Samstag, 6. Juni 2015

Ajahn Brahm (II): Die ungültige Nonnenordination

In dieser Doku über Ajahn Brahm und seine Tätigkeiten wird kurz vor Minute 26 ein seltsames Paar in langärmeliger Thermo-Unterwäsche gezeigt, wie es sich seiner irgendwie schwul aufgeladenen Novizenordination unterzieht. Ab Minute 14 wird über die Ersteigerung des Grundstückes für das Nonnenkloster Dhammasara gesprochen. Bereits 1983 hatte Brahm mit Ajahn Jagaro (John Cianciosi, der 1995 entrobte und kurz darauf eine reiche Thai heiratete!) Land für das davon nicht allzu weit entfernte Männerkloster Bodhinyana organisiert. Dieses Land wollte die Thai-Sangha aus dem Kloster Wat Nong Pah Phong (WPP) seines verstorbenen Lehrers Ajahn Chah ihm nach seinem Ausschluss wegnehmen, da es wesentlich durch Spenden von in Australien lebenden Thais finanziert worden war. Ajahn Brahm wurde sein Status als Ordinierer entzogen und er sowie sein Tempel von der Ajahn Chah-Gemeinschaft getrennt, weil nach deren Meinung (und der des höchsten Mönchsgremiums in Thailand) eine Nonnen(bhikkhuni)-Ordination gegen den Vinaya, den Verhaltenskodex im Buddhismus, verstieße, weil Brahm alias Peter Betts seinen Orden dabei bewusst hintergangen habe und es an der nötigen Einsicht fehlen ließ und auch, weil er Mismanagement betrieben habe. Luang Po Sophorn aus dem WPP sagte deutlich, dass Ajahn Brahm nicht länger als Theravada-Mönch, sondern als Mahayana-Mönch anzusehen sei. Ein Beleg dafür ist, dass Brahm die umständliche Erklärung bemüht, der Dharmaguptaka-Vinaya, nach dem Nonnen im Mahayana, etwa in Taiwan, ordinierten, wäre bis auf die Zeit des Theravada oder davor zurückzuführen (obwohl auch in dieser Schule kein ununterbrochener Nonnenorden existierte) und dehalb die Ordination der Theravadin-Frauen durch Mahayana-Nonnen als rechtens ansah. Jedenfalls kommt dies m. E. einem Ausschluss aus der Theravada-Sangha gleich, der aufgrund des Vergehens (eine Sanghadisesa wegen Zwietrachtsähens in der Gemeinschaft, siehe Punkt 10 hier) unter bestimmten Umständen möglich ist. Es stellt ferner einen Gesetzesverstoß in Thailand dar, wo der König als der höchste aller Buddhisten gilt und ebenfalls einst ordinierte.
   Ajahn Brahms Büro antwortet nicht auf die Frage, welcher Sangha er denn nun eigentlich angehöre. Es bestreitet aber seine Sanghadisesa. Dabei ist der Ausschluss aus einer Sangha natürlich vom Vinaya her zu begründen und nicht beliebig möglich. Dies ist ein erster Hinweis auf die rhetorischen Spielchen der Brahm-Clique.
   Zu erwarten wäre gewesen, dass Ajahn Brahm - auch wenn er die Nonnenordination für richtig hält - seine Verbundenheit mit dem Vinaya zeigt, indem er, wie bei einer Sanghadisesa vorgesehen, Buße tut, also etwa für eine Zeit den untersten Rang in seiner (australischen) Gemeinschaft einnimmt, am ehesten aber entrobt und ggf. neu ordiniert. Wie schon gesagt, ist das bei einem Gesinnungsgenossen von Thich Thien Son (der sich nun Thay nennt), in dessen Missbrauchspagode Phat Hue er trotz Warnung weiter recht kostspielig eine Verantstaltung abhielt, nicht zu erwarten. Man erkennt schnell, wenn man sich mit Ajahn Brahm beschäftigt, dass dahinter ein Unternehmer steckt und er sich da ein kleines buddhistisches Imperium zusammenbaute. Er hat kein Problem damit, Schecks über 250.000 Dollar anzunehmen. Seine Missachtung des Vinaya, etwa des Verbotes, sich am Handel (siehe dort den Abschnitt "Buying and Selling") zu beteiligen, ist allgemein bekannt, kürzlich versteigerte er sich sogar selbst. Sein Fall ist dem von Thich Nhat Hanh sehr ähnlich, der ebenfalls den Vinaya für seine Gemeinschaft umschrieb, die Nähe von Frauen erwünschte, die Robe dabei nicht ablegte und neben riesigen Grundstücken und Immobilien auch ein weltweites Buchgeschäft aufbaute. 
   Was daran stört ist nicht die Kreativität oder der Unternehmergeist von Buddhisten, sondern die Heuchelei, dies in einer Robe zu tun und dabei vorzugeben, einem uralten, strengen Verhaltenskodex zu folgen. Im Falle Ajahn Brahms ist das auch ein Schlag ins Gesicht der thailändischen Waldtradition. Buddhasa Bhikkhus Texte zum Beispiel werden kostenlos vertrieben, Peter Betts alias Ajahn Brahm kann mit seinen Geld verdienen. Der Sinn, das habe ich oft genug betont, liegt darin, in Robe die Leute leichter hinters Licht und zu Spenden führen zu können. Man fällt eben gern auf die Robe rein, ohne diesen Umhang wäre die Wirtschaftsleistung dieser umtriebigen Heuchler wesentlich geringer. Dazu werden dann noch Texte über die überragende Bedeutung der Ordinierten-Sangha verzapft, in denen sich Ajahn Brahm erdreistet, einen Ordinierten als "verlässlicher" zu bezeichnen und von Laien zu behaupten, diese würden nicht tun, was sie predigen. Besonders setzt er hier sexuelle Lust in Verbindung zum Anhäufen von Reichtümern, weil er - wie ich oben andeutete, in meinem Fall vergeblich - darüber hinwegtäuschen will, dass auch das Ordiniertenleben mit seinen Zeremonien erotischen Spielregeln folgt und sich dort Haus und Hof anhäufen. Ich hatte z. B. noch nie einen Wohnwagen zur Verfügung, aber eine seiner Nonnen schon. Dieser überaus anmaßende Text, den man unbedingt neben seinen gerade populären Allerweltsgeschichten lesen sollte, damit man weiß, mit wem man es zu tun hat, ist schon eine gehörige Frechheit. Niemals würden Ordinierte den Laien was spenden, sondern immer nur umgekehrt. Wie gut, dass ich Laie bin und mich weiter im Geben üben kann. Und: "Es gibt keine größere Frucht als einer Klostergemeinschaft zu spenden." Ich höre hier nur einen Gauner reden, der anderen das Geld aus der Tasche ziehen will. Und ich weiß jetzt schon, dass das kein gutes Ende nehmen wird mit ihm und Perth.
   Brahms Sekretär und Sprachrohr Ajahn Sujato tut in seinem Blog gar so, als hätte man den Frauen in Thailand einen Gefallen getan. Diese historische Chance hat Brahm jedoch verpasst. Tatsächlich wünschen sich in Thailand viele Menschen eine Königin, da die Töchter des amtierenden Königs sich großer Beliebtheit erfreuen. Bis dahin könnte ein Weg über die legalisierte Nonnenordination führen, da auch eine Königin wohl irgendwann einmal ordiniert haben müsste. Das Schicksal der thailändischen Buddhisten geht Sujato und Brahm tatsächlich weitgehend am Arsch vorbei.
   Auch den Vinaya benutzt Brahm nach Belieben. Da der Dharma in Australien verbreiter sein dürfte als in Indien zu Buddhas Lebzeiten, wäre bei einer korrekten Nonnenordination die Anwesenheit von 10 vollordinierten Nonnen nötig gewesen, Brahm begnügte sich mit 8. Ajahn Brahms Nonnenordination ist demnach auch gemäß dem Vinaya ungültig.

Ab etwa Minute 12:30 auf der oben verlinkten Vimeo-Doku erzählt Ajahn Brahm eine Geschichte über unser umständliches Schälen einer Banane - von oben nach unten. Für einen Moment dachte ich, ich hätte etwas Gemeinsames zwischen uns entdeckt, zumal dazu noch ein Affe aus meiner Lieblingsfamilie der Makaken eingeblendet wird. Doch dann erzählt Brahm, die Affen würden Bananen von unten schälen. Tatsache ist: Makaken schälen die Bananen gar nicht, sie halten sie quer, drücken mitten auf die Schale, wodurch sie einreißt und man sie dann aufziehen und, ohne die ganze Schale aufzupulen, rausessen kann, mit einem einzigen Riss, einer einzigen Öffnung. Diese Geschichte steht symbolisch für Ajahn Brahms Irrtümer. "We are teaching by example", meint eine Nonne doch glatt, und das Beispiel, das sie abgeben - auf luxuriösem Grund unbehelligt von den sozialen Problemen etwa der Menschen zu wandeln, die in einem Ghetto leben, und dabei schlau klingende Sprüche zu kloppen -, beweist mir einmal mehr die Dämlichkeit von Spendern.
   Fazit: Peter Betts ist nur ein weiterer Selbstdarsteller, der mit seinen Klöstern und in seiner Robe als Ajahn Brahm nach Geld stinkt. Wer irgendeinen Zweifel daran hat, dass seine Nonnenordinationen gar nichts mit Gleichstellung und Emanzipation zu tun haben, der sollte a) die Hierarchie des Ordens im Vinaya nachlesen, und b) mal als bekennender Transsexueller oder Hermaphrodit in seinen Orden einzutreten suchen.

Da schämt sich selbst der Wald.

[Anm.: Aus mir unerfindlichen Gründen gab es auf diese Seite nach Veröffentlichung des Beitrages zwischen 21 und 22 Uhr deutscher Zeit fast Tausend Zugriffe. Wenn jemand den Grund kennt, möge er ihn mir mitteilen.]
 

1 Kommentar:

  1. Namaste!

    Vielleicht wäre es ohnehin besser gewesen, einfach die Stellung der bereits anerkannten thailändischen Nonnen, der Mae Chi [Acht-Gelübde-Frauen] zu stärken, zu verbessern und zu festigen, anstatt eine - aus meiner Sicht - ohnehin veraltete und überholte, weil kam noch in der modernen Welt lebbare Bhikkhuni-Tradition wiederzubeleben.

    Die Japaner hatten bereits im 9. Jh. erkannt, dass die "Hinanyana-Ordination", also das Pratimoksha, teilweise nicht mit einem weltoffenen Geist vereinbar ist, und deshalb keine zwangsläufige Voraussetzung für ein Leben als "Dharma-Profi".
    Dengyo Daishi Saicho führte dann stattdessen die Mahayana-Ordination gemäß Brahmanetz-Sutra mit Zehn Hauptgelübden- und 48 Nebengelübden-/Regeln ein, und andere Lehrer, sowohl aus dem japanischen Mantrayana (Shingon Shû) als auch aus dem Jôdomon (Jôdo Shinshû, Jôdo Shû, Ji Shû) und dem Zen übernahmen das ebenfalls bzw. hielten hieran fest. In der Meji-Zeit wurde dann zusätzlich das Zölibat als Zwangsvoraussetzung für ein priesterliches / monastisches Leben als Buddhist in Japan abgeschafft, und aus offiziell zölibatären [und oft inoffiziell herumhurenden] Mönchen wurden nach und nach teilweise Familienväter.

    Heute gibt es kaum noch Bhikkhus in japanischen Traditionen.
    Die wenigen, die das für sich wollen, gehen nach Korea oder in den chinesischen Kulturraum und lassen sich dort [zusätzlich] vollordinieren, wobei ihnen das in der Hierarchie der offiziellen Lehrschulen wohl nicht wirklich etwas bringt. [Eher im Gegenteil! Ich könnte mir sogar vorstellen, dass ein im Ausland vollordinierter Bhikkhu, der ursprünglich "normaler" Sôtô Shû-Mönch war nicht als Abt des Eiheiji oder Sôjiji zugelassen würde, denn dass käme ja einer Geringschätzung der eigenen Ordination mit "nur" 16 Gelübden gleich.

    Wie dem auch sei...

    Aus meiner Sicht ist das Ganze Bhikkhu- und Bhikkhunitum als allgemeine Form der Ordination völlig überholt! Da zeigt vor allem das japanische Beispiel in seinen vielen Ausprägungsformen, dass es diesbezüglich auch moderner geht.
    Man möge mich nun nicht falsch verstehen: ich bin NICHT für eine Abschaffung der Vollordination! Ganz im Gegenteil! Als Form der persönlichen Entscheidung, des persönlichen Lebenskonzepts mag das derjenige annehmen, der nach aufrichtiger Selbstprüfung diesen Weg gehen will und festgestellt hat, dass er/sie es auch kann.
    Aber als Regelordination ist das Ganze absolut überholt, was ja auch zu den vielen Kritikpunkten ["Kein Geld berühren", "Keine Frau berühren", "Nicht nach Mittag essen", "Nicht in hohen Betten schlafen", "Nicht arbeiten"... das kann ja nur schief laufen, wenn man nebenher "in der Gesellschaft" leben will.

    < gasshô >

    Benkei

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