Mittwoch, 21. August 2013

Best of FOYAN (Qingyuan, 1067-1120)


In meiner Zen-Schule gibt es nur zwei Arten von Krankheiten. Die eine besteht darin, nach einem Esel zu suchen, der einen Esel reitet. Die andere besteht darin, sich zu weigern, vom Esel wieder abzusteigen, wenn man ihn schon bestiegen hat. (...) Ich sage dir, du brauchst den Esel nicht zu besteigen, du bist der Esel! Die ganze Welt ist der Esel! (...) Wenn diese beiden Krankheiten vergangen sind und nichts in deinem Geist zurückbleibt, dann wirst du ein Wanderer des Weges genannt. Was gibt es dann noch? Darum fragte einst Zhaozhou den Nanquan: "Was ist der Weg?" Und Nanquan antwortete: "Der gewöhnliche Geist ist der Weg."

Sobald du nicht-unterscheidendes Wissen erlangst, haben wir etwas, womit wir arbeiten können, etwas, worüber wir sprechen können.

Lass mich etwas fragen: Warum zollst du einem Symbol der Weisheit Respekt? Erkennt dieses Symbol dich an, wenn du dies tust? Stimmt es mit dir überein? Wenn es dich anerkennt, wie kann das sein, wo es doch nur aus Ton besteht? Wenn du meinst, es stimme mit dir überein, kannst auch du übereinstimmen? Da du weder des Anerkennens noch der Übereinstimmung fähig bist, warum zollst du dann Respekt? Ist das eine gesellschaftliche Übereinkunft? Wird Gutes erzeugt, indem man eine Abbildung anschaut? Wenn du dies für eine gesellschaftliche Pflicht hältst, wie kann es eine solche unter denen geben, die sich losgesagt haben? Wie könnten sie Gutes erzeugen, indem sie Abbilder anschauen? Oder zollst du vielleicht nur Respekt, um mit der Masse zu gehen? [siehe Blog vom 17.7.2013 zum Viktualienmarkt ...] 

Mein Zen hat nur einen Geschmack, den ich das Mark aller Weisen nenne.

Nicht zu wissen bedeutet, dass nichts ungewusst ist, dass kein Ort unerreicht bleibt.

Wenn du überhaupt nicht denkst, wird das nicht funktionieren.

Selbst wenn du geklärt hast, was verstanden werden kann, kann dies nicht damit verglichen werden, das zu erkennen, was nicht verstanden werden kann, und diese Erkenntnis aufrecht zu erhalten. Erst dann wirst du stets munter und wachsam sein.

Als Xuansha sah, wie sich ein Wegsuchender vor einem anderen niederwarf, sagte er: "Es ist wegen des Selbst, dass sich einer vorm anderen verbeugen kann."

Dein Körper ist nicht da, aber auch nicht nichts. Seine Präsenz ist im Geist, also war er niemals da. Sein Nichtsein ist die Abwesenheit des Körpers im Geist, darum war er nie nichts.

Es geht nur darum, dass du dich von emotionalen Gedanken löst.

"Nicht-Sehen" heisst nicht, mit geschlossenen Augen auf einer Bank zu sitzen. Du sollst Nicht-Sehen beim Sehen praktizieren. Darum heisst es: "Lebe im Reich von Hören und Sehen, doch werde davon nicht erfasst. Lebe im Reich der Gedanken, doch bleibe davon unberührt."

Ein alter Patriarch sagte: "Freiheit von Gedanken ist die Quelle, Freiheit von Erscheinungen ist der Kern."

Ob du über die Geschichten der Alten nachsinnst, still sitzt oder dich überall aufmerksam umschaust - all dies sind Wege, deine Arbeit zu verrichten. Überall ist der Ort, an dem du Verwirklichung erlangen kannst, doch wenn du dich Tage und Monate lang ununterbrochen auf einen Punkt konzentrierst, wirst du sicher den Durchbruch erleben.

Geist sieht nicht Geist. Um ihn zu erfassen, darfst du ihn nicht als Geist ansehen. Dies ist das Reich jenseits der Gedanken.

Manchmal kommen Anfänger zum Zwiegespräch mit mir und können nichts dagegen tun, dass ich sie bereits durchschaut habe. Sie sind wie Dorfbewohner, die sich mit Stäben ausgerüstet haben, um den General zu bekämpfen. Doch hier bin ich, vollständig gewappnet, in meiner Hand das hundert Pfund schwere Schwert des legendären Kriegers, und sie haben nichts als ihre Tragestange. Sie landen einen Schlag, und da dieser Mann sich nicht bewegt, schlagen sie noch ein paar Mal zu und verschwinden dann. Nicht, dass ich sie fürchtete. Sie sind keine Gegner für mich. Ha, ha!

Wenn du es erkennst, dann macht es einen Unterschied.

Die Alten sahen die Hilflosigkeit der Menschen und baten sie, eine Weile still zu meditieren. Spätere Generationen haben die Absicht der Alten missverstanden. Sie sassen dann wie Klumpen mit angenähten Augenbrauen und geschlossenen Augen, unterdrückten Körper und Geist und warteten auf Erleuchtung. Wie dumm, wie närrisch!

Heute reden die Menschen über gewisse Unterscheidung, doch können sie mit Gewissheit unterscheiden? Es geht nicht darum zu behaupten: "Dies ist eine Aussage für Anfänger, diese eine für Fortgeschrittene." So ist es ganz und gar nicht. Alles auf einmal loszulassen - das genau bedeutet, mit Gewissheit zu unterscheiden. Weder für Anfänger noch für Fortgeschrittene gibt es einen anderen Schwerpunkt. 

Xuansha sagte: "Ich kann den Menschen keine besondere Methode beibringen, keinen Lehrsatz und keinen Weg zu Frieden und Glück."

Der Zweite Patriarch legte die Lehre überall dar, wo er sich befand, und jeder, der ihm zuhörte, erlangte wahre Achtsamkeit. Er fertigte keine schriftlichen Formulierungen an und diskutierte weder Übung und Verwirklichung noch Ursache und Wirkung.

Warum nicht Zen auf diese Weise üben: den ganzen Tag lang gehen, stehen, sitzen und liegen, ohne je zu gehen, zu stehen, zu sitzen oder zu liegen?

Du musst Schwarz und Weiss unterscheiden können, bevor du es tun kannst!

Sitzmeditation und Konzentration führen nicht zu innerer Freiheit!

In den alten Lehren heisst es, deine gewöhnlichen Gefühle und Wahrnehmungen seien wie ungebrannter Lehm, der vor dem Erhitzen nutzlos ist. Mit der Erleuchtung ist es genau so.

Es heisst, mit der ursprünglichen Inspiration erlange man wahre Erleuchtung. Dies bedeutet, zunächst die Frucht zu erlangen. Die sechs Vollkommenheiten (paramita) und zahlreichen Taten der Buddhas sind eine Frage des nachfolgenden Reifens.

Wenn du nicht weisst, was innere Arbeit ist, wie kannst du dann erwarten, durch unbewegliches Sitzen zu verstehen?

Zen-Konzentration bedeutet alles übersteigende Einsicht in jeden Moment des Denkens.

Schüler des Zen sollten im Einklang mit dem Prinzip voranschreiten und nicht so anmassend sein, etwas Transzendentes zu erwarten. 
   Im Allgemeinen machen die Schüler heute Phänomene zu einem Extrem und Prinzip zu einem anderen. Dadurch wird ihnen körperlich wie geistig unwohl. Warum also nicht Phänomene und Prinzip in Einklang bringen?
   Ohne auch nur von den Phänomenen seit anfangloser Zeit zu sprechen, beachte einfach den Moment der Empfängnis, wenn sich eine plötzliche Veränderung im Körper und der materiellen Welt abspielt; von da an ist alles Phänomen, auch jedes Element im bedingten Körper. Wie kannst du genau in diesem Augenblick deinen Geist von diesen Phänomenen bereinigen und so mit dem Prinzip übereinstimmen? 

Dies ist keine Sache von langjähriger Übung, es hängt nicht von Kultivierung ab.

Du hast dir unbewusst Denkgewohnheiten angeeignet, was dich und andere betrifft, und denkst zu wenig daran, davon unabhängig zu werden.

Wer den Weg meistert, hat nichts erlangt. Würde der Weg durch gezielte Absicht gesucht, wäre er etwas Erlangtes. Such einfach nicht irgendwo anders und erkenne, dass es keine Verwirrung und Falschheit gibt; dies bedeutet, den Weg zu sehen.

Nur mit Tiefe und Vollkommenheit ist es wahres Zen, ob in Glauben oder Zweifel.

Darum gibt es für diejenigen, die den Pfad erlangen, nichts, was es nicht ist.

Wenn du es nicht verstehst, dann setze dich aufrecht hin und sinne nach. Eines Tages wirst du hineinplumpsen.

Zen wird auch "das Phänomen von Gold und Kot" genannt. Bevor du es verstehst, ist es wie Gold; wenn du es verstanden hast, ist es wie Kot.

Der Zweck der Reise erfordert, dass sich Zweifel zerstreuen. Wenn du dir aber nicht aktiv Gedanken machst, wie sollen die Zweifel dann schwinden?

Kommentare:

  1. Hallo Giidoo!
    Das ist ein Text von alter Kraft, nicht dieses weiche Herumgesülze. da kann man sich an jedem Satz die Zähne ausbeißen - oder ihn im Ganzen herunterschlucken und dann halt ein paar Mal aufstoßen und wiederkäuen. Wo ist das her?
    Danke für das Einstellen hier.
    Christoph
    www.haus-lueginsland.de

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  2. Hallo Christoph, es gibt eine umfangreichere, wenn auch sicher nicht vollstaendige englische Uebersetzung von Foyans Texten - Thomas Cleary: Instant Zen. Waking up in the Present (1994). Das hier ist sozusagen mein persoenliches "Best of".

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