Mittwoch, 1. Januar 2014

Die informellen Gelübde im Buddhismus

Mancherorts besteht der Irrglaube, man müsse in einer erhabenen Zeremonie, in Roben und womöglich mit geschorenem Haupt, dem dazugehörigen Singsang in einer Sprache, die man wahrscheinlich nicht versteht, sowie in teils körperfeindlichen Haltungen seine Gelübde ablegen. Ein Auszug aus dem Klassiker Grundzüge der buddhistischen Philosophie ("Essentials of Buddhist Philosophy") von Junjiro Takakusu, der maßgeblich für die Erstellung der Taisho Tripitaka verantwortlich war, belehrt eines Besseren. Das Buch ist nun in der Übersetzung von Dr. Julian Braun auf Deutsch erschienen. 

"Gelübde der Selbst-Disziplin (自誓大事之戒)

Bei der förmlichen Regelübernahme sollte es einen privaten Mentor (upadhyaya), einen Zeremonienmeister (karma-acarya) und einige Zeugen geben. Eine Ordination sollte innerhalb der Gemeinschaft (sangha) vorgenommen werden. Wenn die Artikel der Ordensregeln vorgelesen werden, legt der Empfänger ein Gehorsamsgelübde ab. In einigen Fällen, wenn diese formalen Notwendigkeiten nicht erfüllt werden können, wird einem das Recht zugestanden, ein nicht-formelles Selbst-Gelübde abzulegen. Es kann als Regel des Selbst-Gelübdes bezeichnet werden, wie es in außergewöhnlicher Weise von der Königin Srimala im Srimala-Sutra exemplifiziert wird. Prinz Shôtoku las zweimal über diesen Text vor der Kaiserin. Beim zweiten Mal stellte sich die Kaiserin Suiko vor den Buddha [eine Buddhastatue] und wiederholte laut den Schwur der Königin als ihren eigenen. Dies ist das erste Beispiel für die Praxis des Selbst-Gelübdes in Japan. Die Selbst-Gelübde-Regelübernahme wird im Brahmajala-Sutta (Taishô Nr. 21) erlaubt. Wenn es einem nicht möglich ist, einen passenden Lehrer zu finden, kann man eigenständig die Regeln durch ein Selbst-Gelübde annehmen. Es ist eine Variante der Bodhisattva-Ordination. 

Gelübde der selbst-immanenten Wahrheit (自心本真之戒)

Im Gegensatz zur formalen Ordination wurde von Dengyô Daishi eine ideelle Ordination vorgeschlagen. Er nannte sie die „runde und plötzliche“ Ordination. Wie schon erwähnt bezieht sich „rund und plötzlich“ auf die Anwendung der Lehren des Lotos-Sutra, der vollkommenen Lehre, deren Wirkungen schlagartig erfahren werden können. Diese Ordination gibt es nur im Mahayana, und sie wird von der Tendai-Schule als eine Ordination ausschließlich für Bodhisattvas angesehen. Den Lehren des Lotos-Sutra zufolge sind alle moralischen Gebote und sittlichen Vorschriften seit jeher im Geist jedes einzelnen enthalten und nicht die Resultate spezieller Bemühungen. Darum spricht man von den selbst-immanenten Gelübden, welche speziell in der Tendai-Schule zu finden sind. 

Gelübde der Selbst-Natur (自相本性之戒)
Die Zen-Schule hatte während der Kamakura-Zeit (11831331) eine ähnliche Form der Ordination. Dem Zen zufolge ist das Wissen um die moralische Disziplin ursprünglich in der menschlichen Natur vorhanden. ..."

1 Kommentar:

  1. Namaste!

    zum "Gelübde der selbst-immanenten Wahrheit" bzw. der "runden und plötzlichen Ordination" schreibt auch die Tendai Shû auf ihrer offiziellen Homepage, sogar in Englisch: http://www.tendai.or.jp/english/chapter02.php.

    Diese Gelübde, dort "Endon Bosatsu Kai" genannt (das "Endon" ist daselbe wie bei der Maka Shikan - Endon Shô, einem Text den ich besonders schätze - also "plötzlich und vollständig") entspricht den "Drei Zusammenstellungen der Reinen Gebote", welche man laut Sôtô Kyôkai Shushôgi auch in der Sôtô Shû als Teil der 16 Gelübde annimmt.

    Diese Drei Gelübde, "1.) Tu nichts Böses", "2.) Tu Gutes" und "3.) Handle zum Wohle der Wesen", beinhalten eigentlich schon alles, und alles andere - Panca-Sîla, Jukai, Brahmajala-Gelübde, Vinaya sind lediglich (teilweise sogar unvollständige) Ausformungen davon.

    Vielleicht hat es ja seinen Grund, warum der Tendai Shû gerade an der Verbreitung der Endon Bosatsu Kai gelegen ist...

    < gasshô >

    Benkei

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