr GuiDo,
    es ist nicht gut, etwas zu versichern, was nicht gedeckt ist. Unehrlichkeit und "Hot dogs" für alle, ist zwar ein Marktreißer und zieht die Massen und vor allem jene an, die zwar Früchte beanspruchen wollen, aber dem keine Gründe geben wollen, doch darf man nicht vergessen, daß selbst die "best" gemeinteste Ratgebung, wenn uninformiert, schlicht weg ein Schuß ins eigene Knie ist. Spätestens dann, mag man dann sehen, was für Auswirkungen auf wenn solche Dinge haben. Vielleicht verstehen Sie nun besser, oder können sich dieses zusammen denken, auch wenn da vielleicht noch kein Vertrauen ist, oder dieses durch traumatische Erlebnisse uneinsehbar verschleiert behindert ist.

    Nur für den Fall, Atma (meinereiner) hält Sie für einen sehr offene und tiefgründige Person, auch wenn Sie das an der Oberfläche gerne mit Bomben und Granaten als "Selbstschutz" kaschiert, möge hier ein kurzer Talk (wenn auch meta-Diskussion) geteilt sein: Erwachsenen-Dhamma vs. Spezial-Dhamma.

    Atma (meinereiner) hält Sie für intelligent genug, diese Dinge nicht als polemisches Material, sondern Geschenke für den Geist, zur Entwirrung, anzusehen. Es ist nicht so, daß da keinerlei Verständis für viele Ihrer Kritiken hier ist, ganz im Gegenteil. Sie müssen sich bewußt werden, Atma macht sich auch hier keine unehrlichen Freunde mit weltlichen Interessen, daß sie nur schwerlich in Kontakt mit Mönchen kommen können, die sich an Vinaya halten und kein einziger Beitrag wäre hier möglich, wenn es nicht der Fall wäre, daß die Mehrzahl der "ordinierten" Personen, das was man "Verderber von Familien" nennt wären. Verwirrung und Zweifel kommen dann auf, wenn Wasser gepredigt wird und Wein getrunken, doch muß man hier selbst auch ehrlich zu sich selbst sein, ob man überhaupt an Wasser interssiert wäre, denn, und daß gilt überall, Nachfrage (chanda) breitet den Markt und Händler gibt es nie zuwenig, wie auch Kreativität im Verkauf.

    Wie im täglichen Konsum, kann man sich selbst belügen, oder den Konsum beginnen zu reduzieren. Keine Wirkung ohne der vorausgegangenen Ursache, wo der Geist sich hinneigt da kommt er an und das sich gleiches stets gerne zusammen gesellt, zum gegenseitigen Nähren, gemeinsam auf Jägt geht, ist auch ganz normal.

    Also, auch wenn da sicher viel Anhaftung und Sorge ist, vergessen Sie nicht, das die Wurzel von ungeschickten Handlungen, subtil oder platant Unwissenheit ist. Hinterfage Sie das was man gerne das korrupte Komitee der Trübungen im Geist nennt. Worauf ist es aus? Ist es wirklich so frei oder nur stimmenstark? In der Physchologie nennt man diese Taktik des Geistes "Victim blaming", was den inneren Ablauf betrifft. Was die äußere Depatten-Taktik betrifft, nennt ma es "den Stolz einer Gruppe herauszufordern, anzurufen" um damit den Rücken gestärkt zu bekommen, eine sehr billiger, weit unter Ihrem Niveu liegender Disputanten-Trick, oder?

    Also, zu Ihrer Warnung: "Sowohl Behinderungen in Körperlicher Weise, Sie könnten schon morgen sich solche Zuziehen, wie auch im Ansehen generell, können hier den Weg schließen." richtig oder falsch? (abseits davon, daß es einem vielleicht nicht gefallen mag)

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    1. Falsch. Der Buddha-Dharma ist eine Geistesübung.

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  5. Weil Atma gerade mal wieder auf "Angkor" hier aufmerksam geworden ist, und gerade nachgelesen hat, daß werter Herr Guido eine gewisse Verbindung zu Kambodscha hat: es ist zwar ziemlich unwahrscheinlich, meine Person physisch zu treffen, aber gerne sind Sie eingeladen, die alte Tradition, die es hier auch kaum mehr gibt, etwas kennen zu lernen, sollten Sie wieder einmal im Land der Wunder sein, und Atma zufällig via Internet erreichbar.

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    1. Der Vater der ersten Khmer-Familie, mit der ich mich anfreundete, ist in den Tempel gegangen und Mönch geworden. Einer seiner Söhne war es schon zuvor. Dieser Buddhismus ist mir nicht unbekannt.

      Sagen Sie mir Bescheid, wenn Hun Sen tot ist.

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