"Der eigene Geist ist Buddha" wird wahres Vertrauen genannt, während etwas außerhalb des Geistes erfassen zu wollen als falscher Glaube gilt. "Budda sein" erfordert Untersuchen und Klären, "der eigene Geist" wird im wirklichen Leben persönlich erfahren. Wenn du den Zustand ohne Zweifel erlangst, heißt dies wahres Vertrauen. Doch zu sagen "Geist ist Buddha", ohne den eigenen Geist zu kennen, also nur einer Vermutung aufzusitzen, ist falscher Glaube.
Die Alten übten Konzentration beim Pfirsichpflücken, beim Umgraben der Erde und bei anderen Alltagshandlungen. Wie könnte es also angemessen sein, Konzentration darauf zurückzuführen, lange gesessen und dabei den Geist von Aktivität abgehalten zu haben? Dies wäre falsche Konzentration, es ist nicht der wahre Zweck des Chan.
Inmitten von Aktivität kannst du nicht erfassen, wo sein Ursprung ist, doch inmitten von Stille ebensowenig. Wie könnten Aktivität und Stille überhaupt Zustände sein, da sie doch keinen Ursprung haben? Wenn du dies verstehst, wird alles zu einer einzigen Masse von Konzentration, die alles erfüllt, durchdringt und umfasst.
Wenn ein Ausspruch der Alten dir auf rechte Weise gegenwärtig ist, dann gehst du auf Eis, ohne die Kälte zu spüren, du durchquerst ein dorniges Dickicht, ohne ein Hindernis zu empfinden - nur dann kannst du frei inmitten der Dinge der Welt handeln. Ansonsten wirst du nur von den Objekten bewegt und kannst keine vollständige Konzentration erlangen. (...)
Am meisten fürchte das Spekulieren. (...) Doch wenn das Erstaunen plötzlich auftaucht, erfüllt es das Universum, ohne dass du wüsstest, dass es einen Namen für das Universum gibt. Es ist wie zwischen einem Silberberg und einer Eisenwand zu hocken: Wie könntest du Frieden finden, wenn du keinen Weg zu leben entdeckst? Arbeite auf diese Weise, und beizeiten wird es ganz von selbst eine Lösung geben.
Intensität ist das Mächtigste beim Meditieren. Ohne sie wirst du faul und nachlässig. Sorge dich nicht darum, den Zustand der Alten zu erreichen, sondern suche mit Intensität den Kern des Buddhismus. Diese Eindringlichkeit befreit dich nicht nur von Auswüchsen, sie überschreitet auch sofort Gut und Böse und Gleichgültigkeit. Wenn ein Kôan Wirkungskraft hat, dann verfällst du nicht in Gleichgültigkeit, Aufregung oder Erstarrung. Intensität steht für höchste Achtsamkeit - es gibt keine Lücken. Wenn die Konzentration so aufmerksam ist, hegst du keine Vorstellungen von Existenz und Nicht-Existenz. (...)
Wann immer du auf Umstände triffst, die Gedanken anregen, ob angenehme oder unangenehme, sei dir dessen sogleich bewusst und rufe einen Ausspruch der Alten in deinen Geist, so dass du von diesen Umständen nicht betroffen bist. Du musst nicht befürchten, in eine Leere zu fallen, wenn du ein Kôan im Geist hegst.
Häufe Zweifel auf Zweifel. Wenn du einen Ausspruch der Alten aufbringst, finde heraus, was du noch nicht verstanden hast, entschließe dich, das zu durchdringen, was du noch nicht durchdrungen hast. Es ist wie einen Dieb zu fangen - du musst die Beute sehen.
Erwarte nicht bewusst Erleuchtung. Es ist wie eine Straße entlanglaufen: Wenn du stehenbleibst, kommst du nie zuhause an, du musst also loslaufen. Wenn du bewusst Erleuchtung erwartest, wird sie nicht geschehen, stattdessen musst du konzentriert weiterüben. Große Erleuchtung zu erlangen ist wie aus einem Traum zu erwachen oder wie ein Lotus, der plötzlich erblüht. Wenn die Umstände stimmen, geschieht es von selbst. Wichtig ist, konzentriert mit der Intensität eines Ausspruchs zu arbeiten. Dabei erwartet man keine Erleuchtung.Wenn sich beim Erwachen Himmel und Erde wenden, ist dies doch nur ein vorübergehender Zustand.
Wenn du meditierst, dann gelange zu dem Punkt, wo der Geist nicht mehr angewendet werden kann, an den Rand eines zehntausend Klafter tiefen Abgrundes, dorthin, wo Flüsse und Berge enden. Wie für eine Maus, die in ein Horn hineinläuft, wird es eine natürliche Lösung geben.
Fürchte dich nicht davor, Fehler zu machen, aber davor, deine Irrtümer nicht zu erkennen. Zu wissen, was falsch ist, und es aufzugeben, macht einen zu einem tadellosen Menschen.
Wenn du meditierst, suche nicht zwanghaft nach Stille, um Lärm zu vermeiden. Sitze nicht in einer Geisterhöhle. Du musst mit den Bedingungen deiner Umgebung arbeiten, dort erwirbst du Stärke. Alles, was du beim Gehen, Sitzen, Anziehen, Essen und Treffen mit anderen willst, ist, den Knackpunkt deines Kôan zu klären.
Hüte dich davor, den bewussten Geist für die Aktivität der Buddhaschaft zu halten. Es geht darum, dass diese mentale Aktivität nachlässt. Denke nicht angestrengt über Geschichten und Dialoge der Alten nach. Dongshan sagte: "Wenn du die Feinheiten zu verstehen suchst, verlierst du die Quelle, du ignorierst den Prozess." (...)
Das Reich vollständiger Erleuchtung zu ermessen ist wie der Versuch, einen Eisberg mit dem Feuer einer Glühwürmchens zu schmelzen - es ist unmöglich.
Der Weg kann nicht einen Augenblick verlassen werden - was verlassen werden kann, ist nicht der Weg. Meditation kann nicht einen Augenblick unterbrochen werden - was unterbrochen werden kann, ist nicht Meditation.
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