Mittwoch, 16. Oktober 2013

Samatha, samapatti, dhyana ...
und ein anderer Blick auf Meditation

Im Kapitel "Bodhisattva des gründlichen Unterscheidens" (des Sutras der Vollkommenen Erleuchtung) wird auf "25 Arten reinen Samadhis" eingegangen. Ich möchte die darin gegebene Definition dreier Meditationsarten wiedergeben.

"Wenn sich Bodhisattvas nur in völlige Stille betätigen, können sie durch deren Kraft fortdauernd Fixierungen lösen und das Letztgültige erlangen. Ohne von ihrem Sitz aufzustehen, treten sie in Nirwana ein. Diese Bodhisattvas praktizieren samatha.

Wenn Bodhisattvas alle Dinge als Illusion kontemplieren, können sie durch die Kraft der Buddhas die Dinge in der Welt in alle Arten von Auswirkungen wandeln und so die reinen, wundersamen Handlungen als Bodhisattvas vollziehen. Sie bewahren in Stille dharani und Achtsamkeit und verlieren nicht die Weisheit, die aus jener Stille erwächst. Diese Bodhisattvas praktizieren samapatti.

Wenn Bodhisattvas sich nur in dem Auslöschen von Täuschungen betätigen, ohne in deren Auswirkungen verstrickt zu werden, werden sie alle Fixierungen lösen und die absolute Wirklichkeit manifestieren. Diese Bodhisattvas praktizieren dhyana."

Mir ist es ein Anliegen, die in solchen Mahayana-Sutren angelegte und in Zen-Kreisen heute sowohl von Dogen- wie auch von einigen Koan-Anhängern kolportierte Sitzmeditation in ihrer Bedeutung zu relativieren. Zwar mag es keine einzelne Meditationsform geben, die statistisch betrachtet besser geeignet ist, den befreiten Zen-Menschen des Loslassenkönnens zu zeugen, doch ist in der Zen-Geschichte immer wieder ein wesentlicherer Aspekt betont worden. So schrieb Meister Yantou (827-887):

"Als ich früher auf Reisen war, suchte ich an ein paar Orten Lehrer auf. Sie unterrichteten die Konzentration bei Tag und bei Nacht, das Sitzen bis zum Schwieligwerden deiner Arschbacken, und all das, während dein Maul sabbert. Solche Typen sitzen in der völligen Dunkelheit des Bauches vom Urbuddha und behaupten töricht, sie würden in der Meditation ihr Erlangen aufrecht erhalten. Doch da ist immer noch ein Begehren! Habt ihr nicht gelesen: 'Wenn du unabhängig und frei von Leidenschaften bist, bist du selbst Buddha!'? Ein Altehrwürdiger sagte: 'Wenn du die Milch vergiftest, ist selbst geklärte Butter tödlich.' Dies erlangst du nicht durch Hören, du kannst es gar nicht erlangen oder darin verweilen, es ist auch nicht in deinem Ausdruck. Missverstehe nicht, was bloss ein Tor oder eine Tür ist, sonst bist du noch am letzten Tag deines Lebens verarscht und hilflos. Du solltest Künstliches und Exzentrisches meiden. Kümmere dich einfach um deine körperlichen Bedürfnisse und verbringe die Zeit gemäss deines Platzes im Leben. Und störe nicht die öffentliche Ordnung, indem du dich hochtrabend mit einem identifizierst, der dem Weg folgt."

Der vor einigen Wochen hier ausgiebig zitierte Meister Foyan beschrieb es mit seinen "Zwei Methoden des Einganges":

"Seit Urzeiten gab es zwei Methoden, die wahre, also ein Freisetzen ohne Unterbrechung, und die behelfsmässige, eine feinabgestimmte Antwort auf alle Möglichkeiten. Wenn du Eintritt durch die wahre Methode erlangst, dann verstehst du auf natürliche und spontane Art, ohne der Kontemplation zu bedürfen, du wirst nicht dahinter zurückfallen, jedoch zahlreiche erstaunliche Fähigkeiten entwickeln. Wenn du Eintritt durch die behelfsmässige Methode erlangst, musst du 'den Sitz einnehmen, die Kleidung tragen und danach für dich selbst erkennen'. Dies kann man jedoch noch nicht als das Letztgültige ansehen. Die zwei Methoden sind eine Wirklichkeit."

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