Mittwoch, 14. Mai 2014

Gedichte von Hyesim


Chin'gak Kuksa Hyesim (1178-1234) war wohl der erste Son(Zen)-Meister Koreas, der sich auf die Dichtung konzentrierte. Hyesim heißt "Weisheit-Glaube". Er empfing 1205 vom bekannten Chinul die Dharma-Übertragung, im gleichen Jahr, in dem der Chogye-Orden seinen Namen bekam, und sollte 1208 der nächste Hauptabt des Songgwang-Tempels werden, was er zunächst ablehnte. Nach dem Tode Chinuls im Jahr 1210 wurde er jedoch per königlichem Erlass dazu eingesetzt; aus diesem Tempel gingen sechzehn Patriarchen hervor. Die folgenden Gedichte stammen aus Magnolia and Lotus: Selected Poems of Hyesim (Buffalo 2012); es stützt sich auf das einzige überlieferte Werk mit seinen Versen, "Gedichte von Muuija", das an der Universität von Komazawa in Japan aufbewahrt wird.


Allein an einem Teich sitzend,
sehe ich auf dem Grund einen Mönch.
Still lächeln wir einander an –
ich weiß, seine Stimme wird nicht antworten.

***
Frühlingsseidenraupen spinnen ihre Fäden, binden sich auf seltsame Weise selbst –
Fliegen geben sich mit ihrem Essigtopf zufrieden.
Wenn du deinen Fesseln entkommen und außerhalb des gewöhnlichen Lebens residieren möchtest,
wende dich so bald wie möglich um. Praktiziere Son (Zen).

Ich bin gemeinsam mit dir gebunden –
warum sollte ein Kranich, einmal befreit, zögern zu fliegen?
Der leuchtende Mond erinnert mich an dein Versprechen -
an welchem Tag werden wir in den Bergen Son praktizieren?

***

In bestickter Seide schimmernd, 
warum eigentlich soll jede Buddha-Statue so reich gekleidet sein?
Der alte Meister Zhaozhou lebte ganz ärmlich
und besserte seinen Tisch mit Feuerholz aus.

***

Ein Jahr ist plötzlich vorbeigezogen, geschwind wie ein Fluss -
mein Haar wird jeden Tag grauer mit der Feierlichkeit des Alters.
Selbst diesen einen Körper besitze ich nicht - 
lass gut sein. Was kann ich schon verstehen jenseits meines Geistes?

***

Vor dem Fünfgipfelberg
schmiegt sich die "Einsiedelei der Wandelzyklen" an eine steinige Höhle.
Geborgen in dieser Klause, den weiteren Verlauf meines Lebens überdenkend, 
lache ich hysterisch darüber, wie schwer es geworden ist, zu sprechen.

Der Fuß eines Kessels, der Rand einer Schale, beide zerbrochen -
meine Tage mit dem Kochen von Grütze und Tee verbringend.
Träge wie ich bin, fege und hege ich den Garten nicht,
das Gras ähnelt ungekämmten Wolken und wächst kniehoch.

Ich gehe früh schlafen und stehe doch spät auf,
die Morgendämmerung kenne ich nicht.
Weder wasche ich mir die Hände noch schere ich mir das Haupt, 
ich lese keine Sutren und halte keine Regeln ein,
verbrenne keinen Weihrauch, mache keine Sitzmeditation, 
vollführe keine Gedenkzeremonien für einen Meister oder Buddha.
Besucher halten das für seltsam und fragen mich, welcher Schule ich angehöre - 
der ersten, zweiten, dritten, vierten, fünften, sechsten, siebten.
Tut es nicht tut es nicht tut es nicht es ist geheim geheim geheim -
erzählt anderen nicht von meinem verwahrlosten Heim.
Maha Prajna Paramita.

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