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Saikontan/Caigentan: Weisheiten eines Vegetariers (VI)

  Es ist besser, ein gelungenes Unterfangen zu erhalten, als ein neues zu beginnen. Es ist weiser, sich gegen die Wiederholung von Fehlern zu wappnen, als vergangene Schnitzer zu bereuen. Der Wind, der durch einen schmalen Bambushain bläst, lässt dessen Blätter hörbar erzittern, doch wenn er weitergezogen ist, bleibt kein Geräusch zurück. Ein Schwarm Wildgänse, der über den blauen Himmel zieht, wird in einem tiefen Teich reflektiert, doch wenn er weitergezogen ist, bleibt keine Spur von ihm zurück. Solche Naturphänomene beschreiben die Stimmung eines überlegenen Menschen. Seine geistige Aktivität manifestiert sich, sobald etwas aufkommt, doch wenn es damit vorbei ist, wird sein Geist wieder leer und ist von nichts besessen. Moralisch rein und doch nachsichtig mit den Fehlern anderer, gütig und doch von entschiedenem Charakter, durchdringend und doch nicht zu sehr auf der Suche, aufrichtig und doch nicht unerbittlich zu sein – eine solche Geisteshaltung kann mit einer Le...

Joshu Sasaki: Teisho [Lin-chi/Rinzai Diskurs XVIII] (11.02.96)

  Die Aufzeichnungen von Lin-Chi, übersetzt von Ruth F. Sasaki.    Diskurs XVII "Der wahre Schüler des Weges hat nichts zu tun mit Buddhas, nichts zu tun mit Bodhisatvas oder Arhats . Er hat auch nichts zu tun mit dem, was in den drei Bereichen als ausgezeichnet gilt. Nachdem er diese transzendiert hat, ist er in einsamer Freiheit, ist er nicht an Dinge gebunden. Selbst wenn Himmel und Erde auf den Kopf gestellt würden, hätte ich hätte ich keinen Zweifel; auch wenn sich alle Buddhas der zehn Richtungen vor mir vereinen würden, würde ich nicht zweifeln; selbst wenn sie sich vor mir bekriegen würden, hätte ich keine Freude; auch wenn die drei Höllen plötzlich zu meinen Füßen liegen würden, hätte ich keine Angst. Warum ist das so? Weil so wie ich es sehe, alle Dharmas leere Formen sind. Wenn sie sich verwandeln, sind sie existent, wenn sie sich nicht verwandeln, sind sie nicht existent. Die drei Reiche sind nur Geist, die zehntausend Dharmas sind nur Bewusstsein. Daraus folg...

Saikontan/Caigentan: Weisheiten eines Vegetariers (V)

  Jeder Mensch trägt ein Stück wahrer Literatur in sich, doch sie ist von nutzlosem Zeug versiegelt, das aus menschlicher Hand stammt. Jeder Mensch trägt ein Stück wahrer Musik in sich, doch wird es von vulgären Liedern und den Tänzen verlockender Frauen ertränkt. Indem er sich gegen die Versuchung wappnet, sollte der Gelehrte nach seiner eingeborenen Musik und Literatur suchen. Nur so kann er darauf hoffen, das wahrhaft Schöne und Erhabene schätzen zu lernen. • In der Not findet man immer etwas, das den Geist erfreut; im Wohlstand läuft man Gefahr, Enttäuschungen zu erleben. Reichtum, Rang und Ruf, die in Tugend verwurzelt sind, kann man mit Wildblumen vergleichen, die auf Feldern erblühen und lange währen. Werden diese Dinge jedoch durch überlegene Macht erlangt, kann man sie mit Blumen in einer Vase vergleichen, da sie den Launen des Schicksals ausgeliefert sind und weggeworfen werden oder, wurzellos, in einem Augenblick verwelken können. • Gerät jemand in Schwier...